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10.03.2019, Jamal Tuschick

Braune Wallfahrten nach Rom - Erster Teil

Der Beitrag erschien zuerst hier

Auch in die­sem Jahr fand im römi­schen Stadt­teil Tus­co­la­no der jähr­li­che Gedenk­marsch für die drei faschis­ti­schen Jugend­li­chen Fran­co Bigon­zet­ti, Fran­ces­co Cia­vat­ta und Ste­fa­no Rec­chio­ni in der Via Acca Laren­tia statt. Sie waren dort im Janu­ar 1978 erschos­sen wor­den. Und wie im ver­gan­ge­nen Jahr waren auch in die­sem Jahr vie­le ita­lie­ni­sche Faschist*innen aus unter­schied­li­chen Grup­pen erschie­nen, um den drei Toten den römi­schen Gruß und ein „Pre­sen­te!“  zu ent­bie­ten. Die Bedeu­tung des jähr­li­chen Toten­kults hat unter der Hege­mo­nie von „Casa­Po­und Ita­lia“ in den letz­ten 10 Jah­ren ste­tig zuge­nom­men und ist für die extre­me Rech­te Ita­li­ens immer wei­ter ins Zen­trum gerückt. Unter den zahl­rei­chen Dele­ga­tio­nen waren auch Mit­glie­der aus­län­di­scher Grup­pie­run­gen aus Kana­da, Grie­chen­land, Polen, Schwe­den, der Ukrai­ne usw. ange­reist. Auch eine illus­tre Mischung teu­to­ni­scher Rech­ter hat­te sich ein­ge­fun­den, um am his­to­ri­schen Sitz der faschis­ti­schen Par­tei Nach­kriegs-Ita­li­ens, des „Movi­men­to Socia­le Ita­lia­no“ (MSI) den längst Ver­stor­be­nen einen letz­ten Gruß nach­zu­brül­len. Die Run­de der Deut­schen spann­te sich dabei von der neo­na­zis­ti­schen Kleinst­par­tei Der III. Weg, dem Lei­ter des völ­kisch-natio­na­lis­ti­schen Pro­jekts „Ein Pro­zent für unser Land“ und Chef des „Jun­g­eu­ro­pa Ver­lags“, Phil­ip Stein, eini­gen Anhän­gern der Iden­ti­tä­ren Bewe­gung (IB) bis hin zu einem Autor, der für das Online-Por­tal „Phi­lo­so­phia Peren­nis“ des AfD-nahen Theo­lo­gen David Ber­ger über (neu-rech­te) Ereig­nis­se in Ita­li­en schreibt.

Italia docet“

Ita­li­en lehrt“: Dies war das Pos­tu­lat des Rechts­in­tel­lek­tu­el­len und Publi­zis­ten Arthur Moel­ler van den Bruck (1876 — 1925) nach dem Marsch auf Rom der ita­lie­ni­schen Schwarz­hem­den im Okto­ber 1922, in des­sen Anschluss der ita­lie­ni­sche König Vik­tor Ema­nu­el III dem Füh­rer der Faschis­ten Beni­to Mus­so­li­ni die Regie­rungs­ge­walt über­schrieb. Van den Bruck, der im Jah­re 1909 eini­ge Zeit als Bohe­mi­en mit Künst­lern in Flo­renz ver­kehr­te, hat­te die­ses Cre­do schon im Jahr 1911 in Bezug auf den ita­lie­ni­schen Futu­ris­mus in der Zei­tung „Der Tag“ (18.11.1911) ver­wandt. Im Jahr 1922 zähl­te van den Bruck zu den pro­mi­nen­tes­ten Ver­tre­tern der soge­nann­ten Kon­ser­va­ti­ven Revo­lu­ti­on der 1920er Jah­re und ein wei­te­res Mal nutz­te er die­ses Cre­do als Titel für einen Arti­kel in der Zei­tung Gewis­sen des rechts­in­tel­lek­tu­el­len Juni­klubs. Damit präg­te er ein Mot­to, das für vie­le euro­päi­sche Rech­te der 1920er Jah­re Gewicht hat­te. Als einer der Ers­ten ver­folg­te er mit gro­ßer Auf­merk­sam­keit die Ent­wick­lung des ita­lie­ni­schen Faschis­mus unter Mus­so­li­ni. Hier­in sah er eine rich­tung­wei­sen­de Syn­the­se von Natio­na­lis­mus und Sozia­lis­mus und einen Teil einer „kon­ser­va­ti­ven Gegen­be­we­gung“, die durch Euro­pa gehen müs­se. Der von dem ehe­ma­li­gen Sozia­lis­ten Mus­so­li­ni stark gepräg­te Faschis­mus erreich­te in der Zwi­schen­kriegs­zeit bzw. bis zur Eta­blie­rung des deut­schen NS-Sys­tems, ein Vor­bild- und Modell­cha­rak­ter für ähn­li­che Bewe­gun­gen in ganz Euro­pa. Rom avan­cier­te zu einem „Gra­vi­ta­ti­ons­zen­trum“ (Hans Woller) für alle neu ent­stan­de­nen faschis­ti­schen Bewe­gun­gen und Par­tei­en. Und eine Audi­enz beim „Duce“ (dt.: Füh­rer) Mus­so­li­ni kam qua­si einer Akkre­di­tie­rung in der faschis­ti­schen Welt gleich.

