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12.01.2021, Jamal Tuschick

Veganes Design

Aber lesen wir nicht längst die Geschichten aus der Zeit vor Corona wie historische Romane.

Geringe Grade öffentlicher Vertrautheit

Anmut & Bescheidenheit.
Das qualifiziert die zweiundzwanzigjährige Studierende Sofia Casadei in den Augen ihres Lieblingsprofessors Carlo Pentecoste. Die Kombi könnte einem Roman des 19. Jahrhunderts entnommen sein und soll doch in der prä-pandemischen Gegenwart taugen. Aber lesen wir nicht längst die Geschichten aus der Zeit vor Corona wie historische Romane. Die Ungezwungenheit des Publikums, die Freizügigkeit des Verkehrs: das ist Schnee von gestern. Wir werden nie wieder diese Grade öffentlicher Vertrautheit erreichen.

Die kostümierte Impotenz

Carlo erscheint angenehm viril, ohne mehr Potential als eine leere Tüte zu besitzen. Verwandte haben ihn überall reingeschoben und draufgehoben. Sofia weiß das nicht. Natürlich glaubt sie, dass Carlo von allein gerade steht, und dass in ihm eine beachtliche Kraft wohnt. Sonst würde sie sich nicht so anschmusen, stets mit dem Rücktrittsvorbehalt aus dem Vorstellungskreis, dass einem ja auch noch was Besseres begegnen kann. Schließlich muss auch Sofia in die Puschen des Lebens kommen, einen Mann finden und sich fortpflanzen. Nicht nach meiner Logik. Ich rede von der inneren Romanarchitektur und dem indirekt angestrahlten Interieur. 

Marco Missirolis, „Treue“, aus dem Italienischen von Esther Hansen, Quartbuch, 256 Seiten, 23,-

Carlo hat sich schon zweimal mit Sofia geschuldeten Phantasien „in der Redaktionstoilette einen runtergeholt“. Er reagiert auf „den fremden Duft ihres frisch gewaschenen Haares“.

Sie lässt ihn schnuppern und schmoren und gibt ihm Erregungsmaterial an die Hand. Einmal berührt er Sofia am Rücken, ohne Widerstand zu spüren.  

Wir wissen es alle. Sofia könnte den geilen Prof hochgehen lassen und ihn in Grund und Boden hashtagen. Aber das tut sie nicht. Ein Flair aus längst vergangenen Zeiten umflort die Ereignisse rund um externe Unitermine.

Man trifft sich nachmittags im Café und spricht über literarische Gehversuche. Jede weiß, dass die einzige finanziell abgesicherte Person am Tisch sich nicht mit jeder treffen würde, auch wenn sie sich den Anschein von Neutralität und professioneller Neugier gibt. Der pädagogische Eros diktiert die Stelldichein-Koordinaten unter einem zeitgenössisch modern geschnittenen Mantel der Schicklichkeit.

In solchen Café-Konstellationen wurde schon viel Unglück über Familien heraufbeschworen. Man sitzt Bein an Bein. Die Hitze steigt von den Schenkeln auf. Da ist ein Penis, da eine Vagina. Status trifft Jugend und wundert sich ein ums andere Mal über die eigene Reichweite. Dass das geht und außerdem so einfach ist. Für die junge Frau stellt der Professor eine abkürzende Brücke dar. In der Regel erbrachte er den doppelten Beweis genetischer und sozialer Potenz.

Nur, Carlo ist ein Fake, die Attrappe eines erfolgreichen Männchens; die kostümierte Impotenz, seiner Sexkraft zum Trotz. Wir haben oft über Fisher’s Runaway Selection gesprochen. Der weibliche Interaktionspartner hat keine Chance einer zweiten Evaluierung. Klebt man einem Beta-Pfauenhahn Alphafedern an, dann begeistert sich die Henne für den Nachrangigen so wie für einen Vorrangigen.

Da sitzen sie nun im Café. Sofia hat sich ein bisschen herausgeputzt, Carlo lobt die Pro-Sa-men ihrer Begabung.

