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18.01.2022, Jamal Tuschick

Strategische Diskriminierung

Facts on the ground

„Wir Uiguren sind Steinchen im Schuh des Reichs der Mitte.“

Das Han-Chinesische Regime im Uigurischen Autonomen Gebiet Xinjiang institutionalisiert die Herabsetzung der autochthonen Bevölkerung. Die strategische Diskriminierung folgt der Idee, den Uigur:innen die Grundlagen für eine selbständige Lebensweise zu entziehen. Man schafft verdrängende facts on the ground mit konsequenten Marginalisierungen der ursprünglich einheimischen Arbeitnehmer:innen.

Uigur:innen werden von der Han-Chinesischen Administration, die bei jeder Gelegenheit mit Usurpator:innenhärte durchgreift, als potentielle Dissident:innen wahrgenommen.  

Gulbahar Haitiwaji, Rozenn Morgat, „Wie ich das chinesische Lager überlebt habe. Der erste Bericht einer Uigurin“, auf Deutsch von Claudia Steinitz und Uta Rüenauver, Aufbau Verlag, 20,-

Das berichtet Gulbahar Haitiwaji in ihrer Abrechnung mit staatlicher Grausamkeit und Willkür. Jahrelang arrangiert sich die Ingenieurin - zugleich duldungsstarr und biegsam - mit den Machthaber:innen.

Xinjiang ist ein Meilenstein des wirtschaftspolitischen Großprojekts Neue Seidenstraße.

Mit ihrer Familie lebt Gulbahar Haitiwaji in Karamay. „Der Name der Stadt ist von einem natürlichen Asphaltberg im Nordosten der Stadt abgeleitet. 1955 wurde hier aus der ersten Ölquelle gefördert.“ Wikipedia

Alle Schikanen zum Trotz steigt Gulbahar Haitiwaji in ihrem Unternehmen auf, bis man ihr die Leitung der Abteilung zur Kontrolle der Produktionssicherung anvertraut.

Die zunächst unvertraute Arbeit „wächst ihr ans Herz“. Gulbahar Haitiwaji fühlt sich gefördert (im Rahmen der Ausgrenzung) und empfindet „Dankbarkeit“.

Der psychologische Dreh verdient einen Extrabeitrag unter dem Titel „Schweinchen Schlau und die Personalführung als Menschen verschlingendes Projekt“.

Gulbahar Haitiwajis Gatte Kerim fehlt schließlich der Langmut seiner Frau. Er exiliert und baut als Pionier ohne Papiere unter härtesten Bedingungen seiner Familie in Frankreich eine neue Existenz auf.  

Seine Töchter vergöttern den stählernen Migranten wie einen amerikanischen Serienhelden. 2006 folgen die Schwestern dem Vater im Schlepp ihrer Mutter, die keinen „Schlussstrich zu ziehen“ wagt. Sie kündigt nicht, sondern nimmt unbezahlten Urlaub.

Die Familie vereint sich in Paris. Gulbahar Haitiwaji fühlt sich entwurzelt. Sie beantragt eine Aufenthaltsgenehmigung, um ihren chinesischen Pass nicht zu verlieren. Zehn Jahre später heiratet eine ihrer Töchter in der neuen Heimat. 

Morgen mehr. 

Aus der Ankündigung

»Ein Aufsehen erregendes Zeugnis.« DER TAGESSPIEGEL

Seit Jahren lebt Gulbahar Haitiwaji mit ihrem Mann und ihren Töchtern in Frankreich. Bis die chinesische Regierung sie auffordert, aus administrativen Gründen nach Xinjiang zu kommen. Gulbahar Haitiwaji bucht eine zweiwöchige Reise und kehrt drei Jahre später zurück. Sie ertrug Verhöre, Folter, Hunger und kafkaeske Zersetzungsmethoden. Weil eine der Töchter an einer uigurischen Versammlung in Paris teilgenommen hatte. Seit 2017 wurden mehr als eine Million Uigurinnen und Uiguren in Umerziehungslager gesperrt. Gulbahar Haitiwaji ist die Erste, die darüber berichten kann, weil sie wieder in Frankreich lebt. Ihr Buch ist ein mutiger Appell an die internationale Gemeinschaft, diesen Völkermord nicht mehr zu dulden.

»Dieser Bericht der Uigurin Gulbahar Haitiwaji ist ein zu Herzen gehendes, ein kostbares und ein aufschlussreiches Dokument, dem eine breite Aufmerksamkeit zu wünschen ist.« Gesine Schwan 

Gulbahar Haitiwaji wurde 1966 in Nordchina geboren und arbeitete mit ihrem Mann als Ingenieurin in Xinjiang. Als sich die Lage für die Uiguren dort zuspitze emigrierte die Familie 2006 nach Frankreich. 2016 wurde Gulbahar Haitiwaji von den chinesischen Behörden nach Xinjiang zitiert und verbrachte drei Jahre in den Umerziehungslagern. Mit der „Figaro“-Journalistin Rozenn Morgat hat sie über ihre Haft gesprochen. Daraus ist dieses Buch entstanden, das sofort zum internationalen Bestseller wurde.