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21.03.2019, Jamal Tuschick

Bemerkungen zu Philipp Ruchs „Ehre und Rache. Eine Gefühlsgeschichte des antiken Rechts“ - 2. Folge - Für Montaigne ist alle Größe Projektion, schreibt Ruch.

Simulation von Stärke

Für Montaigne ist alle Größe Projektion, schreibt Ruch. Montaigne bewegt sich bereits auf dem postheroischen Grat, den Shakespeare und Machiavelli in die europäischen Seelenlandschaft eingezeichnet haben. Der Herrscher ist der beste Gaukler.

Philipp Ruch, „Ehre und Rache. Eine Gefühlsgeschichte des antiken Rechts“, Campus, 437 Seiten, 39,95 Euro

„Die Ästhetisierung der Ehre“,

so Ruch, erledigt sie und gibt ihr ein Auskommen als Prestige.

Das Theatralische gewinnt die Überhand. Kein Scheck ist mehr gedeckt.

Fraglich ist, war es je anders?

Ruch zieht eine Linie der Gleichsetzung von Ehre und Reichtum durch die Epochen. Wer in der Ökonomie einer Gesellschaft nicht zu den Verlierern gehören möchte, braucht den Anstrich der Ehre.

Ruch stellt auf dem Umweg einer akademischen Gewährleistung seiner These von Christel Brüggenbrock fest: dass es sich „bei der Ehre um ein rein imaginäres Gut handelt, das als soziales Konstrukt in den Köpfen der Menschen geschaffen wird“.   

Ruch findet die Konstruktion nicht kulturell implementiert. Ihr Futteral ist das Gesetz. Das Gesetz schafft eine Totalität, die den Entehrten und sogar den von der Entehrung Bedrohten so gut wie tot erscheinen lässt.   

Ehre und Recht erscheinen als Einheit. Der Ehrlose hat keinen Anspruch auf eine formalisierte Feststellung seiner Rechte. Indem er sie entbehrt, ist sein Leben nichts mehr wert.

Alle Veranlassungen gehen vom Recht aus

In einer pyramidalen Hierarchie, die auf das Äußerste zugespitzt wird, kommt nur dem Fürsten Ehre zu. Die Gefolgschaft schützt seine Ehre. (Seine Ehre schützt die Gefolgschaft.) Je höher die Pyramide reicht, umso mehr Personen sind so weit weg vom Fürsten, dass kein Faden seiner Herrlichkeit sie ziert.

Sie sind der Staub unter seinen Füßen.

Die Erfinder Gottes lebten in einer Welt, die sich so schilderte.

Das Stigma der Ehrlosigkeit erschöpft sich im Unrecht. Was der Ehrlose unternimmt, setzt ihn ins Unrecht.

Und jetzt kommst du und sagst, okay, soweit ich gucken kann, hat jeder Mann so viel Ehre, dass sie ihm nicht einfach abgesprochen werden kann. Aus der antiken Union von Ehre und Recht ergibt sich eine neue gesellschaftliche Gravitation.  

Ruch schildert die Griechen als aus ihrer Bürgerlichkeit Vertragskundige. Sie schließen Verträge, wo sie stehen und gehen. Ihre Verabredungen sollen dem Staat heilig sein.

Ruch schreibt: „Vertragsrecht geht vor Staatsrecht.“

Ein Staat, der das zulässt, gibt sich auf. Egal, der Autor schwelgt in einer Emotionalität, die der Staatsräson ebenbürtig sein soll, es aber nicht ist.

Ein feindrechtlicher Galopp geht los. In der durchgreifenden Ehrverweigerung gegenüber dem Feind steckt ein ökonomisches Kalkül. Dazu morgen mehr.

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