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06.06.2021, Jamal Tuschick

© Jamal Tuschick

Strange Strength

„Respektiert die Götter, aber verlasst euch nicht auf sie.“ Miyamoto Musashi

„Beachte andere nicht, aber beobachte alles, was sie tun.“ MM

“Do not fight with strength, absorb it and use the flow.” Ip Man

“You cant frame something which does not exist.” Adam Mizner

“The movement comes from the release, not from contradiction.” AM

“I do not run away. I dont fight you. I just stay with you.” AM

“You think force, I think center (of gravity).” Nima King   

“Impossible is not a fact. It’s an opinion.” Muhammad Ali  

Prosaische Verhältnisse

Frankreich im 18. Jahrhundert. Eine Aristokratin verkürzt sich eine Schlossnacht mit Lektüre. Flackernde Flammen im Zug ...

Frankreich im 18. Jahrhundert. Eine Aristokratin verkürzt sich eine Schlossnacht mit Lektüre. Flackernde Flammen im Zug - die handschriftlichen Aufzeichnungen der Éléonore Pardiac entfesseln die Lesende. Sie halluziniert den Roman eines Lebens in den großen Bildern der Epoche. 

Stürmische Ordensschwester

Éléonore stammt aus prosaischen Verhältnissen. Ihr Vater war lediglich Buchhalter und längst fortgeschrittenen Alters als er Éléonores (mit Töchtern von einem anderen Mann aufwartenden) Mutter heiratete. Es musste wohl sein. So steigt Éléonore in eine Fallobst-Geschichte ein. Der Hintergrund erscheint immerhin bürgerlich. Eine Bürgerlichkeit am Limit. Oben glänzt der Apfel, unten fault er. Man schiebt Éléonore ins Kloster ab, um nicht noch eine Mitgift aufbringen zu müssen. Éléonores soziale und seelische Konturen verkanten sich nicht in der herrschenden Ordnung. Das gibt ihr den Drive. Éléonore ist konventionell und mit allem so weit einverstanden. Schwebend unterwirft sie sich.

Éléonore erwartet wenig. Sie zeigt sich zu jedem Arrangement bereit, das Leute ihrer Klasse schicklich finden. Sie will bloß nicht Nonne werden.

Éléonore fühlt sich nicht berufen. Sie bekennt das aus Liebe zur Wahrheit. Sie hat aber auch noch von keinem Gott gehört, der ein Mädchen zwingt, seine Braut zu werden.

Man quatscht sie madig mit folgendem Subtext: du bleibst in deiner Klasse, wenn du im Kloster auf die Welt verzichtest. Sonst fällst du unter deinen Stand. In die Gosse.

Am Tag des Gelübdes beißt sich Éléonore stundenlang auf die Zunge. Rien ne va plus. 

Éléonore hat Glück im Unglück. Heimlich singt die Äbtissin das Lied der Aufklärung. Sie begreift die trägen Herzen und den hysterischen Eifer ihrer Schutzbefohlenen als Abrichtungsergebnisse. Sie schleift das Drakonische. Sich wirft sie vor, nie gezweifelt zu haben an ihrer Berufung.

Dann tritt an die Stelle der guten Mutter Oberin eine dogmatische Diktatorin. Louise Nemours spitzt das Prinzip Ausgrenzung zu. Sie zeigt, wie man Vernichtungswillen in vorgeblich sanften Geschöpfen weckt. Die stigmatisierte Éléonore kämpft nun um ihr Leben. Siehe die Prinzipien im Vorspann.