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Textland 2026 – Hoffnung

TERMIN: Freitag, 30. Oktober 2026, 18–21:30 Uhr und Samstag, 30. Oktober 2026, 13-21 Uhr
ORT: Evangelische Akademie Frankfurt, Römerberg 9, 60311 Frankfurt am Main – Großer Saal
EINTRITT:
Tagesticket Freitag, 30.10.: 12 €, erm. 8 €
Tagesticket Samstag, 31.10.: 15 €, erm. 8 €
Dauerkarte Freitag + Samstag: 20 €, erm. 15 €

TICKETS online über https://www.frankfurtticket.de/ Ticket-Hotline: 069 13 40 400 oder per E-Mail an
kontakt@textland-online.de sowie an der Tageskasse der Evangelischen Akademie.
www.evangelische-akademie.de

Seit seiner Gründung hat sich das Textland Literaturfest als feste Größe der Gegenwartsliteratur in Frankfurt und der Rhein-Main-Region etabliert. 2026 lädt es zum neunten Mal Teilnehmende und Publikum ein, sich unter dem Jahresmotto „Hoffnung“ mit den drängenden Fragen unserer Zeit auseinanderzusetzen.

Freitag, 30. Oktober 2026, 18–21:30 Uhr
Doron Rabinovici © Lukas Beck
Joana Osman © Mica Zeitz
Leon Joskowitz © Eray Aydin

Einlass ab 17:30 Uhr

18:00 Uhr – Keynote | Podiumsgespräch mit Kurzlesungen

Hoffnung als Widerstand – Doron Rabinovici (Die Einstellung) im Gespräch mit Joana Osman (Frieden. Eine reale Utopie). Moderation: Leon Joskowitz

„Hellsichtig ist, wer die Finsternis benennt, ohne zu verzagen.“ So umreißt Doron Rabinovici sein Verständnis von Hoffnung. Eine Hoffnung, die uns nicht über die Realität hinwegtäuscht und in der aufscheint, dass alles auch anders werden kann. Osman und Rabinovici fragen nach den positiven Kräften in einer aus den Fugen geratenen Welt. In Rabinovicis Roman Die Einstellung ist es ein Pressefotograf, der mit seinen Porträts den Spitzenkandidaten einer populistischen Partei entlarven möchte. Joana Osman sucht in ihrem Essay Frieden. Eine reale Utopie nach wirkmächtigen Narrativen des Zusammenhalts und der Hoffnung gegen die der Spaltung. Und entdeckt dabei die Macht des Storytellings, das den Menschen hinter dem Feindbild sichtbar macht.

Joana Osman, geboren 1982, studierte Amerikanistik, Theaterwissenschaft und Kunstgeschichte und war 2012 Mitbegründerin der Friedensbewegung „The Peace Factory“. Die Deutsch-Palästinenserin arbeitet als Autorin, Dozentin und Storytelling-Coach. Zuletzt erschien ihr Roman Wenn wir vom Fliegen träumen.

Doron Rabinovici, 1961 in Tel Aviv geboren, ist Schriftsteller und Historiker. Sein Werk umfasst Kurzgeschichten, Romane und wissenschaftliche Beiträge. Er wurde u.a. mit dem Ehrenpreis des österreichischen Buchhandels für Toleranz in Denken und Handeln ausgezeichnet.

Leon Joskowitz ging nach dem Philosophie-Studium zunächst auf eine kulinarische Wanderschaft, arbeitete bei der Weinlese und der Olivenernte. Heute ist er als Autor, Moderator und Ethiklehrer tätig, produziert Podcasts und kuratiert Ausstellungen.


