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02.11.2021, Jamal Tuschick

Sara Maria Behbehani. © Moritz Kilian

Deutsche Prägungsbausteine

Die Autorin postuliert: „Wir müssen uns der Debatte stellen und den systemischen, flächendeckenden Rassismus in der Bundesrepublik in all seinen Facetten verstehen lernen.“ 

Ihr Werk charakterisiert sie so: „Das ist ein suchendes Schreiben, gleichsam in den öffentlichen Raum hinein, das manchmal auch in den Zynismus oder die Polemik abrutscht, weil manche Dinge so besser zu ertragen sind.“

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Sara Maria Behbehani erinnert ihre Kindheit im Präsens der Vergegenwärtigung. Sie geht in die Kirche und singt im Chor. Die Prägungsbausteine sind überwiegend deutsch. Das betont sie: „Ich bin Deutsche.“

Die Fremdwahrnehmung bestreitet das mitunter. „Alle, die nicht typisch deutsch aussehen und als fremd gelesen werden, können davon berichten, von Personenkontrollen, die eigentlich Gesichtskontrollen sind, und von all den anderen Erscheinungsformen des Rassismus.“

Sara Maria Behbehani, „Schwarzweißdenken. Was es heißt, ehrlich über Rassismus zu sprechen“, Droemer, 18,-

Aus der Ankündigung

Die junge Journalistin Sara Maria Behbehani schreibt mit genauso viel Wut wie Einfühlungsvermögen, mit Verve und persönlichem Engagement, wie das gesellschaftliche Gespräch über und der tägliche Einsatz gegen Rassismus gelingen kann. Ihre Botschaft: Es ist alles viel komplizierter als wir denken. Und trotzdem kann es so viel einfacher werden, wenn wir anfangen, einander zuzuhören.

Die Proteste im Rahmen von Black Lives Matter im Sommer 2020 waren lautstark in Deutschland, aber schnell wieder vorbei. Wenn es allerdings um strukturellen Rassismus im Alltag, um die Benachteiligung nicht-weißer Menschen in der eigenen Lebenswelt geht, dann herrscht oftmals dröhnendes Schweigen. Anti-Rassismus gerne, aber bitte nicht zu teuer – das scheint bis heute die Devise der stillen Mehrheit in Deutschland zu sein, wenn es um den Kampf gegen Diskriminierung jener Menschen geht, die noch immer viel zu oft als „Fremde“ gelesen werden.

  • Der blinde Fleck im Kampf gegen Rassismus: was die weiße Mehrheitsgesellschaft nicht sehen will.
  • Ein Ausweg aus den Polarisierungen
  • Persönlich, emphatisch, anschaulich: auf dem Weg zu einem neuen Diskurs
  • Warum Identitätspolitik nicht ohne Solidarität funktionieren kann


Die NSU-Morde, Halle und Hanau – der rechte Hass ist Alltag in Deutschland. Doch erst die Rassismusdebatte aus den USA führte dazu, dass große Teile der deutschen Zivilgesellschaft aktiv protestieren. Warum aber mobilisiert Black Lives Matter stärker als das, was vor der eigenen Haustür passiert? Sara Behbehanis These: weil man sich Anti-Rassismus aus den USA wie den neuesten Sneaker an- und ausziehen kann. Aber für das, was hier passiert, ist jede*r verantwortlich. Behbehani fordert: Es ist an der Zeit, dass die Träger*innen weißer Privilegien sich ernsthaft mit den Lebenswelten der »Anderen« auseinandersetzen, es ist Zeit, dass ein neuer Dialog beginnt. Ihr Buch ist eine beeindruckende Anleitung fürs Zuhören in einer polarisierten Migrationsgesellschaft. Mit ihrem energischen Plädoyer für ein besseres Miteinander weitet sie den Blick in einer verengten Debatte und zeigt neue Wege, um aufeinander zuzugehen.

Sara Maria Behbehanis politisches Sachbuch ist eine beeindruckende Anleitung fürs Zuhören in einer polarisierten Migrationsgesellschaft. Mit ihrem energischen Plädoyer für ein besseres Miteinander weitet sie den Blick in einer verengten Rassismus-Debatte und zeigt neue Wege, um aufeinander zuzugehen.

Zur Autorin

Sara Maria Behbehani, geboren 1992 in Bremen, ist Journalistin und lebt in München. Nach ihrem Französisch- und Literaturwissenschaftsstudium arbeitet sie seit 2019 bei der Süddeutschen Zeitung.