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20.12.2018, Jamal Tuschick

Aufgewachsen im Schatten der Schande eines unfähigen Vaters, der ein ererbtes Vermögen auf die saumseligste Weise zu vernichten wusste und eine Hure mehr als seine Frau liebte, zieht sich Mersija vor der eigenen Scham in einen fremdkodierten Raum zurück.

Ein Leben zwischen Tür und Angel

Mersija - So könnte sie aussehen.

Sie ist eine bosnische Muslima aus Brčko. Ihre Familiengeschichte erscheint tragisch genug, um Mersija nicht in einem Dutzendschicksal bittere Erfahrungen machen lassen zu müssen. In der Generation ihres Vaters verlor die Familie ihre Bedeutung. Das väterliche Versagen stigmatisierte die Tochter.

Was will Mersija vom Leben?

Zunächst entlässt sie sich aus dem Gedächtnisgefängnis von Brčko, wo die Leute Bescheid wissen und sämtliche Urteile längst gesprochen sind. Mersija sucht Freiheit in der Anonymität der Gastarbeit.   

Weitere Überlegungen und Phantasien zu Sead Husics Roman „Gegen die Träume“ (Divan Verlag, 380 Seiten, 16.90 Euro).

1969 erreicht sie Traunstein; die schamvolle Armut ihrer Kindheit und Jugend im Gepäck. Sie macht erste Erfahrungen in der Kammerwelt zur Untermiete. Sie findet Arbeit in einer Gaststätte. Ihr Chef ist Herr der Lage. Herr Otto serviert Hausmannskost, Braten und Klöße in sämigen Soßen. Er weiß, worauf es ankommt. Er hat den Bogen raus. Mit lauter kleinen Berechnungen kommt er über die Runden.

Herr Otto ist ein Pantoffelsieger.

Mersija fühlt sich von ihm nicht vollkommen abgestoßen. Sie fasziniert das deutsche Glück. Die Kriegsgewinner putzen die Küchen der Verlierer.

Herr Otto verzichtet darauf, Mersija in ihrer Herkunftseigenartigkeit zur Kenntnis zu nehmen. Sie ist eine Jugoslawin, die den Vornamen ihres Arbeitgebers mit der höflichen Anrede verbindet. Ob in Unkenntnis von Gepflogenheiten?

 

Mersija lernt Nada kennen. Nada ist die Tochter eines serbischen Schweinebauern und aus einem anderen Holz geschnitten als die treuherzige Bosnierin, die sich in einem Mädchentraum bewahrt. Nada macht Nägel mit Köpfen. Strategisch betrügt sie ihren Mann Sava mit dem Hotelchef Bernd Busch. Nada weckt in Mersija den Wunsch, aktiver zu sein als bisher.

 

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