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25.11.2021, Jamal Tuschick

#Lob

Lieber Herr Tuschick,

danke Ihnen vielmals für diesen tollen Beitrag

Herzliche Grüße

Felix Schiller

Programmkoordination und Projekte | Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Literarisches Colloquium Berlin e.V. Am Sandwerder 5 D - 14109 Berlin Telefon 00 49 - 30 - 816 996 17 schiller@lcb.de

Nairobi unter dem Honigmond

Kolonialgeschichte von innen. Tom Buk-Swientys Blixen-Biografie gibt einmal noch dem weißen Kolonialgefühl Raum. Man kann das Buch nicht lesen, ohne mit Erstaunen festzustellen, wie fest die imperiale Afrika-Sehnsucht im kulturellen Gedächtnis ankert. Generationen wurden nicht zuletzt mit Abenteuergeschichten auf die Ausfüllung der Herrenmenschenrolle vorbereitet. Man reagierte erfrischt auf die Schilderungen einer überwältigenden Natur voller steinzeitlicher Einschüsse, die einem Zeitkapselerlebnisse im Wohnzimmer verschaffen konnten.  

*

Sie sieht Löwen in die Augen und schläft unter dem Kreuz des Südens. Vor allem jedoch baut Karen Blixen mit ihrem Mann eine Kaffeeplantage im nairobischen Hochland auf. Das landwirtschaftliche Unternehmen basiert auf keiner Tradition. Alles steht auf Anfang. Nairobi war ursprünglich lediglich eine versumpfte Zeltlager-Etappe am Saum des britischen Protektorats Uganda. Das Camp gewann Bedeutung im Zuge eines Eisenbahnbaus durch das Hoheitsgebiet der Massai und Kikuyu. 1899 entstand da der Hauptsitz von Uganda Railways, von Kritiker:innen Lunatic Line genannt.

Nairobi ist Hauptstadt von Britisch-Ostafrika und Zentrum des Jagdtourismus, als Karen sich akklimatisiert und Afrika zu lieben beginnt. 

Als sei es ein Stück von Ibsen

Als die frisch vermählte Baronin Blixen Nairobi kennenlernt, leben da „knapp vierhundert Weiße, zweitausend Inder und circa viertausend Afrikaner“. Nicht weniger als tausend Einheimische begrüßen das skandinavische Aristokratenpaar auf ihrer eben erworbenen Kaffeefarm MBagathi im nairobischen Umland. Karen Blixen registriert lauter „splitternackte Männer“. Sie folgen den neuen Herrschaften „mit dröhnendem Gesang“. Im engsten Kreis des Plantagenhaushalts agieren expatriierte Schweden. Erschlagen von der Baufälligkeit des Anwesens, kehren die Flitterwöchner zurück nach Nairobi  und quartieren sich standesgemäß im Norfolk Hotel ein. Sie verbringen da ihre Hochzeitsnacht.  

„Das Fairmont The Norfolk ist seit 1904 ein beliebtes Wahrzeichen und spielt eine zentrale Rolle im historischen Erbe Kenias, insbesondere während der Zeit, als sich Nairobi rund um das Hotel zu einer modernen Stadt entwickelte.“ Quelle  

Tom Buk-Swienty, „Die Löwin. Tania Blixen in Afrika“, Biografie, aus dem Dänischen von Ulrich Sonnenberg, Penguin Verlag, 32,-

Zur familiären Vorgeschichte

Am Ende eines Opernabends erhängt sich der Vater.

Gegeben wurde Verdis Aida. Während der Vorstellung war Wilhelm Dinesen (man kannte den noch nicht einmal fünfzigjährigen Schriftsteller und Politiker als Hauptmann Dinesen im ganzen Land) „bester Laune gewesen.“

Den Kindern sagt man die Wahrheit nicht. Die zehnjährige Karen lässt sich abspeisen. Im Weiteren empfängt sie ihre Prägung in einem protestantisch-hochgestimmten, in jeder Hinsicht engagierten Matriarchat, in dem neben der Mutter, eine Großmutter und eine Tante die Hauptrollen spielen. Die Mutter behauptet von sich, aus Stahl gemacht zu sein. Der Alltag vollzieht sich in gediegenen Verhältnissen auf einem Hof in Rungsted. Zu den ewigen Berühmtheiten vor Ort zählen drei Dinesens.  

Pressemitteilung

Lesung und Gespräch mit dem Autor Tom Buk-Swienty und Ulrich Sonnenberg

1913 besteigt eine 28-jährige Frau in Neapel die S/S Admiral mit Kurs auf Mombasa. Mit dieser Reise beginnt das große Abenteuer ihres Lebens. In Britisch-Ostafrika, dem heutigen Kenia, erfüllt sie sich vor allem auch diesen einen Traum: Sie baut die Karen Coffee Company Ltd. auf, eine Kaffeeplantage am Fuß der Ngong Hills in der Nähe von Nairobi mit rund 1000 Angestellten, die sie, fast vollkommen auf sich allein gestellt, 17 Jahre lang führt.

Tom Buk-Swienty, preisgekrönter Historiker und großer Kenner der Geschichte der Familie Dinesen/Blixen, legt mit »Die Löwin« seit knapp 40 Jahren die erste umfassende Biografie von Tania Blixen, der Autorin des Weltbestsellers »Jenseits von Afrika« vor – basierend auf neuen Quellen. 

Herzliche Einladung zur
Buchpremiere am 29. November um 19:30 Uhr
im Felleshus in Berlin

TOM BUK-SWIENTY im Gespräch mit dem Übersetzer ULRICH SONNENBERG
über sein Werk »DIE LÖWIN. Tania Blixen in Afrika«.

Eine Veranstaltung der Kgl. Dänischen Botschaft in Zusammenarbeit mit dem Penguin Verlag.

Weitere Informationen zur Veranstaltung finden Sie hier.
Hier können Sie sich anmelden.

Tom Buk-Swienty, 1966 in Eutin geboren und im dänischen Sønderborg aufgewachsen, war nach seinem Studium der Geschichte zehn Jahre lang USA-Korrespondent der Wochenzeitung Weekendavisen. Er ist heute freier Autor und Dokumentarfilmer und veröffentlicht seit 2006 Sachbücher, die vielfach ausgezeichnet wurden. Ein Schwerpunkt seines Werks gilt der deutsch-dänischen Geschichte (u.a. »Schlachtbank Düppel«, 2015), ein weiterer der Familie Dinesen/Blixen, der er schon vier Bücher gewidmet hat (u.a. »Feuer und Blut. Hauptmann Dinesen«, 2014). »Die Löwin« ist die erste große Biografie Tania Blixens seit knapp vier Jahrzehnten, wurde in Dänemark zum Nr.-1-Bestseller und wird derzeit als Biopic verfilmt.