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12.01.2021, Jamal Tuschick

We Should All Be Feminists (Chimamanda Ngozi Adichie)

Kimberle Williams Crenshaw: "When feminism does not explicitly oppose racism, and when anti-racism does not incorporate opposition to patriarchy, race and gender politics often end up being antagonistic to each other, and both interests lose." © Jamal Texas Tuschick

Von Alina Bachmayr-Heyda

Diese 20 Frauen veränderten 2020 die Welt - Vierter Teil

SARAH MCBRIDE

Die 30-Jährige Sarah McBride wurde mit einer Mehrheit von 73 Prozent der Stimmen ins Parlament des Bundesstaates Delaware gewählt und ist somit die erste transidente Bundesstaats-Senatorin der USA. Die Politikerin setzt sich für eine sozial gerechte Gesundheitspolitik, bezahlten Krankenstand und die Rechte queerer Menschen ein.

Nach ihrem großen Wahlerfolg veröffentlichte McBride auf Twitter eine Danksagung an alle Menschen, die sie gewählt haben: „Ich hoffe, die heutige Nacht zeigt Trans-Kindern, dass unsere Demokratie auch für sie groß genug ist.“

Morgen mehr zu Sarah McBride.

CARDI B

Belcalis Marlenis Almanzar ist als Tochter einer trinidadischen Mutter und eines dominikanischen Vaters. Sie wuchs im armen Stadtviertel Bronx in New York auf. Heute gehört die Rapperin zu den einflussreichsten Musikerinnen der Welt. Als Teenager arbeitete sie im Supermarkt, bevor sie Stripperin wurde.

„Ich schäme mich nicht dafür. Ich hab viel gelernt, über Menschen und Männer, über Leidenschaft und Ehrgeiz“, sagt Cardi B später über ihren Job.

Seit ihrem Durchbruch 2018 setzt sich Cardi B für die Gleichstellung und die Selbstermächtigung von Frauen und Sexarbeiterinnen ein. 2020 traf sie mit ihrem Track „Wet Ass Pussy“ nicht nur einen Superhit – W.A.P ist der meistgestreamte Song binnen der ersten Woche nach Erscheinen – sondern auch einen Nerv. Konservative wie Gangsterrapper echauffierten sich gleichermaßen über die expliziten Texte (spätestens bei der Aufforderung „Park deinen großen Truck genau in diese kleine Garage“ dürfte allen klar sein, was Sache ist). Doch Cardi B setzt mit ihren offenen Nummern voll auf sexuelle Selbstbestimmung. Während ihre männlichen Kollegen seit Jahren auf explizite Texte und übersexualisierte (schwarze) Frauen setzen, hält Cardi B als Kopf einer Bewegung weiblicher Rapperinnen dagegen, die das Feld der besungenen sexuellen Lust nicht länger den Männern überlassen will.

Doch Cardi B nutzt nicht nur ihre Reichweite, um auf Zielgruppen-adäquate Weise  politische Themen wie Polizeigewalt und Black Lives Matter anzusprechen. Sie unterstützte 2016 Bernie Sanders und schaffte sogar das Thema soziale Absicherung von alten Menschen – nicht gerade ein Quotenschlager – aufs politische Tapet zu bringen. 2020 kündigte die Rapperin an, in die Politik gehen zu wollen. Wir dürfen gespannt sein.

SVYATLANA TSIKHANOUSKAYA

Die belarussische Oppositionsführerin floh nach der Wahl in ihrem Heimatland ins Exil in Polen. Sie kandidierte anstelle ihres Ehemannes, dem Video-Blogger Syarhey Tsikhanouski, der nicht als Präsidentschaftskandidat zugelassen – und stattdessen inhaftiert wurde.

Nach den Wahlen, zu deren Sieger sich Machthaber Lukashenko erklärte, floh Tsikhanouskaya zuerst nach Litauen und dann nach Polen, von dort aus gründete sie einen Koordinierungsrat zu Verhandlungen mit Lukashenko. Nach eigenen Angaben gewann sie die Präsidentschaftswahl mit 60 bis 70 Prozent der Stimmen. Die EU erkennt ihren Koordinierungsrat und sie als offizielle Vertretung des Landes an.

