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03.02.2022, Jamal Tuschick

„Die körpereigenen Abwehrsysteme sind biologische Wunder, doch … Keime und Viren (bleiben) unschlagbare Angreifer.“  Ina Knobloch

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„Die Realität ist nicht die Wahrheit.“ Heiner Müller

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“Everything is a function of energy.” Huai Hsiang Wang 

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“Security will not exist if our nation’s women to not know how to fight.” David Ben-Gurion

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“So take the shortest path between two points is a straight line mantra with a grain of salt. The Horizon looks straight, but it ain’t.” Gesehen auf Instagram, Quelle  

Der 007 der CIA. Meines Wissens ist das die einzige in die Öffentlichkeit gelangte Aufnahme von Antigones Ausbilder, dem Geheimrat für Close Range Combat Grand Slam Coogan © Jamal Tuschick

Antigone verzaubert die Provinz

Südkoreas höchster Berg, der ruhende Schildvulkan Hallasan, hat seine eigene Insel. Jeju ist ganzjährig ein landesweit herausragendes Ausflugs- und Urlaubsziel. Man verbringt da seine Flitterwochen. Auf Jeju leben noch Haenyeo – Aponeo-Taucherinnen – die Meeresfrüchte traditionell ernten. In dieser rustikalen Honeymoon-Pittoreske vertrottelt eine Dichterin vor lauter Sehenswürdigkeiten in einem tristen Stück Alltag. Nari ist introvertiert und eigensinnig. Sie unterrichtet ein bisschen. Die meiste Zeit verbringt sie im Selbstgespräch. Sie ist mit einer zupackenden Person verheiratet. Das Zusammenleben beschränkt sich auf gemeinsame Mahlzeiten, zubereitet auf einem Campingkocher im Wohnzimmer. Dem robusten Taehyung gefällt seine Dichterin in ihrer totalen Verweigerung. Er findet sie niedlich und bedeutend. Folglich führt er keine in der Sprachlosigkeit erstarrte Ehe, sondern fühlt sich wohl in einem perfekten Arrangement.

Bei Nari ist alles reduziert, auch die Mimik. Das ändert sich schlagartig, als sie Antigone trifft. Als Kuratorin des Baltischen Poesiefestivals castet die Historikerin weltweit Außenseiterinnen mit maritimen Bezügen. Antigone rät Nari zu ein paar Verbesserungen ihrer somnambulen Performance.  

Was zuvor geschah

Die einer markanten, europäisch verzweigten, in Paderborn ursprünglichen Familie entstammende, 1976 in Gersfeld zur Welt gekommene Taurina-Jade von Teichmann-Pechstein setzt ihre kleinadelige Existenz (und, ohne es zu ahnen, ihr Leben) der Liebe wegen aufs Spiel. Im letzten Jahr des zweiten Jahrtausends unserer Zeitrechnung folgt sie gemeinsam mit ihrer in der Rhön so flamboyant wie anonym gezeugten Tochter Antigone dem Franco-Polynesier Oro Sagittaria zu der Île du Vent Maiao. Ich mache es kurz. Bald nach ihrer Ankunft auf dem Atoll stirbt Taurina bei einem Badeunfall. Antigone wächst unter Oros Leuten in Taora O Mere auf. Sie vergisst ihre Muttersprache und wird bereits als Adolszentin in den Geheimorden der Arioiinitiiert, „einer Gemeinschaft mit hierarchischer Gliederung, esoterischer Heilslehre und kultischen und kulturellen Funktionen“ (Wikipedia). Nach einer Razzia findet sie sich erst auf Tahiti und dann in Lichtenau-Atteln im Bürener Land wieder. 

Antigone erleidet einen Kulturschock in der Obhut anthroposophisch verstimmter und professionell pädagogischer Verwandter. Ich erwähne nur Tante Nǎofengpa, eine Ostwestfälin von echtem Schrot & Korn. Die Kühlanlagentechnikerin ist so lange die aufgeklärte (vernagelte) Leichtfüßigkeit in Person, bis Antigone die Grundmauern ihrer Mittelschichtsüberzeugungen erschüttert.  

Gefühlsniederlagen in den Grauzonen des Möglichen

Wir tendieren alle dazu, mit an den Haaren herbeigezogenen und aus der Suppe gefischten Argumenten unserer Lieblingsdönerbude wahlweise Insane-Sushi-Instanz so wie unserem Stamm-Späti die Treue zu halten. Wir sympathisieren mit uns selbst wegen unserer Bodenständigkeit und Geschmacksoriginalität, und weil wir trittsicher Typen schätzen. Ornament & Verbrechen - sobald es Nacht wird in Paderborn und Umgebung, kennen wir die Kriterien.

Wir wissen, wer voran geht und wer hinterher.

Antigone avanciert zur Herzdame in lauter Heimspielen. Sie bezaubert die Provinz. Ohne dass eine Mücke zum Elefanten gemacht worden wäre, verändert sich Antigone zunächst nach Schwerin, wo sie unter athletischen Akademikerinnen eine gute Figur macht. Fünf Jahre später lässt sie sich in Lübeck bewundern. 

So geht es weiter

Eben war Antigone noch in Korea, jetzt absolviert sie schon wieder ihr Trainingsprogramm an der Trave.

Morgen mehr.