„Die Hand auf Sofias Rücken (ist) kein Störgeräusch in (Carlos) Ehe, sie existiert in einem Paralleluniversum.“

So fühlt ein Dieb in der Nacht nach der Devise: Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass.

Ein prä-pandemischer Abend © Jamal Texas Tuschick

Die verlorene Leichtigkeit des Seins

Sofia arbeitet nah der Basilica di San Nazaro Maggiore e Santi Apostoli.

Eingebetteter Medieninhalt

Margherita träumt mit offenen Augen von dem Physiotherapeuten Andrea, der ihre Adduktoren-Tendopathie behandelt.

Erotischer Kleinmist

„Sie gab ketzerische Äußerungen über Ehe und Mutterschaft von sich, denen der Schießpulvergeruch persönlicher Einsichten anhaftete.“ Rachel Cusk

Führt man ein paar Fäden zusammen, erkennt man, dass Margherita Pentecoste auf Männerhände abfährt. Die Reliefs der Stärke affizieren sie, das Ausgearbeitete infolge anspruchsvollen Gebrauchs.

Marco Missirolis, „Treue“, aus dem Italienischen von Esther Hansen, Quartbuch, 256 Seiten, 23,-

So genießt sie die Arbeit des Physiotherapeuten Andrea Manfredi. Andrea widmet sich Margherita zunächst mit der gebotenen Zurückhaltung. Er ignoriert konkludente Akkorde der Animation.  

„Er legte sich den Knöchel auf die Schulter und bearbeitete mit leichtem Zupfen die Rückseite des Beins.“

Margherita gibt sich mit Zustimmungslauten in einem Grenzgebiet zwischen Sexualität und bloßer Ungezwungenheit zu erkennen.

Nach einer Therapiestunde badet Margherita im Abklingbecken der Unzufriedenheit. Sie fühlt sich eingereiht in das Heer aller Frauen, die mit „neuer Unterwäsche und Perlenohrringen“ ihrem Alltag erotischen Kleinmist abzuringen versuchen.

Die Mailänder Maklerin stellt einer jungen Frau nach, der sie ein Verhältnis mit ihrem Mann Carlo unterstellt. Sofia Casadei versprüht den Charme studentischer Normalität. Dazu gehört der Café-Job; eine Binnenmigrationsgeschichte mit Ausläufern bis nach Rimini. Ein literarischer Ehrgeiz. Eine unzulängliche (malerisch-dürftige) Unterkunft.

In Momenten verwandelt sich Margherita ihrem Mann an.  

Sofia arbeitet nahe der Basilica di San Nazaro Maggiore e Santi Apostoli, einem Schauplatz spätrömischer Offenbarungen. In der frühchristlichen Zentralperspektive war Mailand eine Station auf dem Weg nach Rom. In dem Mailänder Erzbistum kommen immer noch 1900 Gläubige auf einen Priester.

Die verlorene Leichtigkeit des Seins und Cappuccino-Schaummotive

Sofia fehlt der Sinn für Geschichte. Sie lebt im Rausch der Gegenwart. Margherita beobachtet Carlos Schwarm in dem „gemütlich eingerichteten“, auf die Erwartungen eines veganen Publikums zugeschnittenen Cafés, wo Sofia für neun Euro pro Stunde Cappuccino-Schaummotive fabriziert, Sesamriegel in den Ständer an der Kasse sortiert, mit „bunter Kreide“ die Tagesgerichte-Tafel beschriftet und jede Menge Obst und Gemüse schneidet.

Marco Missirolis verbindet die kritische Betrachtung einer jungen Frau mit deren Introspektion. Interessanterweise knallen Margheritas flache Ansichten mehr als die psychologische Häutung.

Margheritas Melancholie nimmt ihrem Urteil das Gewicht. Sie altert im Augenblick schmerzhaft. Sie bittet um eine Aussprache. Sofia hat sich nichts vorzuwerfen. 