Viele Wege führen nach Rom

Ob man in einer Art Ana­lo­gie von dem his­to­ri­schen „Ita­lia docet“ auf die heu­ti­gen Moti­ve für die rech­ten Pil­ger­fahr­ten nach Rom schlie­ßen kann? Wer weiß. Das kann einem ver­mut­lich nur die schwarz-brau­ne Pil­ger­schar selbst beant­wor­ten. Der „Drit­te Weg“ zumin­dest schreibt – ganz im Sin­ne eines trans­na­tio­na­len Ideo­lo­gie­trans­fers und „völ­ki­scher Soli­da­ri­tät“: „Unse­re natio­nal­re­vo­lu­tio­nä­re Bewe­gung ver­steht sich selbst nicht nur als im Kampf um Deutsch­land, son­dern auch im Kampf um Euro­pa ste­hend. Daher ist es für uns eine Selbst­ver­ständ­lich­keit, uns mit ande­ren euro­päi­schen Bewe­gun­gen auf Basis einer glei­chen oder ähn­li­chen Welt­an­schau­ung und einem ähn­li­chen poli­ti­schen Selbst­ver­ständ­nis aus­zu­tau­schen und mit ihnen zusam­men­zu­ar­bei­ten. .… Wir kämp­fen einen gemein­sa­men Kampf für ein gemein­sa­mes Ziel: Ein frei­es Euro­pa.“

In die­sem Sin­ne leg­te am 7. Janu­ar 2019 Klaus Arm­stroff, der Par­tei­vor­sit­zen­de des „III. Weges“, für die über zwan­zig­köp­fi­ge Rei­se­grup­pe Trau­er­schlei­fen und eine Toten­ker­ze vor der Ehren­ta­fel am MSI-Sitz ab. Einen Abend zuvor hat­ten die deut­schen Recken schon auf dem Kon­zert „Il fuo­co sacro“ (dt.: „Das hei­li­ge Feu­er“) den ita­lie­ni­schen Bands Bron­son, SPQR, Bel­la­toR, Dritt­a­core und Hob­bit gelauscht. Und im Zuge ihrer Rei­se besuch­ten sie die Sehens­wür­dig­kei­ten der „ewi­gen Stadt“, den Vati­kan, die Engels­burg, das Kolos­se­um, und — ganz im Sin­ne der Tra­di­ti­on — das Para­de­bei­spiel faschis­ti­schen Bom­basts, die Espo­si­zio­ne Uni­ver­sa­le di Roma (EUR), das Gelän­de der Welt­aus­stel­lung in Rom 1942. Der „III. Weg“ schrieb von einem „unver­gess­li­chen Ein­druck der Gesamt­at­mo­sphä­re. Hier konn­te mit jedem Atem­zug ein Stück euro­päi­scher Geschich­te geat­met wer­den und sich die Grö­ße der euro­päi­schen Kul­tur tief in das Herz ein­gra­ben.“ Laut ihrem Bericht besuch­te die Rei­se­grup­pe von der Infra­struk­tur „Casa­Pounds“ die Bar „Cut­ty Sark“ und das „Casa­Po­und“ in der Via Napo­leo­ne III. Hier führ­te sie Alber­to „Zip­po“ Pal­la­di­no durchs Haus und sie lie­ßen sich auf dem bekann­ten Flach­dach zusam­men mit ihrer Beglei­te­rin Ole­na Semen­ya­ka, der Koor­di­na­to­rin für inter­na­tio­na­le Bezie­hun­gen der “Azov Reconquista”-Gruppe und Mit­glied des Pres­se Ser­vice des ukrai­ni­schen Azov Regi­ments, für ein Grup­pen­fo­to ablich­ten. Ole­na Semen­ya­ka ist in Deutsch­land wie in Ita­li­en kei­ne Unbe­kann­te und Recon­quis­ta Україна hat­te erst am 6. Janu­ar einen Wer­be­film für „Casa­Po­und Ita­lia“ auf You­tube online gestellt.

Fortsetzung folgt.

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