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13.03.2021, Jamal Tuschick

Betreff: PM Performance-Podcast »The Mother in Me is the Mother in You« von Felizitas Stilleke ab 21. März

Ist Mutter ein Verb?

Felizitas Stilleke geht mit fünf internationalen Freund:innen ihren Fragen übeNicht-/Noch-nicht-/Nicht-mehr-/Vielleicht-/Mutterschaft und den Möglichkeiten von Podcasts auf den Grund. Mit jedem Gast nimmt sie sich Zeit und entwickelt innerhalb einer Probenwoche ein performatives Setting, aus dem sie jeweils sonntags um 18 Uhr das Gespräch live sendet. Bis zum sogenannten Vatertag im Mai (eine Ausnahme des Wochentags aus gegebenen Anlass) wird sie mit Philine Velhagen (Köln)Monika Gintersdorfer (Berlin) und Daniel Ernesto Müller-Torres (Düsseldorf) zusammenkommen, im April mit Smruthi Gargi Eswar (Bangalore) ein queeres Tarokartenset präsentieren - und den Anfang macht sie am 21. März mit Thais di Marco (Amsterdam/Sao Paulo), die mit fünf Müttern in der Diaspora in Brasilien aufwuchs, weil biologisch definierte Mutterschaft dort weder sinnstiftend noch praktikabel ist.

Monika Gintersdorfer, Felizitas Stilleke © Graziella Diez

Pressetext

The Mother in Me is the Mother in You
von Felizitas Stilleke & Friends
21. & 28. März | 11. April | 9. & 13. Mai, neue Folgen jeweils um 18.00 Uhr und anschließend bis Ende Mai online verfügbar
5 Podcast Sessions | zwischen 50 und 90 Minuten | In deutscher und englischer Sprache | kostenlos & keine Anmeldung erforderlich |  auf ballhausost.de | Spenden an die Künstler:innen www.paypal.com/paypalme/ballhausost
 
Von März bis Mai 2021 versammelt Felizitas Stilleke (Tante, Kuratorin, Dramaturgin, Künstlerin und Person) in fünf performativen Podcast Sessions die Stimmen der internationaler Künstler:innen Thais di Marco (Amsterdam/Sao Paulo), Philine Velhagen (Köln), Smruthi Gargi Eswar (Bangalore), Monika Gintersdorfer (Berlin) und Daniel Ernesto Müller-Torres (Düsseldorf) zur kollektiven Diskursumwidmung. Auf der Suche nach Worten für Nicht-/Noch-nicht-/Nicht-mehr-/Vielleicht-/Mutterschaft entsteht jede Aufnahme in einer einwöchigen Probenzeit und beleuchtet das Kontinuum zwischen patriarchaler und erweiterter Mutterschaft in einem neuen Setting - und mit einem Tarotkartenset für die Zuhörer:innen Zuhause.

…als Frau, 37 - tick tack tick tack, wtf - alleinstehend, kinderlos - wer denkt sich nur solche Wörter aus? - geschieden, bin ich scheinbar auf der Suche nach - hahaha, no way, nix! - Obwohl doch, ich suche dringend einen Ausweg aus dem binären Denken, das besagt, jemand sei Mutter oder eben nicht - oder müsse es werden, um was zu werden - oder war es genau anders herum ?… 
 
Sind Mütter lesbar? Ist Mutter ein Verb? Wo im Körper sitzt so ein Kinderwunsch? Warum kann bei Tinder zwar hat keine Kinder, will aber vielleicht welche, nicht aber hat keine Kinder, will aber vielleicht keine angegeben werden? Ist Mutterschaft Entscheidung oder etwas das einfach (nicht) passiert? Was pausiert in der Menopause? Mutieren Mütter, die abgetrieben haben? Können queere Narrative das patriarchale Entweder Oder, Für und Wider überwinden? Oder ist Kegeln gehen die Lösung bei Kind oder Karriere? 
 
