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30.01.2022, Jamal Tuschick

Der Salat schwamm im Schmand

Metzgereien, in denen man mittags Wurstsuppe kriegte, sind nun Schnellrestaurants. Zu festen Fleischgerichten wurde Salat gereicht. Der Salat schwamm in Schmand. Jetzt hat man die Wahl zwischen dreißig Salaten ohne Schmand. Tillmann notiert das große Metzgereien-Sterben, um es später datieren zu können. Er weiß, wann die Straßenbahnschienen aus dem Oeder Weg gerissen wurden. Wie elegisch die Martin-Luther-Straße auf die Rohrbachstraße trifft.

© Jamal Tuschick

Seemännischer Abfall

Sie waren am Strand (der Streifen vor Khans Kiosk im Burgpark)) und wollen auf einen Whiskey zu Jim-dem-Iren. In vorbildlicher Eintracht begegnen Karolin, Marie und Tillmann Tillmanns liebster Nachbarin Sprotte und deren Liebhaber Traktor; auch er ein altes Gesicht im Gebiet. 

„Wollt ihr auch zu Jim?“ fragt Sprotte. Eine Sturzgeburt widersprüchlicher Empfindungen nimmt Tillmann auseinander. Sprotte zieht ihn übermütig in den Schankraum. Jims Kneipe hat einen maritimen Anstrich. Sie steckt voller seemännischem Abfall. Karolin dekoriert den Kneipentürrahmen mit einer Pose malerischer Ausgelassenheit.

„Wo steckt mein Mann?“ fragt sie. Karolin ist erst seit drei Monaten mit Tillmann zusammen. Marie lacht, Karolin macht gerade die Rechnung ohne den Wirt. Sie weiß, dass die Pfeilspitze von Tillmanns Zuneigung in alle möglichen Richtungen zeigen kann.

Müßiggänger:innen bleiben vor der Kneipe hängen. Der Ire könnte als Sizilianer alten Schlags besetzt werden. Immer wieder gerät Jim in sagenhafte Schwierigkeiten. Dann finden im Nordend Verfolgungsjagden statt. Jim räumt Stühle und Schirme zu Tischen auf dem Bürgersteig. Er setzt sich zu den Paaren. Ein Stammgast geht in den Service, Jim nennt das Erlebnisurlaub. Er verkauft original irisches und schottisches Wasser, angeblich um den Whiskeygeschmack wie einen Schatz vom Meeresboden zu heben. Man kann bei Jim gigantische Zechen machen.

Jim übt mit bevorzugten Gästen gälische Trinksprüche. Sprotte zeigt der Szene ein Gesicht wie aus der Werbung. Tillmann glaubt, dass Jim Frankfurter Leitungswasser mit interessanten Etiketten auf den Flaschen als irisches Quellwasser verkauft. Er kann sich an Sprotte nicht sattsehen. Das zwanghafte Interesse gefällt Sprotte. Karolin rückt auf und organisiert eine Separation der Frauen.

„Wo wollt ihr denn hin?“ fragt Traktor.

Aus eigener Kraft ist ihm nichts gelungen, denkt Tillmann. Jim schmeißt eine Runde, um Tillmann & Co. in seinem Revier zu halten.

Tillmann ist ein Magnet. 

Ohne ernste Absichten wünscht er sich einen Mangel und sei es Kälte, der man nicht sofort in ein Taxi entkommt; so dass man wieder einmal den Kragen aufrichten und die Schultern hochziehen könnte.

Langeweile nagt an jedem. Ein besonderer Baum stand lange da, wo Tillmann sitzt. Er wurde umgelegt, obwohl sich zu seiner Rettung Leute zusammengeschlossen hatten. Zum Protestverlauf gab es eine Ausstellung.

Auch Jim ist ein Tito in Bergen aus Gier. Er rät Tillmann und Traktor dazu, mit ihm gemeinsam ein Haus in Mörfelden kaufen. Angeblich gehört der Blumenladen im Haus Uli Stein.