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01.10.2021, Jamal Tuschick

Ein Duft gegen die Angst

Frankreich übernahm im ausgehenden 19. Jahrhundert die flächendeckende Ausbeutung Madagaskars. Die Protagonist:innen der Kolonialherrschaft kurten in Antsirabe, demVichy der Insel im Indischen Ozean, die ihren Namen von italienischen Renaissance-Kartografen auf der Grundlage eines mit Marco Polos Schilderungen verquickten Missverständnissen erhalten hatte. Die Europäer:innen erholten sich im kontemporären Spa-Ambiente einer heißen Quelle. Als Rikscha-Passagiere erreichten sie einen royalen Badesee namens Lac Tritriva. In Gesellschaft des schillernden Rajonarimananahery, kurz Hery, erreicht Nora im Jetzt des Romangeschehens den vollgelaufenen Vulkankrater. Da entdeckt sie einen „Geruch, der die Angst (aufhebt), die … Menschen ständig (haben). Angst vor dem Zuspätkommen, Angst vor dem Versagen, Angst, etwas zu verlieren.“ Später wittert sie in recycelten Reissäcken die Spur eines Dufts mit epochalem Signalcharakter.

Antonia Michaelis, „Die Wiederentdeckung des Glücks“, Roman, Droemer, 335 Seiten, 20.-

Nora und Terje sind auf eine unvertraute Weise Tochter und Vater. Sie wuchs leistungsorientiert bei der Mutter in Berlin auf, während er auf Hiddensee träumte. Nora regte die gemeinsame Reise nach Madagaskar an. Für ihren Vater blieb die Insel in langen Absenzen ein Sehnsuchtsort voller Verbindungen mit seinem Leben. Nora verfolgt in ihrer rasenden Geradlinigkeit ein ehrgeiziges Ziel. Die Sachverständige will den Duft der Stunde extrahieren. Bald taucht sie in einem Meer von Aromen auf dem Antsena Sabotsy, le grand marché d’Antsirabe.

In der Zwischenzeit baut Terje ein aus Flaschen recycelten Cyclo-Pousse. Der Pousse-Rekordhalter Rakotomalalabalita, kurz Biscuit, ein junger Mann ohne Familienname, erweist sich als wahrer Freund und Bastelkamerad des alten Deutschen. 

„‘Sieh hin!‘, rief Biscuit.‘ Technik, Haltung, Einstellung! Du darfst nicht gegen das Pousse kämpfen, du bist nichts ohne das Pousse, es rettet jeden Tag dein Leben. Du musst mit ihm verschmelzen. Entspann dich. Den Lenker niemals herumziehen, nur sanft drücken, und die Beinarbeit, die Beinarbeit ist das Wichtigste, aber es ist kein Kampf, es ist ein Tanz‘.“

Eingebetteter Medieninhalt

Aus der Ankündigung

Die Wiederentdeckung des Glücks -Können wir Glück recyceln?

Ebenso poetisch wie eindringlich erzählt Antonia Michaelisʼ Gesellschaftsroman von vier Menschen, deren Lebenswege sich auf Madagaskar immer wieder kreuzen, und die einander den Mut geben, Grenzen zu überschreiten und ihre Fesseln abzustreifen.

Kleider, Flaschen, Schuhe – alles kann man recyceln. Warum nicht auch das Glück?
Einst war Madagaskar ein Paradies, heute ist die Insel vor der Küste Afrikas fast komplett abgeholzt und bettelarm – und lebt vom Recycling. Vielleicht webt das Schicksal deshalb genau hier vier Lebenswege ineinander, um am Ende ihre Ketten zu sprengen?
Da ist der Straßenjunge Biscuit, der sich einfach weigert, seine Träume aufzugeben. Da ist die junge Maribelle, die nie gelernt hat, Träume zu haben – bis sie die Kraft ihres Willens entdeckt. Und da sind Terje und seine Tochter Nora aus Deutschland, die gleich zwei Mal alles in Bewegung setzen werden.

Antonia Michaelis hat selbst einige Zeit auf Madagaskar gelebt. Mit »Die Wiederentdeckung des Glücks« hat die preisgekrönte Autorin einen lebensklugen, tief bewegenden Gesellschaftsroman über Empowerment geschrieben, der noch lange im Gedächtnis bleibt.

Zur Autorin

Antonia Michaelis begann bereits als Kind zu schreiben. Sie ist eine renommierte Autorin von zahlreichen Büchern und Theaterstücken für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Antonia Michaelis hat mit ihrer Familie zwei Jahre auf
Madagaskar gelebt und dort eine Schule für mittellose Kinder mitaufgebaut. Mittlerweile lebt sie in einem Dorf nahe der Insel Usedom.

www.antonia-michaelis.de

http://www.antonia-michaelis.de/