In den Sessions wird um alles gezockt und danach um Nichts. Es werden sich Ängste und Vorurteile an den Kopf geworfen. Mal beim Tischtennis, mal mit Medizinbällen; durch die Dekolonisierung von Radiosendungen und die Beschwörung höherer Geister. Die fünf Begegnungen sind Ergebnis einer einjährigen Recherche, die nun aus dem Privaten in eine Öffentlichkeit geht und Nichts auslässt: Umwelt, Sexualität, Arbeit, Politik, Geld, Karriere, Liebe und einfach das Leben – denn kein Thema landet nicht am Ende bei Mutterschaft. 

mit: Thais di Marco, Philine Velhagen, Smruthi Gargi Eswar, Monika Gintersdorfer, Daniel Ernesto Müller-Torres uvm. 
von und mit: Felizitas Stilleke 
Sounddesign, Musik: Miguel Toro 
Jingle: barner16
Voice Jingle: Wikiriot 
Setdesign: Anahí Pérez
Live-Stream: Matthias Krause, Sebastian Pablo Poloni 
Produktionsleitung: Franziska Janke 

Eine Produktion von Felizitas Stilleke in Kooperation mit dem Ballhaus Ost. Gefördert durch den Hauptstadtkulturfonds, das Bezirksamt Pankow, Amt für Weiterbildung und Kultur – Fachbereich Kunst und Kultur – und ein Arbeits- und Recherchestipendium der Berliner Senatsverwaltung für Kultur und Europa. 
Felizitas Stilleke ist Dramaturgin, Kuratorin und Künstlerin. Ihre Arbeit ist unbedingt intersektional feministisch zu verorten und kreist immer wieder um verschiedene Formen von Versammlung und kollektiver Wissensgenerierung/Befragung. Mit Hilfe des Sounddesigner und Musikers Miguel Toro schafft sie mit THE MOTHER IN ME IS THE MOTHER IN YOU einen Raum, in dem ein ihr sehr wichtiges Thema mit Freund:innen aus unterschiedlichsten Zusammenhängen und Perspektiven verhandelt werden kann. Felizitas erregte zuletzt Aufmerksamkeit mit ihrem auf Freundschaft beruhenden Kurationsprinzip: nachtkritik.de
 
21. März 18h  | Thais hat viele Mütter. Von zweien hat sie uns Stimmen mitgebracht und mit ihnen das Verständnis einer diasporische brasilianischen Community, die sich eine biologisch definierte Mutterschaft gar nicht leisten können. | In englischer Sprache
Die Tänzerin, Choreografin und Aktivistin Thais di Marco aus São Paulo lebt seit 2018 in Amsterdam, wo sie im Rahmen des DASarts-Masterprogramms der AHK einen Abschluss in Choreographie absolvierte. Thais arbeitet seit über zehn Jahren in transkontinentalen und interdisziplinären Zusammenhängen u.a. in Benin, Iran und lehrte über sechs Jahre in Brasilândia (Brasilien) im Rahmen von "Power Practices" Tanz und Intervention gegen staatliche (Polizei) Gewalt. Ihre Soloarbeiten wurden mit zahlreichen Stiftungen, Festivaleinladungen, Stipendien und Residenzeinladungen ausgezeichnet. 
Ihr Background in sozialen und tanzpädagogischen Projekten sowie ihre kontinuierliche Zusammenarbeit mit den Künstlerinnen Mezhgan Saleh und Karina Villalfan stellen ein lebendiges politisches Moment ihrer Arbeit dar. Ihre künstlerische Praxis besticht durch eine einzigartige Ästhetik, die sich durch gebrochene Realitäten im Dialog mit postkolonialen Zusammenhängen reibt, um dialektische Überlegungen zur Ökologie in einen Raum zu übersetzen. 
Als Entsandte einer secret society aus Brasilien lassen Thais und Felizitas im ersten Teil von THE MOTHER IN ME IS THE MOTHER IN YOU das kollektive Narrativ von Familie in die Magie des Candomblé einziehen. Auch ihre jüngste Zusammenarbeit an der Recherche im Rahmen von Dansmakers über die Mexikanische Wrestling Art Lucha Libre wird hier sicherlich eine Übersetzung in das gemeinsame Gesprächssetting finden. 
www.thaisdimarco.com.br
 
