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10.01.2022, Jamal Tuschick

© Jamal Tuschick

Haltbarkeit

Deklassiert geboren, begann ein Gaucho des 18. Jahrhunderts im Vorschulalter das Kleinvieh zu hüten. Er beschritt die Pampa barfuß und in Lumpen. Mit sieben besorgte er sich ein Pferd, das er ohne Sattel und Zaumzeug ritt. Den Kampf ums Überleben führte er gegen Schlangen und wilde Hunde mit Steinen und bloßen Händen; schon die Bola und das Lasso stellten Verbesserungen dar, die mancher Hirtenjunge gar nicht erst kennenlernte. Im Verlauf der Jugend kam er zu einer gebrauchten Ausrüstung, so dass er sich auf den ersten Blick nicht sonderlich unterschied von den Arrivierten. Er setzte seinen Stolz in das Unternehmen einer neuen und vollständigen Ausstattung vom Sombrero über die Stiefel und Sporen bis zum Sattel. Dafür arbeitete er zwanzig Jahre.

Jeder Gebrauchsgegenstand war ein Statussymbol. Der Gaucho schaffte sich die Dinge kein zweites Mal an. Sie überlebten auch noch einen Erben. Sie waren hundert Jahre brauchbar.

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Als Iwan Gontscharow 1855 Japan besuchte, traf er Edelmänner, die im Mittelalter gefertigte Schwerter für eine ausreichende Bewaffnung hielten. Sie befahlen Männern, die im 16. Jahrhundert hergestellte, aus politischen Gründen jahrhundertelang eingemottete Arkebusen mit sich führten. Die verfemten Feuerwaffen waren erst zwei Jahre zuvor, nach Matthew Perrys japanischem Intermezzo, aus der Versenkung geholt worden.