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2022-01-07 07:32:28, Jamal Tuschick

Erik Bulatov, „Sonnenaufgang, Sonnenuntergang“, 1989 © Jamal Tuschick

Furchtlose Männer in Windeln

#Gropiusbau/The Cool and the Cold/Malerei aus den USA und der UdSSR 1960–1990/Aus der Sammlung Ludwig

Aus dem Katalog

Dreißig Jahre nach dem Ende der Sowjetunion präsentiert der Gropius Bau The Cool and the Cold. Malerei aus den USA und der UdSSR 1960–1990, eine umfangreiche Gruppenausstellung aus den Beständen der Sammlung Ludwig aus sechs internationalen Museen.

Peter und Irene Ludwig gehörten weltweit zu den ersten Sammler*innen, die US-amerikanische und sowjetische Kunst parallel sammelten. Die Ausstellung ermöglicht die kritische Gegenüberstellung von Werken aus beiden Lagern des Ost-West-Konflikts und untersucht, wie Künstler*innen zur Zeit des Kalten Krieges auf politische wie ästhetische Fragen ihrer Epoche reagierten und Vorstellungen individueller und gesellschaftlicher Freiheit verhandelten.

Gezeigt werden rund 125 Arbeiten von über 80 Künstler*innen, unter anderem von Andy Warhol, Jasper Johns, Ilja Kabakov, Erik Bulatov, Jo Baer, Lee Lozano, Jackson Pollock, Helen Frankenthaler, Viktor Pivovarov, Natalja Nesterova und Ivan Čujkov.

Kuratiert von Benjamin Dodenhoff und Brigitte Franzen.

#Beba - Israelisches Yummy nach dem Ausstellungsbesuch © Jamal Tuschick

Sakral in der Säkularisierung

Ein Mann schiebt einen leeren Kinderwagen vor die Imponiermalerei des Kalten Krieges. Außer mir scheint niemand die Sinnlosigkeit der Konstellation, gemessen an den regulären Erwartungen, zu irritieren. Das Fahrzeug könnte Requisit einer Inszenierung sein. Ich verfolge die Manöver des seltsamen Besuchers. Enttäuscht ihn, dass seine Merkwürdigkeit fast alle Aufmerksamkeitsziele verfehlt? Möchte er dem Publikum eine Reaktion abringen?

Der sowjetisch-sozialistische Realismus ist Ikonenmalerei und Stalinverehrung weit über dessen Verdammung hinaus. Märchenhaft sind die Prachtschinken. Sie sind Erzählungen im Geist der Fürstenverehrung. Die amerikanischen Gegenstücke geben ihre Fadenscheinigkeit als Marktprodukte sofort zu. Sie entsprechen unternehmerischen Leistungen, während die UDSSR-Kunst sakral in der totalen Säkularisierung bleibt.

Sie sehen den Simulanten einer familiären Konstellation vor Jurij Korolevs 1982 entstandenem Kolossal „Kosmonauten“. Ganz offensichtlich vollzog der Künstler die Apotheose an seinem Personal. Das waren furchtlose Männer in Windeln.

Beobachtung einer Inszenierung © Jamal Tuschick

Jurij Korolev, „Kosmonauten“, 1982 © Jamal Tuschick

“In 1969, artist Lowell Nesbitt was invited by NASA to create artwork to commemorate the Apollo 9 mission–the first flight of the full Apollo spacecraft that would eventually take humans to the Moon later that year during the Apollo 11 mission. Based on his time at Cape Canaveral, Nesbitt produced a portfolio of prints that was on view during this special exhibition.” Quelle

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Die Blöcke vereisten in der kalten Konkurrenz. Ihre Gladiatoren wähnten sich so oder so im Abwehrkampf gegen Ungeheuer aus dem Reich des Bösen. Im Überflügelungseifer reizten sie die Grenzen ihrer Spannkraft aus.

Lowell Nesbitt, Splashdown 69 © Jamal Tuschick

Maija Tabaka, Riga 1945/Nikolaj V. Ovčinnikov, Ohne Titel, (aus der Reihe Tretjakow-Galerie) Zarenzahm malten Staatskünstler:innen Stalin als Führer der Rus. Unter den kommunistischen Sätteln lagen noch die Schabracken mit den Wappen der Dynastien. © Jamal Tuschick