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10.03.2021, Jamal Tuschick

Das Sicherheitsregime im Weißen Haus blockiert die Aktivistin auf dem Thron der First Lady

Der erste Kuss

Ihren ersten Kuss organisiert sich Michelle am Telefon. 

„Ich weiß nicht mehr, wer von uns beiden vorschlug ... das mit dem Küssen einmal auszuprobieren. Es war nichts Weltbewegendes oder besonders Erhebendes an dem Kuss, aber er machte Spaß.“ 

Michelle beginnt das Absitzen von Basketballspielen nicht mehr allein unter dem Gesichtspunkt geschwisterlicher Solidarität zu betrachten.

„Was war ein Court den anderes als ein Präsentierteller mit Jungs? Ich zog meine engsten Jeans an ...“ 

Gleichzeitig erlebt Michelle eine Entfremdung von allem Vertrauten mitten im Vertrauten. Die Erzählerin zieht etwas biografisch Heikles vor, dass sie nachträglich erst erfahren hat. 

„Viel später erst erzählte mir meine Mutter, dass sie (es sich) ... gern in jedem Frühjahr durch den Kopf gehen ließ“, ihren Mann zu verlassen. Das ist eine Entlastungsphantasie, mit der die Heranwachsende natürlich nicht belastet wird. 

Michelle erklärt die jahreszeitliche Einordnung der mütterlichen Gedankenflucht in jedem Frühjahr:

Die Chicagoer Winter sind hart. Michelle beschreibt den Himmel als eisengrauen Deckel, der zuklappt über der Stadt. Dann hat man hundert Tage Frostdepression am Stück.  

Michelle als Synonym für das Maximum

"I'm from the south side of Chicago. That tells you as much about me as you need to know."

Eingebetteter Medieninhalt

Sie verströmt Glück und Zuversicht. Ihre Performance liefert einen neuen Maßstab für Glamour. Ich schätze, ihr Name wird bald zum Begriff werden. Michelle als Synonym für das Maximum. Obama als ein anderes Wort für familiäres Gelingen. 

Michelle Obama, „BECOMING – Erzählt für die nächste Generation“, aus dem Amerikanischen von Heike Brillmann-Ede, Harriet Fricke, Tanja Handels, Elke Link, Kristin Lohmann, Andrea O'Brien, Jan Schönherr, Henriette Zeltner-Shane, cbj, 604 Seiten, 20,- 

Auf dem Feld der Erinnerungen gibt es nichts Belangloses. Mit dieser Behauptung steigt Michelle Obama ein. Sie bringt ein sentimentales Beispiel, bevor sie bekennt: „Wie der Eiskratzer auf einer Autoscheibe im tiefsten Chicagoer Winter klang“, habe in ihr eine breitere Spur gelegt als alle präsidial absolvierten „Bankette mit Staatsoberhäuptern“ im Weißen Haus. 

„Während des Schreibens wurde mir klar, dass es keine Erinnerungen gibt, die zu unbedeutsam sind.“ 

Die Autorin mustert ihre Kindheit und Jugend. Sie erzählt von ihren Träumen und den ersten Emanationen ihres Ehrgeizes. Die Erzählmanier lädt ein und fordert auf. Ermutigung ist die Intension.  

„Ich war oft die einzige Frau, die einzige Afroamerikanerin in den unterschiedlichsten Räumen.“

Michelle Robinson Obama war von 2009 bis 2017 die First Lady der Vereinigten Staaten von Amerika. Sie studierte an der Princeton University und an der Harvard Law School und begann ihre berufliche Laufbahn als Anwältin bei der Kanzlei Sidley & Austin in Chicago, wo sie ihren zukünftigen Ehemann Barack Obama kennenlernte. Später arbeitete sie im Büro des Bürgermeisters von Chicago, an der University of Chicago und am University of Chicago Medical Center. Michelle Obama gründete auch die Chicagoer Sektion von »Public Allies«, einer Organisation, die junge Menschen auf eine Laufbahn im öffentlichen Dienst vorbereitet. Die Obamas leben derzeit in Washington, D.C. Sie haben zwei Töchter, Malia und Sasha.