Max Czollek © Maximilian Gödecke

19:30 Uhr – Lesung

Widerstand als Hoffnung IMax Czollek: Zweifelssohn

Wie die Hoffnung bewahren in einer Welt, die der eigenen Gewalt nicht mehr entkommen kann? Czolleks Protagonist Zweifelssohn begegnet auf seiner Reise von Wien über verschiedene deutsche Städte bis nach Rügen überall Spuren von Gewalt: egal ob in der Bahn, bei einem Abendessen mit Fremden oder im Urlaub mit der Freundin. Das hat mit einem jüdischen Blick auf Deutschland zu tun, von dem Zweifelssohn nicht lassen kann, dem er zugleich ausgeliefert ist. Max Czollek ringt in seinem ersten Roman mit einer Gegenwart zwischen Popliteratur und Untergangsvision – poetisch, voll bitterbösem Humor und verzweifelt optimistisch.

Max Czollek ist Schriftsteller und Publizist, von ihm liegen Gedichte, Sachbücher und Essays vor, und er publiziert immer wieder zu Fragen der pluralen Erinnerungskultur. Czollek ist Mitherausgeber des Magazins „Jalta – Positionen zur jüdischen Gegenwart“ und Mitglied des Lyrikkollektivs G13. Zweifelssohn ist sein erster Roman.

 


Hadija Haruna-Oelker © Wolfgang Stahr
Max Czollek © Konstantin Boerner
Alice Hasters © Joanna Schroeder

20:30 Uhr – Live-Podcast

Widerstand als Hoffnung II – Live-Podcast Trauer & Turnschuh von Hadija Haruna-Oelker und Max Czollek mit Alice Hasters

Auf dem Textland Literaturfest sind Hadija Haruna-Oelker und Max Czollek mit ihrem Podcast Trauer & Turnschuh live präsent und tauschen sich zum Thema Widerstand als Hoffnung aus. In dem von ihnen als „emotionale Afterhour der Vergangenheit“ bezeichneten Podcast richten sie regelmäßig den Blick auf Vergessenes und Verdrängtes und ergründen, wie sich dieses Ausblenden in der gesellschaftlichen Gegenwart niederschlägt. Bereits in ihrem 2025 erschienenen Buch Alles auf Anfang. Auf der Suche nach einer neuen Erinnerungskultur nahmen sie die Kulturkämpfe in unserer postmigrantischen Gesellschaft unter die Lupe und zeigten auf, wie unverzichtbar Verantwortung, Mitgefühl und plurale Erinnerung sind.
Als Gesprächspartnerin ist die von Rassismus betroffene Autorin und Publizistin Alice Hasters zugegen. In ihrem unlängst erschienenen Buch Anti Opfer beleuchtet sie die Machenschaften rechter Gruppierungen, die sich selbst zum Opfer stilisieren, um ihre gewalttätigen und rassistischen Übergriffe auf schwarze, jüdische, queere und postmigrantische Menschen zu legitimieren.

Die Politikwissenschaftlerin Hadija Haruna-Oelker lebt und arbeitet als Autorin, Redakteurin und Moderatorin in Frankfurt am Main. 2022 erschien ihr persönliches Sachbuch Die Schönheit der Differenz – Miteinander anders denken, das für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert war. 2024 erschien Zusammensein. Plädoyer für eine Gesellschaft der Gegenseitigkeit. Zuletzt veröffentlichte sie, zusammen mit Max Czollek, Alles auf Anfang bei S. Fischer.

Max Czollek ist Schriftsteller und Publizist, von ihm liegen Gedichte, Sachbücher und Essays vor, und er publiziert immer wieder zu Fragen der pluralen Erinnerungskultur. Czollek ist Mitherausgeber des Magazins „Jalta – Positionen zur jüdischen Gegenwart“ und Mitglied des Lyrikkollektivs G13. Zweifelssohn ist sein erster Roman.

Alice Hasters wurde 1989 in Köln geboren. Sie lebt und arbeitet als Autorin und Publizistin in Berlin. Ihr erstes Buch Was weiße Menschen nicht über Rassismus hören wollen, aber wissen sollten belegte Platz 5 der Jahresbestsellerliste Sachbuch 2020. Im gleichen Jahr wurde sie zur Kulturjournalistin des Jahres gewählt. In diesem Jahr ist ihr Buch Anti Opfer erschienen, das sie am Samstag bei Textland vorstellen wird.

