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03.09.2021, Jamal Tuschick

Chronistinnen der Yanga-Arqueros erfanden den magischen Realismus im Unterholz lunarer Rituale

© Jamal Tuschick

Mexiko-Saga

Die Landmasse von Yucatán schiebt sich zwischen den Golf von Mexiko und die Karibische See

Selbst eine Schildkröte wäre ihr lieber als das, was sie beim nächtlichen Training im Golf zuerst für einen Geist hält, bevor Seitsemäntoista de la Matosa erkennt, dass die alte Schnorchel-Aztekin Hautakiva Yanga y Soberano ihr zuerst als heller Fleck im Meer erschienen ist. 

Seitsemäntoista wuchs auf Yucatán mit Schildkröten und Mollusken auf. Schnecken sind ihre Steckenpferde.  

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Die Landmasse von Yucatán schiebt sich zwischen den Golf von Mexiko und die Karibische See. Auf der karibischen Seite liegt die Riviera Maya. Auf halbem Weg zwischen Playa del Carmen und Tulum* gelangt man nach Akumal. Da brüten Schildkröten in den historischen Dimensionen der geologischen Zeit von Mai bis September.   
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Denken Sie an den „Schatten von Tulum“. Erst vor wenigen Tagen waren wir mit J.R. Bechtle in Tulum. In Seitsemäntoistas Mexiko-Saga spielt die aus einer antiken Festung herausgewachsene Stadt mit ozeanischem Paradise-Look zunächst keine Rolle. By the way, gestern waren wir doch auch in Mexiko.
 
¿Te acuerdas?
 
In einer von Zuckerrohrfeldern geprägten Landschaft sprengte einst ein von Guinea nach Mexiko verschleppter Königssohn seine Fesseln. Gaspa Yanga rief eine Cimarrón- aka Maroon-Kolonie in den Bergen über Veracruz aus.

„Die Stadt geht auf die älteste spanische Siedlung auf dem amerikanischen Festland zurück: Villa Rica de la Vera Cruz, am 22. April 1519 von Hernán Cortés gegründet.“ Wikipedia

Veracruz existierte damals seit kaum einem halben Jahrhundert.

Gaspar Yanga besaß Courage und Geschick. Jahrzehnte hielt er seine alpine Stellung. Der Schauplatz seiner Wehrhaftigkeit existiert noch: San Lorenzo de Cerralvo in der Yanga Munizipalität. Hochbetagt delegierte Yanga militärische Aufgaben an Francisco de la Matosa. Der Angolaner befahl Musketier:innen, Steinschleuderer:innen und Bogenschütz:innen. Mit seinem Namen verbinden sich Schwarze Siege. In ihren Schatten gingen nicht wenige Aktivist:innen magischen Geschäften nach. Sie begriffen sich als Kleinunternehmer:innen. Ihre spirituelle Beschichtung amalgamierte Katholizismus, indigene und afrikanische Religionen. 

Der Staat war abwesend. Eine Gesellschaft gab es nicht; wohl aber reichlich Sex, wenn auch keine Liebe in Weilern, die alle Tombstone auf spanisch (lápida sepulcral) oder (ausnahmsweise, wegen des Reims) indianisch heißen könnten.

Chronistinnen der Yanga-Arqueros erfanden den magischen Realismus im Unterholz lunarer Rituale.    

Seitsemäntoistas Yucatán verfehlt das Urlaubseldorado-Image. Die Nachkommende eines Helden der Freiheit folgt kaum sichtbaren Demarkationslinien; einer klandestinen Geografie des Bundesstaates, basierend auf volkstümlichen Begriffen, die eine heimliche Ordnung offenbaren.