MenuMENU

TERMIN: Samstag, 28. November 2026, 18–21 Uhr
ORT: Kulturforum Hanau, Am Freiheitsplatz 18 a, 63450 Hanau
EINTRITT: frei

Anmeldung auf Wunsch unter: stadtbibliothek@hanau.de | www.kulturforum-hanau.de

Seit seiner Gründung hat sich das Textland Literaturfest als Forum der Gegenwartsliteratur in Frankfurt und der Rhein-Main-Region fest etabliert. 2026 lädt es zum neunten Mal Teilnehmende und Publikum ein, sich unter dem Jahresmotto „Hoffnung“ mit den drängenden Fragen unserer Zeit auseinanderzusetzen.

Samstag, 28. November 2026, 18–21 Uhr
Fabian Saul © Malte Seidel
Nuran David Calis © Costa Belebasakis
Zahra Mousawy © Privat
Karin Zennig © Privat

Einlass ab 17:30 Uhr

18:00 Uhr – Impulsvortrag

Ist Hoffnung jetzt gerade mit uns im Raum? – Fabian Saul

Es geht ein Gespenst um in (West)Europa – das Gespenst der Hoffnungslosigkeit angesichts des Erfolgs rechtsextremistischer Parteien, der Erosion liberaler Demokratien, weltweiter Kriege und sich zuspitzender Krisen. Fabian Saul setzt in seiner Keynote dem ein Verständnis von Hoffnung entgegen, das in fundamentaler Opposition zur kapitalistischen Weltordnung steht. Hoffnung ist ihm nicht Trost in einer unerträglichen Welt, sondern vielmehr eine fortwährende Aufgabe und Verantwortung, „am Wissen festzuhalten, dass die Welt, wie sie erscheint, nicht die einzige ist, die je gedacht wurde“. Saul sieht alle Kunst- und Kulturschaffenden in der besonderen Verpflichtung, die Perspektiven unterdrückter, ausgegrenzter Menschen und ihren Widerstand sichtbar zu machen und die Hoffnung als utopische Vorstellungskraft und Orientierung zu stärken. 

 


19:00 Uhr – Podiumsdiskussion mit Kurzlesungen


Hoffnung als Widerstand – Nuran David Calis: Rausch im Gespräch mit Zahra Mousawy (angefragt) und Karin Zennig

Nuran David Calis kommt seinem gesellschaftlichen Engagement und seiner künstlerischen Arbeit auf beeindruckend vielfältige Weise nach: als Regisseur, Theater- und Drehbuchautor und nicht zuletzt auch als Buchautor. In seinem aktuellen, autofiktionalen Roman Rausch, aus dem einige Passagen vorgelesen werden, erzählt Calis von Ufuk, der als Kind armenisch-türkischer Asylbewerber im Deutschland der 1990er Jahre Hass und Gewalt gegen Ausländer erfährt und dessen Alltag von Angst und Ablehnung geprägt ist.

In der Podiumsdiskussion sprechen Nuran David Calis, die im Berliner Exil lebende Vertreterin der Afghanistan Women's Studies Academy Zahra Mousawy (angefragt) und die Politikwissenschaftlerin und Referentin von medico international Karin Zennig über gesellschaftliches Engagement in Zeiten der Hoffnungslosigkeit, widerständige künstlerische Arbeit und über das Weitermachen unter widrigsten Umständen.

 

 

Fabian Saul, 1986 geboren, ist Autor, Komponist und Chefredakteur des Magazins Flaneur. Zuletzt erschienen sein Roman Die Trauer der Tangente (2024, Matthes & Seitz), sein Hörspiel Die Ästhetik des Widerstands – Variationen zu Peter Weiss (2025, Deutschlandfunk) sowie seine erste Einzelausstellung This is how the light remembers (2025, Migros Museum für Gegenwartskunst). Er ist Komponist der Audioserien Schlechte Wörter und Stoff aus Luft. Basierend auf seinem gleichnamigen Essay entsteht für The Diasporist derzeit der Podcast Is Hope In The Room With Us Right Now? Über Hoffnung nicht als Optimismus, sondern als Verpflichtung gegenüber unabgeschlossenen Kämpfen. Seine Arbeit wurde u. a. mit der Alfred-Döblin-Medaille ausgezeichnet.

Nuran David Calis wurde 1976 als Sohn einer Jüdin und eines Armeniers in Bielefeld geboren. In seinen Theaterstücken setzt er sich mit Herkunft, Zugehörigkeit und gesellschaftlichen Spannungen auseinander und stellt unbequeme Fragen. Wie etwa in den Produktionen NSU 2.0 oder Leaks. Von Mölln bis Hanau. In beiden Stücken führt er das Systemversagen von Verfassungsschutz und Polizei vor Augen, das die jahrelangen Terrorakte der Gruppe Nationalsozialistischer Untergrund und die Vielzahl der von 1992 bis 2020 rassistisch motivierten Morde ermöglichte. Für seine Theaterarbeit wurde Nuran David Calis u.a. mit dem Karl-Skraup-Preis und dem Ludwig-Mülheims-Theaterpreis, einem der bestdotierten Theaterpreise im deutschsprachigen Raum, ausgezeichnet.

Zahra Mousawy, Schriftstellerin, Journalistin und Sozialforscherin aus Afghanistan, ist Gründerin und Direktorin der medico-Partnerorganisation Afghanistan Women's Studies Academy (AWSA). Seit Jahrzehnten setzt sie sich für unabhängige Frauenrechtsbewegungen im ganzen Land und in der Region ein. Als Forscherin publiziert Zahra Mousawy zu sozialen Themen, insbesondere zu Geschlechtergleichheit. Sie lebt in Berlin und arbeitet für mehrere persische Medien.

Die Politikwissenschaftlerin Karin Zennig ist bei medico international als Referentin für die Region Südasien und das Thema Klimagerechtigkeit zuständig. Sie setzt sich in ihrer vielfältigen publizistischen Tätigkeit in verschiedenen Medien, darunter die Blätter für deutsche und internationale Politik, insbesondere mit den sozialen und ökologischen Folgen des Klimawandels auseinander und legt den Fokus auf die Verbindung von Klimagerechtigkeit und globaler Politik. Neben ihrer beruflichen Tätigkeit engagiert sich Karin Zennig auch gesellschaftlich. Sie ist Aktivistin und beteiligte sich seit der Gründung im März 2020 an der Initiative 19. Februar.

 

Programm Textland Hanau 2026 ZUM DOWNLOAD


Veranstalter: Förderkreis Frankfurt e. V. – Kultur & Diskurs
In Kooperation mit: Magistrat der Stadt Hanau und medico international