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02.11.2018, Jamal Tuschick

Die Subversion von Tennisbällen - Der zivile Widerstand in Syrien hat viele Gesichter.

Schneiderstuben als Widerstandsnester

Ziviler Widerstand

Im Juli 2013 war der IS mit seinem mittelalterlichen Repressionsprogramm in ar-Raqqa (Rakka) so dominant, dass öffentliche Proteste, deren Hauptziel Assad darstellte, eingestellt wurden. Es gab aber den Fall der Suad Nofel, die allein nun (auch) gegen den IS demonstrierte. Sie beschriftete Pappkarton mit ihren Forderungen.

„Erzählt mir nichts von eurer Religion, sondern zeigt sie in eurem Verhalten.“

„Nein zu ungerechten Herrschern.“

Der einsame Widerstand fand zwei Jahre nach Demonstrationen mit hunderttausenden Syrer*innen statt. Er bewies den Erfolg einer IS-Strategie.

„Ständige Erschießungen, öffentliches Auspeitschen und Exekutionen von Aktivist*innen reduzierten die zivilen Aktivitäten in ar-Raqqa auf ein Minimum.“

Ich beziehe mich auf die von

Guillaume Gamblin, Pierre Sommermeyer und Lou Marin herausgegebene Dokumentation „Im Kampf gegen die Tyrannei“, erschienen im Verlag Graswurzelrevolution.

„Wenn du nicht mit Waffen sprechen willst, musst du eine andere Sprache benutzen.“

Ahmed Zaino setzte mit dem Wort Freiheit subversiv gemachte Tischtennisbälle als Instrumente des Widerstands ein. Er leerte Säcke voller Bälle über Soldaten, die dann mit den wegspringenden Bällen ihre Mühe hatten.  

Intelligenz macht Dumme aggressiv. Gewaltfreier Widerstand geht nicht zwingend von pazifistischen Einsichten aus, sondern mitunter von einer realistischen Einschätzung der Machtverhältnisse. So wie der Koran in säkularisierten Mittelost-Diktaturen als Kampfmittel eingesetzt wurde, das islamisch geprägte Verhältnisse zu einer Front gegen Regimes werden ließ, so taugen alle Mittel, die einen gesellschaftlichen Widerhall finden und Gegnerkräfte binden. Gasmasken aus Coladosen und Holzkohle gestatteten es Demonstranten länger auf der Straße zu bleiben als ohne Hilfsmittel und so in einem zivil bleibenden Widerstandsakt die Ressourcen der Gegenseite zu strapazieren.   

Die nächtliche Beschallung von Stadtteilen mit Syrien verherrlichenden Liedern von geheimen Zentren aus, löste in Damaskus eine Spontandemonstration aus. Die Leute kamen mit Tränen in den Augen aus ihren Häusern, umarmten sich und sammelten sich auf öffentlichen Plätzen. Das Militär war nicht dazu in der Lage, die Musik abzustellen.

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