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24.05.2018, Jamal Tuschick

Jamal und Feridun

Feridun Zaimoglu

Wie alles anfing. Das Ghetto und seine Fiktionen waren die Referenzen des Debütanten.  

Die literarische Arena betrat er als Promoter einer Sprache des Aufstands: „Kanak Sprak“, Rotbuch 1995. Er stilisierte sich als rappender Herold und gefiel sich in der Rolle eines Überbringers schlechter Nachrichten. Das Ghetto und seine Fiktionen waren die Referenzen des Debütanten.

Feridun Zaimoglu wurde 1964 in Bolu/Anatolien geboren. Mit den Eltern kam er nach Deutschland. Er macht Abitur in Bad Godesberg, als gelangweilter Selbstläufer ohne Vorbild und Perspektive. Erst als ihn die ZVS 1984 nach Kiel schickte, wo er, dem Vater zuliebe, eine Weile Medizin studierte, geriet Zaimoglu, über Nacht und im Schleudergang, auf die Spur seiner Leidenschaften.

Nicht wenige erhofften Lebenshilfe von einem, der einen Fluch seiner Schönheit wegen anbrachte. Der stets bereit war, für eine Bizarrie am Ende eines narrativen Seitenweges ein Kolossal zu errichten. Zaimoglus Einlassungen zu disparaten Erwartungen oszillierten zwischen groteskem Humor, Emanzipationsrhetorik und einem Vokabular für kultische Handlungen. Gegenüber den Verwertern der Bewusstseinsindustrie bestand er auf street credibility. Das war lustig gemeint. Ich erinnere eine Lesung in einer Einrichtung der „Falken“ vor Jungen, die während des Vortrags mit Springmessern ihre Nägel reinigten. Sie wunderten sich ernsthaft, dass sie so ganz und gar unter sich waren. Dass niemand mit ihnen spielen wollte. Sie hatten sich sowohl ein- als auch ausgeschlossen, ohne die Gründe dafür erkennen zu können. Zaimoglu gab glaubhaft den großen Bruder. Am nächsten Tag trat er im Frankfurter Literaturhaus auf. Nach dem Termin hatte er es eilig, eine Verehrerin meinte, sie müsse jetzt erst einmal vor die Tür, um zu weinen, da Zaimoglu gegangen war.

 Morgen mehr.

 

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