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06.10.2021, Jamal Tuschick

»Wir sollten aufhören, so zu tun, als wären wir allein auf diesem Planeten.« Henry Mance

Bewusstsein und Beute

„Unsere Ernährung bestimmt, wer wir sind“, sagt Henry Mance. Er bezieht sich auf Feinberg & Mallatt, die eine Theorie entwickelten, nach der das Bewusstsein eine Funktion der Jagd ist.

Das Bewusstsein kam ins Spiel, „damit die ersten Raubtiere ihre Beute erlegen und die ersten Beutetiere ihnen entkommen konnten“.

“About 520 to 560 million years ago, they explain, the great Cambrian explosion of animal diversity produced the first complex brains, which were accompanied by the first appearance of consciousness; simple reflexive behaviors evolved into a unified inner world of subjective experiences. From this they deduce that all vertebrates are and have always been conscious—not just humans and other mammals, but also every fish, reptile, amphibian, and bird.” Quelle

Animalischer Erfahrungsbegriff

Der Neurologe Todd Feinberg und der Evolutionsbiologe Jon Mallatt vertreten die Auffassung, dass alle Tiere mit einer Wirbelsäule „einen Erfahrungsbegriff haben“.

Bereits die ersten Wirbeltiere brauchten für ihre „hochauflösenden Facettenaugen“ eine Verarbeitungszentrale. Sie machten sich ein Bild von der Welt, im Prinzip nicht anders als wir. Die Wissenschaftler erzählen den archaischen Standard, den wir unwillkürlich als Ausgangspunkt einer zu uns führenden Entwicklung begreifen, als Konkurrenzprodukt. Am Anfang habe es einen Wettbewerb schwimmender Würmer um die besten Sinnesorgane gegeben, um bei der großen Tombola des Lebens etwas länger als andere im Spiel zu bleiben.

Henry Mance spricht martialisch von einem „Wettrüsten“ mit der Vorgabe einen Vorsprung bei der „Verarbeitungsgeschwindigkeit“ herauszuschlagen.  

Der Autor fragt: „Könnte es nicht auch sein, dass Tiere Erfahrungen machen und Emotionen haben, die uns nicht zugänglich sind.“

Henry Mance, Mit Tieren leben. Warum wir das Verhältnis zwischen Mensch und Tier neu definieren müssen, aus dem Englischen von Yamin von Rauch, Kein & Aber, 27,- 

Was wir gern vergessen. Wir stehen nicht seit jeher an der Nahrungskettenspitze. Die längste Zeit waren Menschen Beute. Zu effektiven Jäger:innen wurden wir auf den Saumpfaden der kulturellen Evolution. An unserer genetischen Wiege sang uns keine(r)  das Lied von Pfeil und Bogen. Heute herrschen wir über die Welt und sauen alles ein. Unser Fleisch- und Milchkonsum zeigt den groben Strich, mit dem wir die Linien des Begreifens zeichnen. 

„Fleisch zu essen beruht auf kognitive Dissonanz“, sagt Mance.  

Aus der Ankündigung

Wir verwöhnen unsere Haustiere und abends grillen wir Rindersteaks. Wir sehen uns Naturdokumentationen an und wissen gleichzeitig, dass die meisten Nutztiere ein elendes Leben führen, bis sie auf unseren Tellern landen.

Henry Mance begibt sich auf die Suche, um herauszufinden, ob es gerechtere und bessere Wege gibt, unseren Planeten mit den anderen Arten zu teilen, die unser Leben bereichern. Er heuert in einem Schlachthof an und arbeitet auf einer Schweinefarm; er besucht einen veganen französischen Sternekoch und trifft die Fake-Meat-Erfinder im Silicon Valley; er spricht mit einem Zoobesitzer und einer Tiertelepathin; er nimmt an einer Wildschweinjagd teil und fährt in den Amazonas-Regenwald. All das, um eine Vision zu entwickeln, wie wir in Zukunft leben könnten.

»Mit Humor und Menschlichkeit geschrieben – Mance hat eine dringende Botschaft: Wir müssen unseren Lebensstil drastisch ändern, wenn wir eine ökologische Katastrophe verhindern wollen.« The Guardian
 
HENRY MANCE ist preisgekrönter Journalist bei der Financial Times, wo er auf lange Reportagen spezialisiert ist und eine wöchentliche satirische Kolumne schreibt. Bei den British Press Awards 2017 wurde er zum »Interviewer des Jahres« gekürt. Mit seiner Frau und zwei Töchtern lebt er in London.