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06.01.2021, Jamal Tuschick

Von Alina Bachmayr-Heyda

Diese 20 Frauen veränderten 2020 die Welt - Zweiter Teil

2020 war durchwachsen. Die Corona-Pandemie gesellte sich zu Problemen, mit denen die Welt schon länger zu kämpfen hat. Doch es wurde nicht alles schlechter – dafür sorgten auch diese 20 inspirierenden Frauen. Sie haben Länder regiert, gegen Ungerechtigkeiten gekämpft, Karl-Heinz Grasser verurteilt, Bestseller und Hits geschrieben, autoritäre Regime ins Wanken gebracht und Impfstoffe entwickelt.

Symbolfoto © Jamal Texas Tuschick

NICOLA STURGEON 

„Dass die britische Regierung entschlossen scheint, einen EU-Ausstieg ohne Abkommen voranzutreiben, wäre schon in normalen Zeiten töricht; inmitten einer globalen Pandemie ist es vollkommen verantwortungslos“, kritisiert Schottlands Premier Nicola Sturgeon ihren Amtskollegen Boris Johnson offen. Und weiter: Da die Regierung in London entschlossen sei, „Konsens und Solidarität den Rücken zu kehren“, brauche Schottland „einen alternativen Weg nach vorn“.

Die Tochter eines Ingenieurs und einer Politikerin studierte Recht in Glasgow, was nicht möglich gewesen wäre, hätte es damals Studiengebühren gegeben, wie sie später sagte. In die Politik ging sie, nachdem die Sozialdemokratie in Schottland keine Chance gegen Margaret Thatcher hatte. Einerseits zeigte Sturgeon ihr Beispiel, dass Frauen erfolgreich Politik machen können, andererseits lehnte sie ihre Inhalte ab. So schloss sie sich der separatistische, linksliberalen Scottish National Party an.

Die schottische Premierministerin kämpft schon lange für ein unabhängiges Schottland. Bei dem EU-Mitgliedschaftsreferendum 2016 sprachen sich Schottland und Nordirland im Gegensatz zu England und Wales mit klarer Mehrheit für die EU aus. In Schottland stimmten alle Wahlkreise geschlossen für Remain. Zwei Jahre zuvor stimmten die Schotten auch für einen Verbleib im Vereinten Königreich. Seit der Brexit-Abstimmung kämpft Sturgeon für ein erneutes Unabhängigkeitsreferendum: Doch London muss dem Referendum zustimmen – und hat das bisher nicht getan.

RUTH BADER

Geboren als Joan Ruth Bader am 15. März 1933 in Brooklyn, New York war Bader Ginsburg im Jahr 1956 eine von neun Frauen an der Eliteuniversität Harvard und zählte zu den Besten ihres Jahrgangs.

1993 setzte der damalige demokratische US-Präsident Bill Clinton die Juristin als beisitzende Richterin am Supreme Court der Vereinigten Staaten ein. Sie galt dort als links-liberale Vertreterin und war später eines der Symbole des Trump-Widerstands und lange zuvor bereits eine Ikone der Frauenbewegung. Bekannt wurde sie dabei auch für ihre dekorativen Krägen, die Ginsburg über der Robe trug. Damit bezeugte sie ihre Anschauungen zu gewissen Entscheidungen ihres Gerichts oder politischen Auseinandersetzungen. Wenn sie mit einem Spruch des Gerichts nicht einverstanden war, trug sie etwa den „Dissent Collar“, eine schwarz-gold glitzernde Kette aus langen, spitzen Perlen von „Banana Republic“. Diesen trugt sie auch am Tag des Wahlsieges von Donald Trump 2016.

„Kämpfe für die Dinge, die dir wichtig sind. Aber kämpfe so, dass sich dir andere anschließen wollen!“

Mit der bekannten Aussage wird Ruth Bader Ginsburg gern zitiert und sie selbst hat sie gelebt. Die am 18. September 2020 in Washington verstorbene Bader Ginsburg war und blieb Inspiration für viele junge Frauen in den USA.

