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26.03.2021, Jamal Tuschick

Die Kolonien waren Darkrooms europäischer Perversionen. Jede gesellschaftliche Anstrengung verknüpfte und verzweigte sich mit dem/im Kolonialen. Entsprechend geschmiedete Kohorten fühlten sich ohne Schlacht geschlagen, als nach dem Zweiten Weltkrieg das Empire seine Herrlichkeit verlor. Erst im Nachgang wird deutlich wie bildbestimmend der englische/schottische/walisische Stellvertreter Ihrer Majestät war. Denken Sie an die in den Kolonien gemachten Vermögen im Arthur Conan Doyle-Universum.

© Jamal Texas Tuschick

Die Safari Lodge im Abendglanz ihrer Epoche

Seelische Topografie

In den Tropen hat er einen Schlag abbekommen. Der Typus taucht bei William Somerset Maugham auf, bei Joseph Conrad, Graham Greene und Georges Simenon. Die Autoren aka Agenten waren Zeugen eines epochalen Abschieds. Ihre Werke konservieren die Safari Lodge im Abendglanz.

Der Abschied begann faustisch mit dem Anfang.

„Ich bin der Geist, der stets verneint! Und das mit Recht; denn alles was entsteht; Ist wert, dass es zugrunde geht; Drum besser wärs wenn nichts entstünde. So ist denn alles, was ihr Sünde, Zerstörung, kurz das Böse nennt, mein eigentliches Element.“

Die europäischen Mutterländer wirkten wie kleine Räuber, die ihre afrikanisch-asiatisch-australisch-amerikanische Beute quer im Maul davonschleppten. Sie verhoben sich zu ihrem Vorteil. Nimmt man die Vorzeichnungen und Nachspiele dazu, dann währte das angelsächsische Ausbeutungsfestival rund zweihundert Jahre in einer das Empire definierenden Weise.

Man wundert sich, dass sich Penelope Maryland in ihrem Aufsatz Schattenlinien am Mississippi darüber wundert, dass die englische Königin 2012 in einer Kolossalrevue gemeinsam mit James Bond in der Gestalt eines Darstellers auftrat. Dabei lag nichts näher. Seit der Blutsäufertochter Elisabeth I. baute das Empire auf Bond in all seinen Sir-Francis-Drake-Mantel- & Degen-Erscheinungen.

Agent:innen waren doch schon im Einsatz, als Gytha Thorkelsdóttirs dämlicher Sohn Harald Godwinson, der 1066 England an den Normannen Guillaume Rôti de porc später dann Bill le Conquérant verlor, noch königlich mit seinen Falken jagte. Um die sklavenhaltergesellschaftliche Ordnung in Gang zu halten, produzierte man in den Internaten des Mutterlandes Führungspersonal wie am Fließband. Jedwedes koloniale Chapter brauchte einen hellen Kopf. Ein höchst prosaischer Charakter gab wenigstens zwei Jahrhunderten seine Konturen. Sein Wesen & Ideal formulierten ästhetische Leitlinien; eine seelische Topografie; eine Ikonografie. Das 19. Jahrhundert lässt sich komplett als britischer Kolonialroman lesen und zwar mit einem stereotypen Figurenkranz. Die Malaria spielt ihre Rolle so wie der vom Glauben abgefallene Priester, der Päderast in seinem Paradies und der morphiumsüchtige Arzt.

Die Kolonien waren Darkrooms europäischer Perversionen. Jede gesellschaftliche Anstrengung verknüpfte und verzweigte sich mit dem/im Kolonialen. Entsprechend geschmiedete Kohorten fühlten sich ohne Schlacht geschlagen, als nach dem Zweiten Weltkrieg das Empire seine Herrlichkeit verlor. Erst im Nachgang wird deutlich wie bildbestimmend der englische/schottische/walisische Stellvertreter Ihrer Majestät war. Denken Sie an die in den Kolonien gemachten Vermögen im Arthur Conan Doyle-Universum.

Auch George Orwell gehört in die Reihe der genannten Schriftsteller; und so auch Ian Fleming, dessen Profil in den märchenhaften Umdeutungen der Kunstfigur James Bond verloren ging. Ursprünglich ist Bond einfach nur einer von denen, die für ein ziviles Leben nicht in Frage kamen. Dem draufgängerischen Junggesellen fehlt nach bürgerlichen Maßstäben das Vorbildliche. Man hat ihn auf Herrschaftsaufgaben vorbereitet, die in seiner virilsten Stunde von der imperialen Agenda gestrichen wurden. Unabhängigkeitsbewegungen löcken mächtig wider den Stachel. Jetzt, da keine britische Armee mehr dagegenhält, muss ein Mann genügen.