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16.12.2021, Jamal Tuschick

Erstrangige Leidensgemeinschaft

„Das Reich, in dem wir zusammentrafen, senkte sich herab wie eine Wolke, die sich öffnete um uns in ein verborgenes Paradies aufzunehmen.“ Bettina von Arnim über den Kreis der Romantiker:innen, in dem sich Karoline von Günderrode in Friedrich Carl von Savigny verliebte.

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Die Bewohner:innen verstimmter Innenwelten erscheinen fantomas an einem idyllischen Saum. Gleichzeitig verkörpern sie die personelle Peripherie eines depressiven Gipfeltreffens in Christa Wolfs Kein Ort. Nirgends.

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Christa Wolf erfindet der Gefälligkeit des Rheingaus eine erstrangige Leidensgemeinschaft. Zwei Jahre vor ihrem Selbstmord trifft Karoline von Günderrode (in der Fiktion) den Suizidalen Heinrich von Kleist in Winkel am Rhein. Beide sind Gäste der Brentanos. Bettina, Kunigunde und Clemens vertreten die Familie. Ferner zugegen sind Kunigundes zum Ministeramt befähigter, als bedeutenster Jurist einer Ära hochgeschätzter Gatte Friedrich Carl von Savigny, Clemens Gattin Sophie, der Universalgelehrte Christian Gottfried Daniel Nees und ... die Liste bleibt unvollständig. Den Unterschied macht, ob Kleist die spätere Frau von Arnim ignoriert, da die Günderrode seine Aufmerksamkeit stürmisch okkupiert. Mit Clemens Brentano kann die Dichterin einen abgewiesenen Verehrer vorweisen. Friedrich Carl von Savigny ist ihre erste große Liebe. Sie verfolgt nicht nur Kleist, Savigny übersieht eine Geste. Seine Zurückhaltung begründet er mit Motiven des verheirateten Mannes.