OU HONGYI

Sie gilt als die „chinesische Greta“: Bevor sie der Schule verwiesen wurde, machte sie in den Klassen die Klimaanlagen und das Licht aus und verteilte Zettel im Schulgebäude, auf denen sie von der bedrohten Arktis, dem schmelzendem Eis und aussterbenden Eisbären schrieb. Sie organisierte Klimastreiks und malte Schilder, auf denen „Systemwandel statt Klimawandel“ steht – im autoritären China grenzt das an eine Straftat.

Als sie 2019 von der Fridays for Future-Bewegung hörte, war sie enttäuscht, dass es keine Aktionen in China gab. Also organisierte sie einen eigenen Schulstreik in ihrer Heimatstadt Guilin. Nach sechs Tagen wurde sie von der Polizei mitgenommen und verhört, ihre Eltern wurden aufgefordert, sie zum Aufhören zu bewegen. Die 18-Jährige Tochter von Wissenschaftern will sich nicht einschüchtern lassen. Vor dem Gefängnis hat sie keine Angst, sagt sie internationalen Medien in Telefon-Interviews. Seit ihrem Engagement hat die digitale Fridays for Future-Weltkarte einen Punkt bei Guilin. Seit ihrem ersten Protest sind noch einige andere Punkte aufgetaucht, etwa in Nanjing und Shanghai.

MARION HOHENECKER

Sie hat Ex-Finanzminister Karl-Heinz Grasser (FPÖ/ÖVP) wegen Untreue und Geschenkannahme durch Beamte sowie Beweismittel-Fälschung zu acht Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Richterin Marion Hohenecker hat als Vorsitzende des Schöffensenats den Buwog-Prozess gegen Ex-Finanzminister Karl-Heinz Grasser und 14 weitere Angeklagte geleitet. Fast drei Jahre lang wurden die Korruptionsvorwürfe aufgeklärt. Die 39-Jährige gilt als akribisch – sie besserte im Prozess sogar Karl-Heinz-Grasser aus, als der sein Hochzeitsdatum falsch angab. Attackierten die Verteidiger die Richterin während des Prozesses sie noch für angebliche Befangenheit, musste sich sogar Grasser zwischenzeitlich einsichtig zeigen, als er sich (wohl nicht ganz ohne Kalkül) für ihre Sorgfalt bedankte.

Auch wenn er nach seiner Verurteilung die Strategie wieder änderte und das ganz Justiz-System samt Richterin der Befangenheit bezichtigte, sind sich Beobachter einig: In 168 Verhandlungstagen verlor Hohenecker nicht die Kontrolle über den Jahrhundertprozess. 

ANIKA CHEBROLU

Die 14-jährige Schülerin gewann einen 3M-Wissenschaftspreis für junge Forscher – mit nichts weniger als einer Entdeckung, die ein Heilmittel gegen  Corona ermöglichen könnte. Anika Chebrolu aus Frisco, Texas gewann den mit 25.000 Dollar dotierten Preis, nachdem sie eine computerbasierte Methode entwickelte, um ein Molekül zu entdecken, das an das Bindungsprotein des SARS-CoV-2-Virus bindet. Im Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung erklärt sie es selbst:  „Ich habe ein Molekül entdeckt, das als potenziell antivirales Mittel gegen SARS-CoV-2 eingesetzt werden kann. Das Molekül habe ich aus etwa 698 Millionen Komponenten identifiziert. Es bindet sich an das Spike-Protein des SARS-CoV-2-Virus. Durch die Bindung verändert es die Form des Proteins, und damit kann das Protein nicht mehr richtig funktionieren. Das Spike-Protein würde normalerweise in Gastzellen eindringen, und durch das Bindemolekül wäre das Virus nicht mehr in der Lage, in Zellen einzudringen und sie zu infizieren“, so die junge Forscherin.

Der Beitrag erschien zuerst auf Kontrast.at        

Das sozialdemokratische Magazin Kontrast.at begleitet mit seinen Beiträgen die aktuelle Politik. Wir betrachten Gesellschaft, Staat und Wirtschaft von einem progressiven, emanzipatorischen Standpunkt aus. Kontrast wirft den Blick der sozialen Gerechtigkeit auf die Welt.