28. März 18h | Philine liebt das Spiel. Sie wird zocken. Um Reputation. Um die Ehre. Wer zuerst seine Abtreibung(en) öffentlich zugibt, gewinnt. Oder war es die Menopause, zu der man sich bekennen sollte? 
Philine Velhagen lebt und arbeitet als freie Theater- und Hörspielmacherin in Köln. Sie studierte Theaterwissenschaft und Komparatistik an der LMU München. Nach dem Studium ging sie ans Theater Basel und assistierte dort u.a. bei Christoph Schlingensief, Stefan Pucher und Barbara Frey. Seit 2002 sind zahlreiche Projekte und Stücke entstanden, z.B. am und mit dem Pathos Transport Theater, Garage X Wien, FFT Düsseldorf, Schauspiel Köln, für das Festival Politik im Freien Theater, Favoriten Festival und Spielart. 2018 war sie mit mehreren Videowalks zu Heinrich Bölls 100. Geburtstag für den deutschen Radiopreis nominiert. 
Seit 2013 verbindet Philine Velhagen und Felizitas eine gemeinsame künstlerische Praxis und das Interesse an den immer wieder neu zu verhandelnden Grenzen zwischen Privatem und Öffentlichem sowie dem öffentlichen Raum als Schauplatz für eben diese Gemengelage. Gemeinsam spielten wir in zahlreichen Hybridformaten aus Radio, Performance und Aktionskunst mit dem Reiz des Sichtbaren, Übertragungslücken und Überschreibungen von Wirklichkeiten (wie z.B. „Die Stimmen der Dinge“ 2015/16 als Kooperation mit dem WDR) oder ich ließ mich immer wieder in ihre Versuchsanordnungen einbinden, wie "I am your private Dancer - ein Abhörspiel mit mir selbst" WDR oder zuletzt „Das Geld der Anderen – Ein Einkommensexperiment unter Freunden“ Deutschlandfunk. 
Dieses Vertrauen und das Interesse am spielerischen Aufbrechen von Normen und Regeln nehmen die beiden in der ersten Ausgabe zum Anlass, um gemeinsam (bislang unveröffentlichte) Audioaufnahmen einer Abtreibung zu widmen und dem Tabu Menopause als Un-Mutterschaft einen performativen Zahn zu ziehen. 
www.drama-koeln.de
 
11. April 18h | Smu hat sie gefunden, ausgegraben und wiederbelebt. Die zahlreichen weiblichen oder trans* Gottheiten der indischen Geschichte. Jeder* von ihnen widmet sie eine Tarotkarte und sagt uns die Zukunft der Mutterschaft voraus. Kurz-Podcast in englischer Sprache | Tarotkarten 20€ pro Set
Smruthi Gargi Eswar ist eine in Bangalore und Delhi ansässige Künstlerin. Sie studierte an der Baroda-Fakultät für Bildende Künste sowie an der Chitrakala Parishad. Nach dem Kunststudium studierte sie dort auch Grafikdesign und Fotografie. In den letzten Jahren kehrte sich ihre Arbeit wieder verstärkt der Bildenden Kunst zu. Ihre Ausdrucksformen variieren deutlich in den Medien von Terrakotta über Acryl bis hin zur Fotografie. Von ihrem Atelier in Bangalore aus reiste sie mit Ausstellungen nach Budapest, New York, Philippinen, Cochin, Delhi und Mumbai und arbeitet mit Designer*innen, Performance-Künstler*innen und anderen Graphiker*innen zusammen. 
In ihrer limitierten Bilderserie „Sister Misfortune“ überschreibt sie in der Ästhetik des Jugendstils traditionelle weibliche Gottheiten Indiens und macht Feminismus als Art Nouveau zwischen den Zeiten neu verhandelbar. Aus Gesprächen über Mutterschaften und in der Auseinandersetzung der Misfortune-Reihe entwickeln wir gemeinsam ein Tarotkartenset weiblicher indischer Gottheiten. THE MOTHER IN ME IS THE MOTHER IN YOU kann somit in der dritten Session eine non-binäre Zukunft vorhersagen. 
studiosmu.in

9. Mai 18h | Muttertag ist Rundlauftag. Monika nimmt die Schläger in die Hand und ping pongt mit und um Kind, Kegel, Karriere oder das Kollektiv. Als Mother of the House gibt sie den Ton an und ruft spontan noch einige ihrer Weggefährt:innen dazu. 
Monika Gintersdorfer studierte Germanistik und Theater-, Film- und Fernsehwissenschaften in Köln sowie Regie in Hamburg. Sie inszenierte u. a. am Hamburger Schauspielhaus, Münchner Kammerspielen oder den Salzburger Festspielen. Seit 2005 arbeitet sie gemeinsam mit Knut Klaßen und einem deutsch- ivorischen Darstellerteam als Gintersdorfer/Klaßen an der Volksbühne im Prater Berlin, auf Kampnagel in Hamburg, im FFT Düsseldorf und Sophiensaele Berlin, Theater Aachen, Schauspiel Köln, Ringlokschuppen Mülheim, Deutsches Theater Berlin, Schauspielhaus Bochum, Theater Bremen, KVS Brüssel, Frascati Amsterdam, Rotterdamse Schouwbourg, Theater Maria Matos Lissabon, WUK Wien, Theater Chur und vielen weiteren Spielorten in Afrika, Europa und Australien. Zudem ist Monika Gintersdorfer seit 2012 Mitglied der Akademie der Künste der Welt, Trägerin des Carolin Neuber Preises sowie Ko-Gründerin des internationalen Tanz- und Performance-Kollektivs LA FLEUR. 
Im Berliner Lockdown begannen Monika Gintersdorfer und Felizitas einen regelmäßigen Tisch-Tennis-Austausch, in dem sie zahlreiche Konzepte von Nicht-Mutterschaft bzw. Vielleicht-Nicht-Mutterschaft (weil wer sagt denn eigentlich wann damit nicht mehr zu rechnen ist!?) miteinander verhandelten. 
www.gintersdorferklassen.org

