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04.11.2018, Jamal Tuschick

Hilal Sezgin macht gute Erfahrungen

Völkerverständigung auf dem Land

Hilal Sezgin

eben kam ne futterlieferung. 6 paletten heusäcke, macht insgesamt über 3 tonnen. der fahrer ein breitschultriger glatzenträger mit schwarzer bomberjacker, aus frankfurt/oder. als ich ihn sah, dachte ich: oh weia, wie werden wir konträren typen miteinander warm?

denn das einlagern dieser paletten ist etwas heikel. eigentlich müssen die fahrer ja nur bis "bordsteinkante" liefern, bei mir aber noch übern hof und über etwas unbefestigten weg; der letzte rest lässt sich nicht mal mit dem hubwagen bewältigen.

der fahrer guckt sich das an, zieht die bomberjacke aus und sagt: "ach kein problem, das dauert ne dreiviertelstunde, ich hab ne dreiviertelstunde pause, das trag ich ihnen rein." UND ER TRUG DREI TONNEN HEU IN DEN STALL!! (ich hab auch bisschen was getragen, aber angesichts seiner leistung mehr so symbolisch.)

währenddessen versicherte er mir mehrmals, das sei kein problem, ich solle mich nicht so anstrengen etc. wir unterhielten uns über dies und das. seine eltern hatten in der ddr einen betrieb mit 170 kühen, 80 bullen, 150 schweinen, hasen und enten. ich machte ihm frühstück, sagte ihm, das sei halt vegan. ach, das mache ihm nix, seine schwägerin in dresden sei auch vegan. da fahre er nicht gern zu besuch, das essen schmecke schon anders. na ja, aber er esse auch nicht mehr ganz so (viel fleisch) wie früher.

der anblick des stalls weckte in ihm kindheitserinnerungen. zwischendurch immer mal ein zigarettchen, am ende fragte, ob ich die brotdose zurück brauche, schüttelte mir die hand und wünschte mir strahlend alles gute.

die moral von der geschicht? streng genommen keine. menschen eben. wir sind vielschichtig. das äußere gibt eh kaum nen hinweis aufs innere. und wenn alle sich anstrengen... irgendwas geht immer.

 

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