Beziehungskerngeschäft

„Mit der Befürchtung, die Kosmetikerin könnte nicht sauber gearbeitet haben“, begibt sich Margherita Pentecoste in die Obhut des Physiotherapeuten Andrea Manfredi. Sie trägt einen neuen, die Versuchung feiernden Badeanzug. Marco Missirolis spricht von Vorfreude. Das ist ein schwaches Wort für Margheritas Empfindungen.  Andrea erscheint als höchst ernsthafter junger Mann. Ernsthaft bis zur Verschlossenheit. Das lockt die Maklerin Margherita, die ungemein trickreich den Immobilienmarkt ihrer Heimatstadt bespielt. Beruflich beherzigt sie Tipps, die Sunzi in der „Kunst des Krieges“ gibt.  Die Art, wie sie potentielle Anbieter*innen und Interessent*innen bearbeitet, verdient eine besondere Betrachtung. Jetzt sehen wir aber Margherita in der Aufgeschlossenheit ihrer Aufregung auf der Therapiepritsche. 

Andreas Hand „wandert zur Leiste, verweilt mit sanftem Druck auf dem Schambein“.

Margherita jubiliert innerlich. Sie kämpft um äußere Zurückhaltung. Ich bemerke, dass die Mundwinkel zucken.

Wunschdenken bestimmt die Patientin. Sie registriert „einen Anflug von Erregung“ bei Andrea. Da bildet sie sich was ein.  Viel später im Roman sagt der Physiotherapeut: „Ich stehe auf Männer“, und Margherita entgegnet amüsiert: „Ich auch“.

Doch ist in dieser Angelegenheit das letzte Wort noch lange nicht gesprochen. 

In der skizzierten Situation laufen die Nervenbahnen des Romanpersonals zum ersten Mal zusammen. Im Zentrum der Ereignisse agiert so lebhaft wie bestimmend Margherita. Carlos heimliches Luftlustschloss exkulpiert die fremdgängerisch ambitionierte Gattin nicht nur. Es fordert sie heraus. Margheritas Stellung im Ehegefüge gestattet ihr mehr als ihm; so wie im Weiteren von ihr mehr verlangt wird.

Die Leserin kommt nicht umhin, an dieser Stelle Platz zu nehmen wie auf einem Brunnenrand. Sie genießt den Ausblick in die Seelenlandschaft der Akteure. Nimmt Carlo zwei Stück Zucker, verbraucht Margherita zur Bewahrung der Balance vier. Träumt er von Sex mit einer anderen, sollte sie den realen Akt mit einem Geliebten vollziehen. 

Erst diese Hierarchie garantiert das Gleichgewicht der Verhältnisse.  

Andrea „bohrt (seine Finger) in Margheritas Fleisch, als grabe er nach etwas“. Seine Fingerspitzen folgen ihren Schmerzen bis zu Qualursprüngen. Noch ahnt er nichts von dem Begehren, dessen Ziel er ist. Seine professionelle Auffassung und vielleicht auch seine Präferenzen verhehlen ihm beinah, dass er Margherita „in einem Grenzbereich berührt“. Sie aber hat sich auf den Kontakt wie auf einen Geschlechtsverkehr unter geduschten und deodorierten Fortgeschrittenen vorbereitet.

Sie verknüpft einen Lustgewinn aus den medizinischen Berührungen mit (nicht nur unangenehmen) Vorstellungen, in denen ihr Mann und eine Studierende in einer Universitätstoilette Sex haben. 

Ich entdecke gerade unter Stichworten, die ich vorhin nicht gleich wieder verworfen habe, das Wort Kopfkino. Gehe ich zu weit, wenn ich behaupte, dass Margherita zwar den letzten Grund für ihre Beschwerden in der unterstellten Untreue ihres Mannes sucht, zugleich aber auch Möglichkeiten sondiert, um an Carlos erotischem Aufschwung zu partizipieren?  

Morgen mehr. 

Augensex und Penisaugen

Margherita Pentecoste „liebt die Hände ihres Mannes“, die kräftig und ausgezeichnet sind und zu einem Steinmetz besser passen würden als zu einem akademischen Lehrkörper. Die Maklerin legt Wert auf den ehelichen Sex als Gradmesser der Funktionstüchtigkeit ihres Beziehungskerngeschäfts. Gleichzeitig arrangiert sie sich mit einem Vorgefühl von Carlos Untreue. Mehr noch, Margherita sucht einen Weg, Honig aus dem imaginären Verhältnis ihres Mannes zu saugen. Sie wählt gedankliche und emotionale Umwege der Lustgewinnung, ohne sich dem Vorwurf auszusetzen, lediglich auf bourgeoise Weise originell sein zu wollen. 