13. Mai 18h | Am Vatertag preist Daniel Ernesto die Nicht-Mutterschaft als Beginn seines Lebens in Wahlverwandtschaften und verabschiedet zugleich seine postnatale Depression als Nicht-Gebärender!
Der Tänzer und Performancekünstler Daniel Ernesto Müller Torres lebt zusammen in Düsseldorf. Nach seiner Tanzausbildung an der Folkwanghochschule in Essen tanzte er viele Jahre für die Ben J. Riepe Kompanie, mit der sie viel international tourten. 2011 gründetet er gemeinsam mit dem Tänzer Simon Hartmann das Duo HARTMANNMUELLER mit dem sie zu zahlreichen Festivals eingeladen wurden (zuletzt FAVORITEN 2020) sowie den Förderpreis der Stadt Düsseldorf erhielten. 
Die Arbeiten von HARTMANNMUELLER sind gekennzeichnet durch eine körperliche Auseinandersetzung, die sich von einem Bühnenbild ableitet, das für gewöhnlich den ersten Rahmen einer Kreation darstellt. Ihr Spiel ist gekennzeichnet von Referenzen aus Popkultur und Trashästhetiken. Ironie ist ein sehr grundlegendes Element der Arbeit von HARTMANNMUELLER, in der auch die Ernsthaftigkeit stets bezweifelt wird. 
Mit Daniel Ernesto Müller Torres verbindet Felizitas vor allem eine langjährige Freundschaft in der sie Teil seiner Regenbogenfamilie (Familien mit Kindern bei gleichgeschlechtlichen Elternpaaren) werden durfte. Als Queerdady sprachen Daniel und sie seit Jahren viel über die Sorgen und Nöte als homosexuelles Väterpaar in der heutigen Gesellschaft und angeregt durch die Gespräche im Rahmen der Recherche verstärkt über das Phänomen postnatale Depressionen im Kunstfeld. 
www.duesseldorf-queer.de/zehn-fragen-daniel-ernesto-mueller/

Sounddesign, Musik: Miguel Toro (Berlin) | 
Geboren 1971 in Caracas/Venezuela. Komponist, Schlagzeuger und Musikproduzent. Seine Arbeiten bewegen sich zwischen Jazz, Elektronischer und Populärer Musik. Er studierte Sounddesign an der Kunsthochschule Taller de Arte Sonoro in Caracas und Schlagzeug und Arrangement im Drummers Collective in New York City, USA. Als Sounddesigner und Musiker hat Miguel Toro für verschiedene Künstler und Institutionen gearbeitet wie z.B. Olafur Eliasson, Aerea Negrot,  Ellen Alien, Tony Allen, Samim,Ricardo Villalobos, dem Bauhaus Dessau, dem Public Art Lab Berlin, dem Staatsschauspiel Dresden, dem Gefängnistheater aufBruch und für die Berliner Philharmoniker.  Eine langjährige Zusammenarbeit verbindet ihn mit dem Regisseur Adrian Figueroa. migueltoromusic.com 

Jingles: barner16 (Hamburg) 
barner16 ist das inklusive Netzwerk für professionelle Kulturproduktionen von alsterarbeit in Hamburg. Menschen mit und ohne Handicap arbeiten hier seit 2013 in verschiedenen künstlerischen Bereichen, geben Konzerte, entwickeln Bühnenproduktionen und drehen Kurzfilme. Im Rahmen meiner Arbeit mit dem Künstlerinnenkollektiv SEE! habe ich mehrere Produktionen mit den Musiker*innen von barner16 dramaturgisch begleitet und binde sie seit her gern und häufig in meine weiteren Arbeiten wie zuletzt beim Branchentreff 2020 künstlerisch ein. www.barner16.de