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05.11.2018, Jamal Tuschick

Deadline für Einsendungen: 30.11.2018 - Wir möchten Euch einladen: Schriftstellerinnen, Dichter und Künstlerinnen, die unsere inspirierende Bewegung zwischen unserer Vergangenheit im Mittleren Osten, unserer Gegenwart in Berlin und dem noch unbekannten Ort unserer Zukunft teilen. Wir suchen Poesie, Belletristik, Sachtexte und bildende Kunst für unsere erste Ausgabe, um unsere einzigartigen Stimmen in dieser einzigartigen Stadt und einzigartigen Zeit zu vereinen.

Reconnecting the Middle East in Berlin

Hassan Abul Fadl

Das heutige Berlin ist für Menschen aus unterschiedlichsten Ländern ein sicherer Hafen – unter ihnen viele Schriftstellerinnen und Dichter, die aus Asien und Afrika eingewandert sind. Als israelische Juden aus syrisch-irakisch-iranischen Familien (Juden der arabischen Welt / Mizrachim / Juden aus dem Maghreb und Maschrek) halten wir Berlin für einen interessanten und einmaligen Treffpunkt für Menschen unserer Herkunft – etwas, das in Israel nicht stattfinden könnte.

Wir schreiben unsere Romane, Geschichten und Gedichte auf Hebräisch – die Sprache, mit der wir aufgewachsen sind, ohne dass es unbedingt unsere Muttersprache wäre. Die Sprachen, mit denen unsere Eltern aufgewachsen sind, werden in Israel unterdrückt. Als Juden arabischer oder afrikanischer Herkunft mussten wir die „arabischen“ Anteile unseres kulturellen Erbes hinter uns lassen, um Teil des israelischen Schmelztiegels werden zu können. Jedoch sind viele der Ansicht, dass was in diesem Schmelztiegel entsteht, keine neue „Tzabar“ ist, wie die neuen israelischen Juden von der Bewegung des Zionismus gern beschrieben werden. Ergebnis dieses Schmelztiegels war eher eine neue Form des europäischen Juden – einem Modell, das sich die weißen europäischen („aschkenasischen“) Juden ausdachten, von denen viele ironischerweise aus Deutschland kamen. Gerade diese Geschichte macht die Migration von Mizrachim-Juden ins heutige Deutschland so interessant. Es ist die einmalige Perspektive, aus der wir Mizrachim-Juden und Einwohner Berlins Gelegenheiten, Ambivalenzen und kreative Imagination entwickeln. Dieses in der deutschen Vergangenheit bislang unbekannte Narrativ – insbesondere die Verbindung zu den anderen arabischen Formen der Diaspora – kann zu einer literarischen und poetischen Neu-Konstruktion des Mittleren Ostens führen. Wir werden unsere Häuser mit Worten bauen und uns den Wächtern des Nationalismus entziehen.

„Jews and Arabs Writing in Berlin“ möchte die erste Literaturgruppe überhaupt sein, die das Spezifikum von Mizrachim-Kultur in Berlin mit Schriftstellern und Dichterinnen aus ebenjenen Ländern in ihrer Arbeit ernst nimmt und durcharbeitet. Wir möchten die Differenz, die unsere Leben geprägt hat, in unseren Worten zum Ausdruck kommen sehen. Noch wichtiger aber sind uns die Ähnlichkeiten: Wenn beispielsweise eine israelische Jüdin über das nie gesehene Haus ihres Vaters in Damaskus schreibt, wie ähnlich oder unähnlich wird es der Beschreibung in einem Text eines syrischen Geflüchteten sein, der in Berlin wohnt und nicht in das Haus seiner Kindheit in Damaskus zurückkehren kann? Wenn ein Palästinenser in Berlin über sein Geburtsland schreibt, wird er über dasselbe Geburtsland schreiben wie die Israelis, die sich in Berlin befinden? Wenn jemand ein Gedicht über al-Quds schreibt und jemand anderes eines über Jerusalem, sprechen sie von derselben Stadt? Können sie eine Verbindung herstellen, wenn sie sich diese Texte vorlesen? Wird aus der weichen Seite ihres Sehnens vielleicht eine neue Vorstellungskraft entstehen?

Als israelische Mizrachim-Schriftsteller, die in Berlin wohnen und auf Hebräisch arbeiten, haben wir festgestellt, wie sehr unser Geburtsland (Israel) und unser Vaterland (Syrien, Iran, Irak und andere) bedeutende Rollen in unserer Inspiration und kreativen Arbeit spielen. Als internationaler Dreh- und Angelpunkt bringt Berlin Tausende interessanter und unterschiedlicher Menschen zusammen, doch wir möchten eine ganz bestimmte Community mobilisieren, die weder völlig homogen noch gänzlich heterogen ist. Die Stimmen von Arabern, Türkinnen, Marokkanern sowie die Stimmen von arabischen, iranischen, türkischen und marokkanischen Juden und Jüdinnen müssen, so glauben wir, zusammen gelesen und zusammen gehört werden.

Vor mehr als 100 Jahren lebten im Mittleren Osten Juden, Araber und anderen ethnische sowie religiöse Gruppen in einem fruchtbaren Dialog miteinander und standen gedanklich, kulturell, seelisch und physisch im Austausch. Nach dem Niedergang des Osmanischen Reiches, den beiden Weltkriegen und dem sich daraus ergebenden Aufkommen jüdischen wie arabischen Nationalismus, verloren Juden und Araber diese Verbindung. Wir haben uns damit unseren Dialog verloren. Als Pilotprojekt für eine zukünftige Zusammenarbeit wollen wir mit dieser ersten Ausgabe diesen verlorenen Dialog durch Literatur und Kunst wiederbeleben. Berlin ermöglicht uns, Juden und Arabern zugleich, einen der seltenen Momente zu einer verlorengegangenen Begegnung, die in ihren Herkunftsländern nicht mehr zustandekommt. Durch das Zusammenleben im europäischen Exil überspringen wir unsere nationalen Identitäten und hoffen, eine neue Zusammensetzung der Worte schaffen zu können, die unsere gegenseitige Existenz neu definiert.

Deadline für Einsendungen: 30.11.2018

Im Oktober werden wir außerdem unsere Lesung veranstalten – bitte teilt uns bei der Einsendung mit, ob ihr bei dieser Veranstaltung teilnehmen und Eure Arbeit präsentieren möchtet.

Send text to: arabjewsberlin@gmail.com

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Abul Fadl was born in 1979. Between the years 1998-2003 he studied music in the high institute for music in Damascus and graduated with excellency. During 2006-2008 he studied at the German Staatsoper, and later on he continued to learn musicology at the Humboldt University in Berlin.

Hassan founded the Berliner Oriental Ensemble. In the years 2009-2010 he was a project manager of the WÖM (western-eastern music forum) with the AKI e.V. and the Rütli School Neukölln. In 2010 he founded the Zeriab Center for Oriental Music. In 2011-2013 he worked as a social educator at the EJF Berlin.

In the year 2014 Hassan founded the Tarab Choir and the Arab Choir. During 2015-2016 he worked as a social worker at Johanniter e.V./ LOS. Since 2014 he is a music lecturer at the Music School Neukölln (Paul Hindemith) and since 2016 he works as a migration consultant at the Märkisch-Oderland

The Berliner Orient Ensemble

Since the establishment of the Berliner Orient Ensembles in January 2008, the ensemble present a constantly expanding repertoire of music. The ensemble brings together compositions from the tradition of classical Arabian-Andalusian music as well as younger and more contemporary styles of Arabic and Turkish music.

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