Margherita bleibt ansprechbar für das Glück. Sie favorisiert kleine Ladungen im Vorübergehen. Augensex. Ein aufregendes Schulterzucken. Die Berührungen ihres Physiotherapeuten Andrea Manfredi.

Sie inspiziert die sozialmediale Performance der Gedankengeliebten ihres Mannes. Sofia Casadei versprüht den Charme studentischer Normalität. Dazu gehört der Job in einer Bar; eine Binnenmigrationsgeschichte mit Ausläufern bis nach Rimini. Ein literarischer Ehrgeiz. Eine unzulängliche (malerisch-dürftige) Unterkunft.

In Momenten verwandelt sich Margherita ihrem Mann an. Dann sieht sie Sofia mit Penisaugen. Sie stellt der jungen Frau nach und stellt sich Gelegenheiten vor. Margheritas Vorstellungskraft macht eine Universitätstoilette zum Schauplatz einer zwielichtigen Erfüllung zwischen Fäkaliengestank und Samenerguss.

Das unterhält die betriebsam-geschäftstüchtige Großstädterin auf dem Weg zur Physiotherapie. Sie malt sich schon einmal Andreas Hände auf ihre Haut. Der Badeanzug für die Therapie ist neu; eine Anschaffung im Rahmen der Vorfreude.

Margherita strebt einem Abenteuer entgegen.

Eingebetteter Medieninhalt

Il fascino discreto della borghesia 

Auf den ersten Blick wirkt auch dieser Blender wie ein Bringer. Carlo Pentecoste unterrichtet Literatur an einer Universität. Dass er von einem einflussreichen Verwandten auf die Kanzel gehievt wurde, unterschlägt die Flüchtigkeit jeder Betrachtung im Vorübergehen. Man sieht einen attraktiven Mann in gehobener Position. Er geht gedanklich fremd, seine Frau folgt ihrem eigenen erotischen Traumpfad in einer sich (wie von selbst) öffnenden Ehe.

Carlo hält nicht, was er verspricht. Sein Hauptziel hat er bereits verfehlt, bevor die Geschichte losgeht. Er ist das nicht geworden, was er ursprünglich sein wollte: Schriftsteller. Er wird noch nicht einmal akademischer Lehrer bleiben können; so nachlassend sind seine Kräfte. Doch im Augenblick des Anfangs erscheint er solvent auf die ruhige Art; als steuere noble Zurückhaltung seine Performance. 

Zuerst glaube ich, dass der Gegensatz zwischen Schein und Sein die Leserin interessieren soll. Bald finde ich es erheblicher zu bedenken, wie wohl sich Carlo in seiner Struktur fühlt. Offensichtlich hält er eine gute Balance sowohl über dem inneren als auch über dem äußeren Abgrund. 

Carlo hat sich noch nicht abgefunden, ist aber schon bescheidener geworden. 

Das beschreibt ihn. Endlich. Ich habe eine Stunde gebraucht, bis ich auf diesen Trichter kam. Für den Helden sind die Dinge noch an ihrem Platz. Seine Welt ist zwar längst aus dem Lot, aber davon weiß Carlo nichts. Er bedient sich der Gunst der Studierenden Sofia Casadei. Sie schreibt und verbreitet sich über ihre Skrupel.  

Sie steht in der lebhaftesten Auseinandersetzung mit ihrem Alltag und dessen biografischen Bedingungen. Ihre Verfassung erlaubt es ihr Literatur zu schöpfen, in aller dreifach gefilterten Unwillkürlichkeit.

Eines Morgens sieht Sofia auf dem Weg zur Vorlesung Carlos Frau Margherita. Die Gattin erzeugt den harmlosesten Eindruck. Obwohl sie als Verfolgerin mitspielt. Sie saugt an Sofias jugendlicher Unbekümmertheit. Margherita fühlt der Begehrenswerten den Puls und greift ihr kurz an die Gurgel.

