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31.01.2021, Jamal Tuschick

Von Fabio Ghelli

COVID-19 - Flüchtlingsunterkünfte stark betroffen

Die zweite Corona-Welle hat auch Unterkünfte für Geflüchtete getroffen. Die Bundesländer versuchen mit neuen Maßnahmen, Schlimmeres zu verhindern. Das zeigt eine Umfrage des MEDIENDIENSTES.

Symbolfoto © Jamal Texas Tuschick

Der Beitrag erschien zuerst hier/Mediendienst Integration

Die zweite Infektionswelle des SARS-CoV-2 Virus hat die Flüchtlingsunterkünfte hart getroffen. Zwischen Oktober 2020 und Januar 2021 haben sich die Fallzahlen in den Erstaufnahmeeinrichtungen der Bundesländer vervielfacht, wie eine Recherche des MEDIENDIENSTES zeigt. In Bayern haben sich die Zahlen innerhalb von vier Monaten mehr als verdoppelt. In Hessen und in Berlin gab es im Januar mehr als dreimal so viele Fälle wie im Oktober. In Rheinland-Pfalz viermal so viele.

In den Erstaufnahmeeinrichtungen gab es seit Ausbruch der Pandemie insgesamt mehr als 6.000 Fälle. Zum Vergleich: Derzeit sind in den Einrichtungen rund 36.000 Personen untergebracht. Deutlich mehr Geflüchtete leben in Gemeinschaftsunterkünften, die in der Zuständigkeit der Kommunen sind. Daten zu den Infektionen in diesen "Anschlussunterbringungen" werden nur in wenigen Bundesländern erhoben.

Bereits früh haben Forscher*innen darauf hingewiesen, dass die Lebensbedingungen in Sammelunterkünften zu einem erhöhten Infektionsrisiko führen würden: Die Bewohner*innen leben dicht nebeneinander. Abstand zu halten ist fast unmöglich.

Die Bundesländer haben bereits zu Anfang der Pandemie Maßnahmen ergriffen, um das Infektionsrisiko in Unterkünften zu reduzieren. Dazu zählen:

  • Alle Neuankommenden werden auf Covid-19 getestet und müssen in Quarantäne,
  • Gemeinschaftsräume bleiben geschlossen,
  • es werden strengere Verhaltens- und Hygiene-Regeln eingeführt.

Die Bundesländer haben ihre Maßnahmen im Laufe des vergangenen Jahres erweitert: Sie haben etwa gesonderte Quarantäne-Räume für Infizierte eingerichtet, wie die Umfrage des MEDIENDIENSTES zeigt. Damit haben die Bundesländer die Empfehlungen des "Europäischen Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten" umgesetzt.

Im vergangenen Halbjahr sind auch fast alle Bundesländer dazu übergegangen, Geflüchtete verstärkt außerhalb der Erstaufnahmeeinrichtungen unterzubringen. Das Motto lautet: "Entzerrung der Belegung". In Brandenburg, Hessen und Nordrhein-Westfalen werden beispielsweise Ferienanlagen, Reha-Kliniken, Hotels und Jugendherbergen für die Unterbringung von Geflüchteten genutzt. Fachleute sehen darin einen Grund, warum die Zahlen nicht noch stärker gestiegen sind als ohnehin.