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25.02.2021, Jamal Tuschick

Vegan Viking

Dänische Gastfreundschaft © Jamal Texas Tuschick

Eine Oma zieht sie auf, tief in den Sümpfen Brandenburgs, wo nun wieder Wölfe heimisch sind und Geheimrezepte für Zimtkekse kursieren. Es gibt da eine halbgöttliche Köchin, bei der Aya ihr Handwerk lernt. In einem Urlaub an der dänischen Ostseeküste verliebt sich die Gesellin in eine Kollegin. Die Funke springt über. Die Köchinnen Aya & Lærke übernehmen einen Gasthof in Rudkøbing.   

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In Helles Teeladen erreicht der ewige Nippessturm auf der Hauptstraße von Rudkøbing Orkanstärke. Helle verwirklicht sich im Kitsch. Beiläufig wertet sie jemanden ab, den Aya nicht kennt.   

„Die mit ihren verzinkten Formulierungen.“

Ayas Texttentakel saugen die Formulierung an. Ihr werdet sie am Dienstag in Lærkes & Ayas Kochkolumne Vegan Viking in den Herligheder i Østersøen wiederfinden. Wie jeden Samstag sucht Aya eine Kleinigkeit für Lærke. Sie wählt einen Delfin aus Ton. Sie unterdrückt den Wunsch, mit Klicklauten ihre Entscheidung zu melden. Wieder droht sie der Unernst zu übermannen. 

Aya holt den Samstagsschwung Zeitungen. Ungläubig registriert sie den ersten Anflug von Ärger an diesem Tag, weil sich die Verkäuferin von unverschämter Kundschaft aus der Fassung drehen lässt.

Aya rügt sich. Sie will froh und dankbar sein. 

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Aya liebt ihre Arbeit. Ihre Leidenschaft erzeugt eine Aura. Aya fesselt ihre Gäste. Eine Liebhaberin des Chili sin carne verleitet Aya dazu, Lærke zu betrügen. Michal präsentiert sich als Tulpenfeld der kompetenten Bedürfnislosigkeit.  

Aya ist eine in sich zierliche Kolossalfigur, die nicht gern aus sich herausgeht. Sie hält Dinge tadellos in Schuss. Manchmal verlässt sie ihre Verschanzungen und dann sieht man, was da für ein Brocken nach vorn kommt.   

Die stille Wucht kriegt man nicht einfach aus dem Kopf. Aya trifft Michal zwei Mal nach einem Muster heimlicher Sextreffen. Aya telefoniert ihr hinterher. Sie erreicht Michal nie mehr. Ein Autounfall nimmt die Verführerin aus dem Spiel.

Wochen später heftet sich Aya in Jerusalem an Michals Lebensgefährtin. Sie schmiegt sich an. Tara führt ein Café, sie stellt Aya als Spülerin ein. Aya hält sich bedeckt und zeigt wenig von ihrer Kunst. Sie ist seltsam gefangen in ihrem eigenen Spiel. Zuhause tobt Lærke ratlos vor sich hin.

Tara regiert ihre Welt als von religiösen Vorschriften genervte, im Alltagsstress aufblühende Spröde.

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