MenuMENU

zurück zu Main Labor

09.08.2021, Jamal Tuschick

Die südarabischen Himyaren konkurrierten mit den Persern und verstellten den Römern den Weg nach Indien. Sie wurden Christen und folgten schließlich dem jüdischen König Yusuf Asʾar Yathʾar.

*

“Mystery creates wonder and wonder is the basis of man’s desire to understand.” Neil Armstrong

*

“The greatest pleasure in life is doing what people say you cannot do.” Gesehen auf Instagram, Quelle chloedbruce

*

„Was der Autor dem Publikum nicht antut, das tut das Publikum dem Autor an.” Heiner Müller

*

Chaim Noll weist darauf hin, dass zu Mohammeds Lebzeiten „aus Judäa vertriebene Juden seit rund einem Jahrtausend in den arabischen Gebieten Babyloniens lebten“ (dies auch als Hinweis auf die identitätsstiftende Kraft des Judentums; eine Funktion, die Mohammed kaum entgangen sein dürfte) und der ganze monotheistische Drive von biblischen Darstellungen ausging. Es gab ja auch nichts anderes.

© Jamal Tuschick

Monotheistischer Drive

Wer denkt daran, dass mit Marcus Iulius Philippus (Philippus Arabs, ca. 204 - 249) auch einmal ein Syrer römischer Kaiser war. Er einigte sich als Unterlegener mit einem Herrscher des zweiten persischen Großreichs. Philippus Arabs kam aus einer Kultur, die sich selbst kaum spiegelte. Sie wurde von expandierenden Kräften als Konglomerat lokaler Phänomene empfunden. Auf einem Feldzug ändert sich die Landschaft, plötzlich greifen langhaarige Typen auf Kamelen an. Einer findet Erwähnung als den Assyrern tributpflichtiger Chef der Aribi. Arabische Handlungsreisende treten auf der Weihrauchstraße in Erscheinung. Ein einäugiger Halbbruder des Marsyas’ schlägt sich 312 vor unserer Zeitrechnung mit den Nabatäern, einem zwischen Raub und Handel schwankender Stammeszusammenschluss, der vierhundert Jahre später die Bevölkerung der römischen Provinz Arabia Petraea stellt. Die südarabischen Himyaren konkurrieren mit den Persern und verstellen den Römern den Weg nach Indien. Sie werden Christen und folgen schließlich einem jüdischen König, dem alten Yusuf Asʾar Yathʾar. Die arabischen Stämme der vorislamischen Zeit sind christlich oder jüdisch oder polytheistisch. Darauf will ich hinaus. Sie neigen zu einer ruinösen Lebensweise, die sie in einem Zustand der Schwäche hält. Die Schwäche verhindert, dass man sich auf Kosten nachlassender Nachbar:innen vergrößern kann. Man bleibt eingeklammert zwischen Byzanz und dem Iran. Der Islam beendet das politische Larvenstadium. Er wirkt sich im Nahen Osten so aus wie die Reformation in Europa. Er setzt Strenge an die Stelle ruhmsüchtiger Freigebigkeit und stopft die Löcher anarchisch-archaischer Verschwendung. Dieser Prozess folgt einer Sanktion.

Der vom Stammesausschluss bedrohte Mohammed schafft eine alternative Bindung.
 
Das ist die Bindung zwischen ihm und seinen Anhänger:innen. Sie überwindet die Beschränkung auf den Stamm und erlaubt die Hinwendung an eine stärkere Ordnung. In den Phasen der Eroberungen führt die Konzentration zu immer größerer Konzentration von Energien und ihrer Disziplinierung. Nach den Eroberungen lebt die muruwa* wieder auf, im Rahmen einer Kultur der Verschwendung und der Poesie. Via Andalusien erreicht der arabische Einfluss Frankreich, färbt das europäische Rittertum und wirkt sich auf das Troubadourwesen aus.
 

*Tribalismus, Gruppenehre, Gewalt

Jane Jakarta sitzt im Kegel einer Schreibtischleuchte wie unter einer fast verreckten Höhensonne in einem Safehouse im Pankower Florakiez. Die Agentin spricht über die bezähmende, Gewalt kanalisierende und kolonisierende Wirkung des Islam auf die Stämme. Jane zitiert Chaim Noll, der irgendwo darauf hinweist, dass zu Mohammeds Lebzeiten „aus Judäa vertriebene Juden seit rund einem Jahrtausend in den arabischen Gebieten Babyloniens lebten“ (dies auch als Hinweis auf die identitätsstiftende Kraft des Judentums; eine Funktion, die Mohammed kaum entgangen sein dürfte) und der ganze monotheistische Drive von biblischen Darstellungen ausging. Es gab ja auch nichts anderes. Für Mohammed waren Jüdinnen und Juden in ihrer Gesamtheit das „Volk des Buches“. Vermutlich wusste damals jede(r), was da lief. Die Nähe der neuen Religion zur überlieferungskonformen Standardpraxis der Verehrung eines allgewaltigen Gottes verringerte die Adaptionswiderstände.