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24.05.2021, Jamal Tuschick

© Jamal Tuschick

Abgangsempfindungen

Jahrzehnte galt: „Egal, was ist, wir kriegen das wieder hin.“ Doch dann verflüssigt sich die Formel in neuen Erfahrungen. Rotwein reicht nicht mehr in einer Aussichtslosigkeit zwischen Krebs und Hexenschuss.

Professor Brain (nicht Brian) Annabelle Texas Thundergod* beschreibt den Verfall einer Frau, deren genazino‘eskes traut-trauriges Lebensbehagen sich vielleicht schon seit einer Dekade in Abgangsempfindungen verflüchtigt. Man sieht den Stern noch, obwohl er längst erloschen ist, weil das Licht so einen langen Weg hat.

Die sozialen Koordinaten sind kaum der Rede wert. Jedenfalls steht Sister-Delight Kerschgruber als passionierte Nordisch Nachtwalkerin und pedantisch-pünktliche Paukerin unmittelbar vor Pensionierung. Man könnte sie kauzig finden, aber Professor Brain macht keinen Hehl aus ihrer Abneigung.

Sie zeichnet eine auf das Fäkale konzentrierte Karikatur ihrer Heldin, der gerade alles abhanden kommt; einschließlich der Erinnerungen. Nur eine frühe Liebe namens Madeleine Halbwutz bleibt Sister-Delight merkwürdig erhalten.  

Die wenigsten Leute werden so alt wie Sister-Delight, ohne vorher nicht schon ein paar Mal beinah gestorben zu sein. Vom Tod und seinen Rändern spricht auch Madeleine. Die zutraulich-bescheidene Höhenangsthäsin geht in drolligen Nebenrollen auf.