Muskulös-mysteriös

Margherita formuliert ihren Herrschaftsanspruch, sie beansprucht Carlo pro forma für sich. Sie belegt gerade ihren eigenen Fremdgängerinnen-Kurs.

Margherita eröffnet eine neue Praxis. Zum Lustlauch bestimmt sie den muskulös-mysteriösen Physiotherapeuten Andrea Manfredi.

Was erzählt Marco Missirolis?

Er variiert die Geschichte vom diskreten Charme der Bourgeoisie - Il fascino discreto della borghesia. Es geht nicht nur um Sex, sondern auch um die Art, mit der eine potente Frau einen Unzulänglichen steuert.   

Gleich mehr.

Eine Tüte voller Enttäuschungen

Ihn schmücken nicht nur die Titel der akademischen Hochform. Carlo Pentecoste trägt zudem einen sprechenden Namen griechischen Ursprungs. In Deutschland würde er als Professor Pfingsten kursieren.

Zu Pfingsten feiert die Christenheit „die Sendung des Geistes Gottes zu den Jüngern Jesu und seine bleibende Gegenwart in der Kirche“ (Wikipedia).

Das Subjekt seines Begehrens, die Studierende Sofia Casadei, schmückt unerhörter Liebreiz. Aber da ist auch noch die Gattin Margherita, die von dem Physiotherapeuten Andrea Manfredi träumt, der ihre Adduktoren-Tendopathie behandelt.

Das ist der Konfliktaufbau im Roman. Marco Missirolis schickt sein Personal auf eine Achterbahnfahrt des Unvorhersehbaren. Sofia reist plötzlich ab, um Carlo Jahre später vollkommen verwandelt zu erscheinen. Carlo selbst steigt ab und entpuppt sich unterwegs als haltlos. Er rutscht überall durch. Alles entgleitet ihm. Er füllt eine Tüte der Enttäuschung. Seine Frau hält den Lebensladen zusammen. Mit Andrea verfehlt Margherita die Erfüllung.

Der Mann mit den goldenen Händen bleibt geheimnisvoll. 

Aus der Ankündigung

Heißt Treue, jeder Versuchung zu widerstehen? Oder, sich selbst zu betrügen? Marco Missirolis internationaler Bestseller: ein emotional erzählter Eheroman aus dem Mailand von heute – schonungslos und sinnlich.

Alles nur ein Missverständnis? Carlo, Dozent für literarisches Schreiben, wurde mit der Studentin Sofia auf der Universitätstoilette gesehen. Ihr sei übel gewesen, er habe ihr nur geholfen, erklärt Carlo dem Rektor, seinen Kollegen und seiner Ehefrau Margherita – und die Studentin bestätigt es.

Margherita, Immobilienmaklerin mit eigener Agentur, und Carlo würden sich glücklich nennen, doch das »Missverständnis« dringt wie schleichendes Gift in die Ehe des Mailänder Paars ein: Für Carlo wird der vermeintliche Seitensprung zur Obsession, zum Inbegriff seines Versagens; für Margherita hingegen zum besten Alibi, ihren eigenen erotischen Phantasien nachzugeben …

Mit großem Gespür für die feinen Unterschiede, für Blicke, Gesten und Berührungen erkundet Marco Missiroli das Leben seiner Protagonisten: ihre unterdrückten Sehnsüchte, ihre kleinen Fluchten, ihre uneingestandenen Ängste, ihre Versuche, den anderen treu zu bleiben – und sich selbst.

Marco Missiroli, 1981 in Rimini geboren, lebt in Mailand und schreibt für den Kulturteil des »Corriere della Sera«. Er ist Verfasser mehrerer Romane wie »Obszönes Verhalten an privaten Orten« (2017), die Publikum und Kritik gleichermaßen begeisterten. Mit »Treue« gewann Missiroli 2019 den Premio Strega Giovani und stand auf der Shortlist des Premio Strega. »Treue« erscheint in über 30 Ländern, eine auf dem Roman basierende Netflix-Serie startet 2021.