MenuMENU

zurück zu Main Labor

23.12.2018, Jamal Tuschick

In „Zusammen sind wir Könige“ erzählen Frederick Lau und Kida Ramadan die Geschichte einer produktiven Freundschaft.

Sie begegnen sich kurz vor den Dreharbeiten zu „Ummah – Unter Freunden“ zum ersten Mal. Der Film entsteht ohne öffentliche Förderungen als eine Tat aus Leidenschaft – nach einer Idee und in der Regie von Cüneyt Kaya. Der Berliner aus dem Wedding wählt Neukölln zum Schauplatz einer Geschichte, die vor allem von Gesichtern, Gesten und Angelegenheiten der Migration erzählt wird.

In diesen Milieus sind Frederick Lau und Kida Ramadan zuhause. Ihr Alltag vollzieht sich in der Diversität von Kreuzberg und Neukölln. Die Kodes der Zugehörigkeit sind schwer zu knacken - same same but different. Der Anschein entspricht einer potemkinschen Zwiebelschale. In dieser Sphäre haben Backwarenverkaufsstellen Separees, in denen sich Kiezgrößen wie weiland Loki und Helmut Schmidt ein exklusives Raucherrecht bewahren.

Alle anderen müssen vor die Tür.

In „Zusammen sind wir Könige“ erinnern sich Lau und Ramadan an vergangene Kopfschmerzen und hohes Verkehrsaufkommen. Sie graben ihre Jugend aus und bringen die Herkunftsfamilien ins Spiel.

Lau:

„Berlin war für meinen Vater die Stadt, in der er aufblühen konnte.“

Ramadan:

Meine Eltern sind „1977 – kurz nach meiner Geburt – vor dem Bürgerkrieg im Libanon (nach Deutschland) geflohen.“

Die Freunde hangeln am stärksten Ast ihrer parallelen Schilderungen auf „Ummah“ zu. Der narrative Kern der Geschichte dreht sich um den deutschen Verfassungsschützer Daniel Klemm. Lau spielt ihn wie einen, der sich selbst verloren gegangen ist. Er zeigt einen Traumatisierten, dem von jetzt auf gleich sämtliche Gewissheiten abhanden gekommen sind. Klemm scheint nie ganz bei sich. Im Gegensatz zu Lau, der schon als Halbwüchsiger mit den arabisch- und türkischstämmigen Jungwölfen zu heulen gelernt hat. Er erzählt wie breit die Einstiege ins Elternhäusliche bei den Kumpels mit Migrationshintergrund waren.

Ramadan ist die Levante an die Spree gefolgt. In „Ummah verkörpert er einen Mann mit Merhamet. Abbas handelt mit gebrauchten Fernsehern. Klemm holt sich für fünfzig Euro einen fossilen Apparat bei dem Elektrotrödler.

Abbas erscheint im Film als Galionsfigur. Regisseur Kaya stattet ihn mit monumentaler Liebenswürdigkeit aus. Er macht aus Abbas einen Jesus unserer Tage. Ramadan hat die Statur und das Format dazu. Das beweisen seine freimütigen Äußerungen im Buch. „Zusammen sind wir Könige“ ist kein literarisches Kunstwerk, sondern ein Monument der Freundschaft.

P.S.

Lau und Ramadan sind mit 4Blocks noch berühmter geworden. 

Newsletter bestellen
Textland auf Facebook
Karten bestellen