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2022-06-05 08:02:20, Jamal Tuschick

Buck The Seal Leland schoss auf Farbeimer, die über Leinwänden baumelten. Er imitierte Niki de Saint Phalle. Weil er riesig war, einen verschlingenden Blick hatte und die karierten Hemden von Chief Bromden trug, sah bei ihm alles nach ausgeflipptem Holzfäller und nichts nach Kunst aus.

In Nacogdoches befasste ich mich mit Dokumenten aus der Frühzeit der texanischen Staatsgründung. Die Akten sah ich in einem Archiv im historischen Rathaus ein. Meine Phantasie reicherte sie zu einer Urschrift an. Ich war froh, in der Gesellschaft malerisch abgeklärter Typen in ‚Lucie Mill‘s Coffeeshop‘ den mythischen Text in die Binsen gehen zu sehen, bis die Prinzessinnen von Nacogdoches aufkreuzten, um die Auslage zu inspizieren, allen voran Naomi DeWitt und Evangeline Gerrish Going. Ihre Vorfahren hatten Sam Houstons Aufruf ‚Dies ist der Tag und dies ist die Stunde‘ beherzigt. In Nacogdoches wusste das jeder. Es war, als wäre John Wayne Going Junior (auch schlicht The Son genannt) gerade aus dem Feld zurückgekehrt, und als baumele sein Pulverhorn an Evangelines Hüfte. Die Männer überschlugen sich. Sie erschienen höflich, offen, neutral und politisch korrekt. Dabei strotzten sie vor fertigen Meinungen und Vorurteilen. © Jamal Tuschick

Buck Leland imitiert Niki de Saint Phalle

Buck und ich waren uns zum ersten Mal in Lamar Monroes Gospelchor begegnet. In einem Nachklapp jugendlichen Überschwangs hatten wir uns nach dem Unterricht zu einer Fachsimpelei hinreißen lassen. Bei der nächsten Begegnung klärten wir die Eckdaten.

Buck bewohnte Goings Gartenhaus. Das war ein stehender Begriff in Nacogdoches. John Wayne Going war als Rancher und Ranger eine Säule der texanischen Gesellschaft in den 1830/40er Jahren gewesen. 1980 war von seinem idyllisch am Angelina River gelegenen Anwesen nicht mehr übrig als das fest gebaute Gartenhaus.

Buck war ein Erbe der Immobilie. Er kannte sich nicht besonders gut aus in der Landschaft seiner Geschichte. Ich war bei meinen Recherchen ein paar Mal auf seinen berühmtesten Ahnen gestoßen. Dazu gleich mehr.

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In Nacogdoches befasste ich mich mit Dokumenten aus der Frühzeit der texanischen Staatsgründung. Die Akten sah ich in einem Archiv im historischen Rathaus ein. Meine Phantasie reicherte sie zu einer Urschrift an. Ich war froh, in der Gesellschaft malerisch abgeklärter Typen in Lucie Mill‘s Coffeeshop den mythischen Text in die Binsen gehen zu sehen, bis die Prinzessinnen von Nacogdoches aufkreuzten, um die Auslage zu inspizieren, allen voran Naomi DeWitt und Evangeline Gerrish Going. Ihre Vorfahren hatten Sam Houstons Aufruf Dies ist der Tag und dies ist die Stunde beherzigt. In Nacogdoches wusste das jeder. Es war, als wäre John Wayne Going Junior (auch schlicht The Son genannt) gerade aus dem Feld zurückgekehrt, und als baumele sein Pulverhorn an Evangelines Hüfte. Die Männer überschlugen sich. Sie erschienen höflich, offen, neutral und politisch korrekt. Dabei strotzten sie vor fertigen Meinungen und Vorurteilen.

Den Widerspruch verbarg ein Meisterwerk der Verblendung.

Überall öffneten sich Türen. Das Entgegenkommen war eruptiv. Ich begriff das Wesen und spürte die Anziehungskraft eines Gründungsmythos. Die texanische Lava war noch nicht erkaltet. Alles war erst gestern geschehen und glühte alltäglich nach. Leute kramten Artefakte hervor. Oft waren das Gegenstände wie aus dem Fundus einer Wildwestshow. Die Nähe der historischen Fundamente zu ihren populären Nachbildungen frappierte.