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28.09.2021, Jamal Tuschick

»Ich finde Tobias Bamborschkes Gedichte fantastisch, sie berühren mich sehr, ich wünschte, ich hätte sie selber geschrieben.« Sven Regener

Pressetext von Kiepenheuer & Witsch/Galiani Berlin

Traurige Parks und wütende Melancholiker:innen

Lakonisch und mit heiterem Pathos vermisst der wütende Melancholiker Tobias Bamborschke die unbekannten Weiten seines Alltags.
Tobias Bamborschke macht Musik mit Isolation Berlin. Die Independent-Band ist schon lange kein Geheimtipp mehr. Ihre Songs laufen auf 1Live genauso wie im Deutschlandfunk; auf den jungen, hippen Kanälen wie auf den bildungsbürgerlichen. Wie das sein kann? Es hat viel mit Bamborschkes Songtexten zu tun. Darin singt er mit hemmungslosem Pathos, wütender Melancholie und wohl dosiertem Witz über die eher dunklen Seiten des Daseins. Ihm gelingt das Kunststück, gleichermaßen literarisch anspruchsvoll, zugänglich und kaputt zu sein.
Dabei kommt er ohne jegliche Larmoyanz daher und das macht Bamborschke zu einer einzigartigen Gestalt in der deutschen Musiklandschaft.
Schmetterling im Winter. Gedichte, Gedanken und Spelunken, Kiepenheuer & Witsch, 128 Seiten, 14,- 
Erscheint am 7.10.2021
Bamborschkes Gedichte sind vielleicht noch eindringlichere Texte und viel mehr als nur Beiwerk. Sie scheinen beeinflusst von etwa Kaléko, Lasker-Schüler, Hesse, Trakl, Eichendorff, auch Jandl und H.C. Artmann sind nicht fern, aber wer weiß das schon und was heißt das schon? Bamborschke schlägt sich seinen eigenen Weg durch das Dickicht der Kunst. Und wenn der in Sichtweite und parallel zur Autobahn verläuft, dann ist ihm das offensichtlich und zurecht egal.
Beim Lesen der Gedichte staunt man, wie es Bamborschke gelingt, aus der Tradition zu schöpfen und zugleich etwas so Gegenwärtiges, unmittelbar Greifbares zu schaffen. Mit einer fast schon unheimlichen Leichtigkeit, Lust und Melodie führt er uns entlang an verwohnte Straßen, traurigen Parks und haarsträubenden S-Bahn-Fahrten in gedankliche Abgründe voller funkelnder Sprachbilder. Die Gedichte lassen einen regelrecht in seiner Gedankenwelt untergehen. Das ist große Kunst.
Wer das Buch einmal in den Händen hält, wird feststellen: Es ist sieht auch noch gut aus! Um den Takt und Rhythmus seiner Gedichte aufs Papier zu bringen, tippt Bamborschke sie auf der Schreibmaschine seiner Oma. Das Buch bildet die Originalseiten ab. Dazu gesellen sich Bamborschkes Zeichnungen. Spielerisch, naiv und böse nehmen sie Motive und Charaktere der Gedichte auf, jagen sie durcheinander und treffen genauso bitter-humorvoll ins Mark. In einer gerechten Literaturwelt wird man mit Tobias Bamborschkes Gedichten in der
Hosentasche herumlaufen wie einst mit denen Leonard Cohens, wird man wieder und wieder die Welt dieses großen jungen Künstlers aufsuchen wollen.

Tobias Bamborschke, 1988 in Köln geboren und in Berlin aufgewachsen, ist Sänger und Texter der Band Isolation Berlin. Bamborschke beherrscht als immer am Abgrund balancierende Rampensau wie sonst kaum jemand die Kunst, seine Zuhörer in den Bann zu ziehen und hat bereits als Lyriker für Furore gesorgt. 2017 erschien sein viel beachteter erster Gedichtband »Mir platzt der Kotzkragen«.