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08.01.2021, Jamal Tuschick

Von Alina Bachmayr-Heyda

Diese 20 Frauen veränderten 2020 die Welt - Dritter Teil

2020 war durchwachsen. Die Corona-Pandemie gesellte sich zu Problemen, mit denen die Welt schon länger zu kämpfen hat. Doch es wurde nicht alles schlechter – dafür sorgten auch diese 20 inspirierenden Frauen. Sie haben Länder regiert, gegen Ungerechtigkeiten gekämpft, Karl-Heinz Grasser verurteilt, Bestseller und Hits geschrieben, autoritäre Regime ins Wanken gebracht und Impfstoffe entwickelt.

Symbolfoto © Jamal Texas Tuschick

ANIKA CHEBROLU

Die 14-jährige Schülerin gewann einen 3M-Wissenschaftspreis für junge Forscher – mit nichts weniger als einer Entdeckung, die ein Heilmittel gegen  Corona ermöglichen könnte. Anika Chebrolu aus Frisco, Texas gewann den mit 25.000 Dollar dotierten Preis, nachdem sie eine computerbasierte Methode entwickelte, um ein Molekül zu entdecken, das an das Bindungsprotein des SARS-CoV-2-Virus bindet. Im Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung erklärt sie es selbst:  „Ich habe ein Molekül entdeckt, das als potenziell antivirales Mittel gegen SARS-CoV-2 eingesetzt werden kann. Das Molekül habe ich aus etwa 698 Millionen Komponenten identifiziert. Es bindet sich an das Spike-Protein des SARS-CoV-2-Virus. Durch die Bindung verändert es die Form des Proteins, und damit kann das Protein nicht mehr richtig funktionieren. Das Spike-Protein würde normalerweise in Gastzellen eindringen, und durch das Bindemolekül wäre das Virus nicht mehr in der Lage, in Zellen einzudringen und sie zu infizieren“, so die junge Forscherin.

BILLIE EILISH

2020 gewann die US-amerikanische Singer-Songwriterin fünf Grammys bei sechs Nominierungen, davon die vier Hauptkategorien des renommierten Musikpreises. Im selben Jahr ist die 19-Jährige zum zweiten Mal in Folge die meistgehörte Künstlerin beim Musikstreaming-Marktführer Spotify. 2020 steuerte sie den Song „No Time To Die“ als jüngste Interpretin aller Zeiten zu einem James Bond-Soundtrack bei.

Eilish begann bereits mit elf, selbst zu komponieren. Mit 15 Jahren quasi aus Versehen berühmt, nachdem sie zu Übungszwecken das Lied „Ocean Eyes“ für ihren Tanzlehrer online gestellt hatte. Die Tochter aus einer irischen Künstler-Familie sprengt mit ihrer Musik die Grenzen der herkömmlichen Genres. Zu ihren Markenzeichen gehören neben unangepassten Haarfarben weite Kleider. In einem Promo-Video für Calvin Klein sagte sie dazu:  „Ich möchte, dass die Welt niemals alles über mich weiß. Niemand kann sich eine Meinung bilden. Niemand kann sagen: ‚Sie hat einen flachen Hintern, sie hat einen fetten Arsch!’“  Mit ihrem unangepassten Stil und ihrem offenen Umgang mit ihrer psychischen Gesundheit – Eilish leidet sowohl unter Tourette als auch zeitweise unter Depressionen – bricht sie konventionelle Business-Grenzen.

NASRIN SOTOUDEH

Die iranische Anwältin Nasrin Sotoudeh vertrat mehrere Frauen vor Gericht, die gegen den Kopftuch-Zwang im Iran protestierten. In dem autokratisch regierten Staat müssen Mädchen ab neun Jahren in der Öffentlichkeit neben einem Kopftuch einen weißen Mantel tragen, der die Körperkonturen verhüllen soll.   Foto: By Arash Ashourinia – CC0  2010 wurde sie das erste Mal inhaftiert, nach internationalen Protesten drei Jahre später wieder aus der Haft entlassen. 2019 wurde Sotoudeh erneut mit einer Gefängnisstrafe belangt. Der offizielle Grund des Regimes: Verschwörung zur Gefährdung der nationalen Sicherheit, Anstiftung zu Korruption und Prostitution, Auftreten in der Öffentlichkeit ohne Kopftuch, Störung der öffentlichen Ordnung und Aufwiegeln der öffentlichen Meinung.  Dieses Jahr war sie unter den Preisträgerinnen für den alternativen Nobelpreis. Sotoudeh wurde für ihr „furchtloses Engagement, unter hohem persönlichem Risiko, zur Förderung politischer Freiheiten und der Menschenrechte im Iran“ geehrt. Den Preis konnte sie allerdings nicht persönlich entgegennehmen. Nachdem sich im November der Gesundheitszustand der 57-Jährigen nach 50 Tagen im Hungerstreik akut verschlechterte, bekam sie Hafturlaub gewährt. Am 3. Dezember, dem Tag der Preisverleihung, musste sie ins Gefängnis zurückkehren. 

LOTTI CUNNINGHAM WREN

Neben Nasrin Sotoudeh ist Cunningham die zweite Preisträgerin des alternativen Nobelpreises 2020. Die nicaraguanische Rechtsanwältin aus der Volksgruppe der Miskito verteidigt das Land der indigenen Bevölkerung. Durch die Vergabe von Eigentumsurkunden für indigenes Land in Nicaragua hat sie so maßgeblich zum Schutz der Menschen vor bewaffneten Siedlern beigetragen. Neben ihrem Einsatz für Landrechte hält sie Menschenrechts-Schulungen für Jugendliche und engagiert sich für Rechte indigener Frauen und gegen häusliche Gewalt.  Der alternative Nobelpreis wird ihr „für ihren unermüdlichen Einsatz für den Schutz des indigenen Landes und der indigenen Gemeinschaften vor Ausbeutung und Plünderung“ verliehen.

CHIMAMANDA NGOZI ADICHIE

2007 gewann die nigerianische Schriftstellerin den renommierten britischen Literaturpreis „Women’s prize for Fiction“ für ihren Roman „Die Hälfte der Sonne“. 2020 gewann sie den „Winner of Winners“-Publikumspreis, der den Sieger-Roman als den besten der letzten 25 Jahre kürt. Bereits 2015 wurde der gleiche Roman gemeinsam mit dem 2015 erschienen „Americanah“ von der BBC-Auswahl zu den 20 bedeutendsten literarischen Werken dieses Jahrhunderts gewählt.  Berühmt wurde sie nicht nur durch ihr literarisches Oeuvre, sondern auch durch ihren TEDxtalk „We should All be Feminists“ („Wir sollten alle FeministInnen sein“). In der viral gewordenen Rede aus dem Jahr 2012 sagt sie: „Wir lehren den Mädchen, dass sie ehrgeizig sein sollen, aber nicht zu sehr, dass sie erfolgreich sein sollen, aber nicht zu erfolgreich, sonst bedrohen sie die Männer.“ Die Autorin fordert darin alle auf, anzufangen zu träumen und eine andere, fairere Welt zu planen – mit glücklicheren Männern und Frauen, die sich selbst treu sind.

Der Beitrag erschien zuerst auf Kontrast.at        

Das sozialdemokratische Magazin Kontrast.at begleitet mit seinen Beiträgen die aktuelle Politik. Wir betrachten Gesellschaft, Staat und Wirtschaft von einem progressiven, emanzipatorischen Standpunkt aus. Kontrast wirft den Blick der sozialen Gerechtigkeit auf die Welt.