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27.04.2022, Jamal Tuschick

Stefanie Hirsbrunner, Denis Scheck © Jamal Tuschick

Pressemitteilung

Das InterKontinental Verlagsprogramm

Seit fünf Jahren bemüht sich InterKontinental um die Verbreitung und Sichtbarmachung afrikanischer und afro-diasporischer Literatur im deutschen Sprachraum. Ganz in diesem Sinne eröffnete im Dezember 2018 die InterKontinental Buchhandlung in der Sonntagstraße 26 in Berlin Friedrichshain, in der sich ein internationaler Kundenstamm, interessierte Laufkundschaft, Tourist*innen, Berliner*innen, Diplomat*innen und die Schwarze Community in Deutschland begegnen. Bei regelmäßigen Lesungen und Veranstaltungen und insbesondere während des jährlichen African Book Festivals, das ein fester Bestandteil der Berliner Kulturlandschaft geworden ist, wird der Austausch zwischen Literaturschaffenden, Verlagen, Übersetzer*innen und interessiertem Lesepublikum vertieft. Die Arbeit von InterKontinental wird nun durch den gleichnamigen Verlag ergänzt.

Am 25. August 2022 erscheinen die ersten drei Übersetzungen im Bereich Belletristik sowie ein zweisprachiger Essayband in Erstausgabe. Zu den Autor*innen des ersten Verlagsprogramms gehören Jennifer Nansubuga Makumbi, Lauri Kubuitsile und A. Igoni Barrett. Alle drei Autor*innen sind beim diesjährigen African Book Festival vom 26.-28. August in Berlin zu Gast.

Jennifer Nansubuga Makumbi aus Uganda schreibt Romane und Kurzgeschichten. Sie lebt in Manchester und unterrichtet kreatives Schreiben. Sie wurde mit zahlreichen Preisen, wie dem Commonwealth Short Story Prize, dem Windham-Campbell-Award, sowie dem Jhalak-Preis für Werke von PoC-Autor*innen in Großbritannien ausgezeichnet. 2022 kommt sie als Artist in Residence des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) für ein Jahr nach Berlin. InterKontinental veröffentlicht im August den zweiten Roman der international gefeierten Autorin, Die erste Frau (aus dem Englischen von Alakati Neidhardt). Makumbi ist eine meisterhafte Geschichtenerzählerin, die es vermag, mit ihren bestechend lebendigen und menschlichen Figuren die eigentliche Handlung beinahe nebensächlich erscheinen zu lassen. O The Oprah Magazine bezeichnet den Roman als „faszinierendes feministisches Epos“. Die erste Frau ist eine generationenübergreifende Geschichte über das Erwachsenwerden, die erste Liebe, das Frausein und die Suche nach den eigenen Wurzeln. Ein ergreifender Roman zwischen traditionellen und modernen Feminismen, erzählt vor dem Hintergrund des gewaltvollen Regimes von Idi Amin im Uganda der 1970er Jahre.

Blackass (aus dem Englischen von Venice Trommer) ist der im Original bereits 2015 erschienene Debütroman des nigerianischen Schriftstellers A. Igoni Barrett. Doch die bissige Satire auf die Gesellschaften unserer Zeit hat seitdem nichts an Aktualität und Witz eingebüßt. Angelehnt an Die Verwandlung von Franz Kafka erwacht Furo Wariboko am Morgen eines wichtigen Vorstellungsgesprächs als weißer Mann: rote Haare, grüne Augen, blasse Haut. Er scheint völlig verändert und steht plötzlich vor der Herausforderung, verstecken zu müssen, was von ihm bleibt: seinen nigerianischen Akzent, seinen Namen, seine Familie und nicht zuletzt – seinen Arsch. Der ist nämlich Schwarz geblieben. Humorvoll zeigt A. Igoni Barrett die Privilegien auf, die mit Weißsein und heterosexueller Männlichkeit einhergehen und nimmt die Leser*innen mit auf eine rasante Reise durch die Millionenmetropole Lagos.

Der dritte Roman stammt aus der Feder von Lauri Kubuitsile aus Botswana. Sie ist Autorin zahlreicher Kinderbücher. Zerstreuung (aus dem Englischen von Ivana Maurovic und Maria Meinel) ist ihr erster historischer Roman und beleuchtet ein wenig beachtetes Kapitel deutscher Geschichte, den Kolonialismus im Südwesten Afrikas. Es herrscht Krieg im südlichen Afrika rund um die Jahrhundertwende. Tjipuka, Tochter eines Herero-Oberhaupts, und Riette, deren Vater ein niederländischer Siedler ist, begegnen sich im britischen Betschuanaland, beide schwer gezeichnet durch die Kriege, die sie durchleben mussten. Zerstreuung erzählt die brutale Geschichte zweier Frauen, die der Kampf ums Überleben verbindet. Lauri Kubuitsile gelingt es einfühlsam und poetisch von unfassbarem Leid, u.a. im Konzentrationslager Lüderitz, und der gleichzeitigen Unbeugsamkeit des menschlichen Geistes zu berichten. Eine deutsche Produktionsfirma hat bereits die Filmrechte erworben.

Im zweisprachigen Essayband Kann das denn Liebe sein? | Could This Be Love? gewähren 15 Autor*innen in Form persönlicher Essays mutig Einblick in ihr Privatleben. Sie berichten davon, was in Beziehungen passiert, wenn Race, Herkunft oder Kultur zum Thema werden. Anhand eigener Erfahrungen ergründen sie in ihren Texten scharfsinnig, mitreißend und nachdenklich, ob wir in einer immer noch tief gespaltenen Welt trotzdem zueinander finden. Herausgegeben von Stefanie Hirsbrunner, mit einem Vorwort von Emilia Roig und Beiträgen von Marie-Sophie Adeoso, Tshiwa Trudie Amulungu, Josephine Apraku, Aseman G. Bahadori, Clementine E. Burnley, Tammi L. Coles, Jude Dibia, Katrin Diop, Kalaf Epalanga, Stefanie Hirsbrunner, Bhekisisa Mncube, Yara Nakahanda Monteiro, Goitseone Montsho, Jennifer Neal und Ifeatu Nnaobi.

Mehr Informationen zum Verlag unter www.interkontinental-verlag.de.