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21.11.2021, Jamal Tuschick

„Wahrscheinlich hasse ich das geschriebene Wort, ganz egal wie ich es gebrauche.“ Jane Bowles

Symbolfoto/Bildausschnitt/Leichenschmaus/Harald Duwe © Jamal Tuschick

Lost Generation

Jane Auer, geboren 1917 in New York, liebte Bars und fürchtete Natur da, wo Landschaften die Regelmäßigkeit einer Tapete verlieren. Die Debütantin absolvierte den US-Expatriierten-Parcours der Lost Generation, kurte mondän in der Schweiz und ergattete den aufstrebenden Komponisten Paul Bowles. Mit siebenundzwanzig Koffern fuhr das Paar in die Flitterwochen nach Panama. Die Ehe besiegelte einen geistigen Bund. Die von vielen Ortswechseln belebten Stationen einer Gatten-Freundschaft dokumentieren Briefen, die Jane Bowles zwischen 1937 und 1970 verbreitete. Nöte der nomadisierenden Absenderin bestimmen die Korrespondenz, gleich an wen sie sich richtet. Unbezähmbare Nervosität greift Jane Bowles in Paris, New York und Tanger an. Zweifel und Schuldgefühle plagen sie.

Sie fällt sich selbst ins Wort.  

„Wahrscheinlich hasse ich das geschriebene Wort, ganz egal wie ich es gebrauche“, schreibt sie Paul Bowles 1947. 1950 meldet die Autorin: „Wenn ich mein Buch nicht zustande bringe, gebe ich das Schreiben auf.“ Die Rede ist von Jane Bowles zweiten, nie vollendeten Roman. „Und dann entweder Selbstmord oder ein anderes Leben.“ In einem Geschäftsbrief findet sich die Zeile: „Lieber Mr. – Wenn das Geld nicht bis Dienstag da ist, erschieße ich mich.“ Tennessee Williams traf Jane Bowles 1948 in Malaga: „Aufreizend, hin und her gerissen zwischen Scherzen, Besorgnis, Liebe und Zerstreuung … ein nervöses Mädchen“ von einunddreißig Jahren. Ihr literarisches Debüt „Zwei sehr ernsthafte Damen“ brachte Jane Bowles Anerkennung. Begabt und geschlagen mit einer Empfindlichkeit, die in Zusammenbrüchen mündete, blieb sie taub für konventionelle Lösungen. Ein Hirnschlag traf die künstlerischen Potentiale. Die letzten Jahre verbrachte Jane Bowles in Kliniken: „Ich habe große Angst hier ganz allein.“ Sie starb 1973. Das schmale Werk erklärt ihren heimlichen Ruhm nicht restlos. Eine exponierte Ehe und offensive Homosexualität wirken ein. Nach einem Streit mit der arabischen Geliebten schreibt Jane Bowles im April 1957: „Ein junger Mann aus New York ist hier namens Allen Ginsberg … Vermutlich muss ich mich mit ihm treffen … (Er ist) ein Freund von Bill (Burroughs), der ständig in seinen Gedichten auftaucht.“ Jane Bowles war stolz und eifersüchtig auf den Erfolg ihres Mannes: „Ich bin schrecklich niedergeschlagen und natürlich trägt die Tatsache, dass du all diese Briefe von Verlegern bekommst … nicht gerade zur Stärkung meiner Moral bei.“ Jane Bowles maß „Himmel über der Wüste“ eine prophetische Bedeutung bei.