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19.05.2021, Jamal Tuschick

© Jamal Tuschick

Ohne Tillmann nach Toulouse

„Stell’ Ich auf Mich, dem Einzigen, meine Sache“. Max Stirner

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Im Juni sind die Menschen am schönsten. Das ist jedes Jahr so. Immer sind die Menschen im Juni am schönsten. Die Erzählerin weiß das auf den Tag genau. Mit Menschen meint sie vor allem die Studierenden in Ffm-Bockenheim, wo Julia jetzt lebt, nach den Jahren in Friedberg mit den Touren nach Frankfurt auf einer sich durch die Wetterau schlängelnden Landstraße, deren gefällige Kurven von Zigarettenautomaten, Dorfgemeinschaftshäusern, Heuschobern, Telefonzellen und landwirtschaftlichen Nutzflächen gesäumt werden. Überall gehen Feldwege und Schotterpisten ab. Saumpfade und Nebenstrecken sind Julias Schicksal. Sie ist keine Frau der Magistralen. Baudelaires Boulevards verwandeln sich in Julias Wahrnehmung in Fährten aus niedergedrücktem Gras, quer über eine vorstädtische Wiese verlaufend. Wo sie Staub aufwirbelt und das Laub singen lässt, fahren Traktoren lautlos über die Horizontlinie. Julia verschattet ihre Augen. So steht sie da, mit zig Sachen im Verzug. Eben war noch gestern, und jetzt kommst du. Die Studentinnen im Juni 1982 fördern die Wehmut im Straßenverkehr und erzwingen einen Abstecher ins Café Berger. Nur schnell einen Schnaps zum Espresso. In einer Überblendung fährt sie von Gießen in die Stadt. Die Straßendörfer schwimmen wie Seerosenkolonien in den Landschaftstümpeln.

Nichts vergessen zu dürfen, ist Last und Lust. Julia bietet sich eine Gelegenheit nach Okzitanien abzurauschen, als Copilotin von Tillmann Tüchtig, den die praktische Seite des Lebens nicht nur nicht verstimmt. Sie hellt ihn sogar auf. Sie hält ihn in Form. Julia vertraut sich Tillmann trotzdem nicht an. Besser, sie schlägt die Gelegenheit aus und fährt nicht mit einem Überflieger nach Toulouse.

Lieber versäumt Julia Termine in der trägen Hektik eines griechischen Familienbetriebs in einem alten deutschen Wirtsgarten. Sie guckt durch die Gegenwartsblende und sagt nicht viel. Plötzlich weiß Julia etwas über das Mittelalter und ein Rittergut in der Schloßstraße (Bockenheim). Doch da ist niemand, der ihr im Augenblick zuhört.