Belarus wird seit 1994 von Machthaber Alexander Lukashenko mit eiserner Hand regiert und gilt als die letzte Diktatur Europas. Die Gesundheitsversorgung ist mangelhaft, die Menschen können sich die Lebensmittelpreise auf europäischen Niveau nicht leisten, Korruption blüht. Das Ziel der Opposition: Ein Ende der Polizeigewalt, die Freilassung politischer Gefangener und freie Wahlen.

FALLON SHERROCK

Unter dem Spitznamen „Queen of the Palace“ gelangte Fallon Sherrock Berühmtheit. Die Britin ist die erste Frau, die bei der Profi-Dart-Weltmeisterschaft gegen einen Mann gewann. Im männerdominierten Bar-Sport haben es Frauen oft schwerer, berichtete die frischgebackene Weltmeisterin 2019/20: „Es gibt Spielerinnen, die so spielen können wie ich – oder sogar besser“, sagte die gelernte Friseurin. Und weiter:  „Wir müssen nur die Chancen haben, uns zu beweisen. Dieser Sieg wird uns helfen. Sie können jetzt nichts mehr sagen, weil wir die Männer besiegt haben.“  Die heute 26-Jährige nahm an jeder Meisterschaft der British Darts Organisation seit 2014 teil und stand bereits 2015 einmal im Frauen-Finale. Die gemischte Darts-Weltmeisterschaft 2021 findet allerdings ohne Sherrock statt: Sie konnte sich 2020 nicht wieder qualifizieren.

„Ich habe bewiesen, dass wir nicht nur mit den Männern mitspielen, sondern sie sogar schlagen können!“, freut sich Sherrock, die einen der zwei für Frauen reservierten Qualifikationsplätze in der WM ergatterte.  

Im Turnier selbst half diese Wild-Card allerdings nicht, betonte Darts-Chef Barry Hearn. Aber es ginge nicht nur um Prestige, sondern auch um viel Geld: „Wenn die Frauen das Level der Männer erreichen, können sie eine Menge Geld verdienen“, sagte Hearn der Deutschen Presse-Agentur in London.

CONFEDERAÇÃO BRASILEIRA DE FUTEBOL

Apropos Geld verdienen im Sport: Nicht eine einzelne, sondern gleich elf Frauen schreiben in Brasilien Geschichte. 2020 verkündete der brasilianische Fußballverband (CBF), ab der WM 2021 der Frauen-Nationalmannschaft gleich viel zu bezahlen wie der Männertruppe rund um Fußball-Star Neymar. Die Teams bekommen in Zukunft auch gleich viel Prämien und Spesen, teilte der Verband mit.

Brasilien folgt damit einigen wenigen Ländern, die ihre Damen- und Herren-Teams gleich bezahlen. Ähnliche Regeln gelten in  Norwegen, Neuseeland und Australien. Weltweit verdienen Fußballerinnen – trotz Gleichbehandlungsgesetzen – nach wie vor weitaus weniger. 2018 schüttete die FIFA bei der WM-Endrunde der Männer 353,6 Millionen Euro an Prämien aus, bei der Frauen-WM 2019 war es nicht einmal ein Zehntel. 2017 verdienten 1700 Spielerinnen aus den besten sieben Ligen der Welt zusammen so viel wie Neymar bei Paris Saint-Germain in einem Jahr alleine: 36,8 Millionen Euro, berichtet der Standard.

Der Beitrag erschien zuerst auf Kontrast.at        

Das sozialdemokratische Magazin Kontrast.at begleitet mit seinen Beiträgen die aktuelle Politik. Wir betrachten Gesellschaft, Staat und Wirtschaft von einem progressiven, emanzipatorischen Standpunkt aus. Kontrast wirft den Blick der sozialen Gerechtigkeit auf die Welt.