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11.11.2021, Jamal Tuschick

#DieWeltneudenken

„Ergreife deine Chance, halte dein Glück fest und scheue kein Risiko.“ René Char 

Gisèle Halimi - Ikone der Frauenbewegung - im Gespräch mit der Starjournalistin Annick Cojean

Die Krux empowernder Büstenhalter

„Ergreife deine Chance, halte dein Glück fest und scheue kein Risiko.“ Unter diesem Motto (zitiert wird René Char) geht Annick Cojean in die Offensive. Sie moniert, dass „Unternehmen mit Feminismus Geld machen und plötzlich vieles, von BHs über Lippenstift bis hin zu Deodorants, als irgendwie ‚empowernd‘ beworben wird“.

Annick Cojean, Gisèle Halimi, „Seid unbeugsam! Mein Leben für die Freiheit der Frauen“, auf Deutsch von Kirsten Gleinig, Aufbau Verlag, 20,-

Zur Vorgeschichte

Den ersten „feministischen Sieg“ verbucht Gisèle Halimi mit einem Hungerstreik im Elternhaus. So protestiert sie gegen die Vorrechte ihrer Brüder, die „wie kleine Paschas behandelt werden“, während die Tochter eine Zurücksetzung erlebt, deren konstitutiver Charakter sie auf die Palme bringt.

„Warum sollten die Jungen anders behandelt werden als die Mädchen? Wer machte diese unsinnigen Regeln?“ 

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„Unterhaltsam, lebhaft, resilient“, sei Halimi von jeher gewesen, erklärt Cojean. Die Anwältin legte Wert auf ein atypisches e am Ende von Advocat(e). Sie spielte nicht nach den Regeln der Zunft. In aufsehenerregenden Prozessen zeigte sie sich entschieden parteiisch. Gerichtssäle verwandelte sie in Foren gesellschaftlicher Debatten. Als einzige Anwältin unterzeichnete sie „1971 das Manifeste des 343, in dem 343 Frauen – darunter Berühmtheiten wie Françoise Sagan, Catherine Deneuve, Marguerite Duras und Jeanne Moreau – bekannten, illegal abgetrieben zu haben“. 

Halimi ging es stets um das Große und Ganze. Sie legte sich mit den Mächtigen an und suchte die Konfrontation auch zur Darstellung grundsätzlicher Fragen der Geschlechtergerechtigkeit. 

Zu den Autorinnen

Gisèle Halimi, 1927 in Tunesien geboren und 2020 in Paris gestorben, gilt als Ikone der Frauenbewegung. Als Rechtsanwältin setzte sie sich u.a. für die Legalierung von Schwangerschaftsabbrüchen in Frankreich ein. Ihr Einsatz für die algerische Freiheitskämpferin Djamila Boupacha an der Seite von Simone de Beauvoir und Jean-Paul Sartre machte sie weltberühmt. Sie kämpfte ihr Leben lang für die Freiheit und die Rechte der Frauen. 

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Annick Cojean arbeitet als internationale Korrespondentin für die französische Tageszeitung Le Monde und ist eine der bekanntesten Journalistinnen Frankreichs. Sie hat bereits mehrere preisgekrönte Bücher veröffentlicht, zuletzt den Porträtband "Was uns stark macht" (2019) über inspirierende Frauen wie Patti Smith, Virginie Despentes, Joan Baez, Aslı Erdoğan, Vanessa Redgrave u.a. 

Seid unbeugsam

Liebe Kolleg:innen,

die Frauenrechtlerin und Anwältin Gisèle Halimi kämpfte ihr Leben lang leidenschaftlich für die Freiheit und die Gleichberechtigung der Frauen. Sie starb im Juli 2020 mit 93 Jahren in Paris. „Seid unbeugsam!“, ein Gesprächsbuch zusammen mit ihrer Freundin, der Journalistin Annick Cojean, ist ein bewegender Rückblick auf Gisèle Halimis wichtigste Stationen, Fälle und ein Appell an die Frauen, für ihre Unabhängigkeit zu kämpfen. In einer Zeit, in der Ungerechtigkeit nach wie vor und mehr denn je besteht.

Annick Cojean, Gisèle Halimi, „Seid unbeugsam! Mein Leben für die Freiheit der Frauen“, auf Deutsch von Kirsten Gleinig, Aufbau Verlag, 20,-

1927 als Tochter einer tunesisch-jüdischen Familie geboren, muss sich Gisèle Halimi schon früh gegen ihren Vater behaupten. Mit 16 verweigert Gisèle die für sie vorgesehene traditionelle Heirat und zieht stattdessen zum Jura-Studium nach Paris. Als Rechtsanwältin setzt sie sich u.a. für die Legalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen in Frankreich ein. Ihre Freundin Simone Veil brachte das Gesetz als Gesundheitsministerin auf den Weg. Weltberühmt wurde Halimi durch ihren Einsatz für die algerische Freiheitskämpferin Djamila Boupacha an der Seite von Simone de Beauvoir und Jean-Paul Sartre.