Samstag, 31. Oktober 2026, 13–21 Uhr
Sasha Marianna Salzmann © Heike Steinweg
Sharon Dodua Otoo © Francis Oghuma
Hadija Haruna-Oelker © Wolfgang Stahr
Insa Wilke © Grit Schwerdtfeger
Miryam Schellbach © Alexander Paul Englert

Einlass: 12.30 Uhr

13:00 Uhr – Podiumsgespräch

Radikale Hoffnung: Schmerz in Zukunft verwandeln – Sasha Marianna Salzmann | Sharon Dodua Otoo | Hadija Haruna-Oelker | Insa Wilke. Moderation: Miryam Schellbach

Hoffnung ist kein blauäugiger Optimismus, sondern kann eine grundsätzliche Lebenshaltung sein. In diesem Fall ermutigt sie, sich mit den Herausforderungen einer von Unwägbarkeiten geprägten Gegenwart konstruktiv auseinanderzusetzen und nach gangbaren Perspektiven zu suchen. Unter diesem Leitgedanken nehmen die Autor:innen Sharon Dodua Otoo und Sasha Marianna Salzmann, die Journalistin Hadija Haruna-Oelker und die Literaturkritikerin Insa Wilke die Krisen und Machtansprüche unserer Zeit ins Visier. Hierbei gehen sie der Frage nach, wer in unserer Gesellschaft unbeschwert hoffen kann, wessen Schmerz unsichtbar bleibt und welche Voraussetzungen etwa Schwarze, jüdisch-queere, feministische und postmigrantische Personen brauchen, um Zuversicht entwickeln zu können. Das Panel verbindet persönliche Perspektiven mit literarischen und gesellschaftlichen Erkundungen und ergründet, wie gemeinsames Erzählen, Zuhören und solidarisches Handeln neue Formen des Zusammenlebens stärken können. Die verhandelte These: Eine positive Veränderung kann nur gelingen, wenn das Füreinander als unverzichtbar begriffen wird.

Sasha Marianna Salzmann ist Theaterautor:in, Essayist:in und Dramaturg:in. Salzmanns Theaterstücke, die international aufgeführt werden, wurden vielfach ausgezeichnet, zuletzt mit dem Kunstpreis Berlin 2020 und dem Kleist-Preis 2024. Salzmanns Debütroman Außer sich ist in sechzehn Sprachen übersetzt. Für den zweiten Roman, Im Menschen muss alles herrlich sein, ebenfalls für den Deutschen Buchpreis nominiert, erhielt Salzmann den Preis der Literaturhäuser 2022 und den Hermann-Hesse-Preis 2022.

Sharon Dodua Otoo ist Schriftstellerin und Kuratorin des Schwarzen Literaturfestivals  „Resonanzen“. 2016 erhielt sie den Ingeborg-Bachmann-Preis. Ihr erster Roman Adas Raum wurde in mehrere Sprachen übersetzt. 2026 erschien ihr zweiter Roman So, in etwa, ist es geschehen

Die Politikwissenschaftlerin Hadija Haruna-Oelker lebt und arbeitet als Autorin, Redakteurin und Moderatorin in Frankfurt am Main. 2022 erschien ihr persönliches Sachbuch Die Schönheit der Differenz – Miteinander anders denken, das für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert war. 2024 erschien Zusammensein. Plädoyer für eine Gesellschaft der Gegenseitigkeit. Zuletzt veröffentlichte sie, zusammen mit Max Czollek, Alles auf Anfang bei S. Fischer.

Insa Wilke arbeitet als Literaturkritikerin für verschiedene Medien, Rundfunk und Fernsehen, u.a. für die Süddeutsche Zeitung. Seit 2016 leitet sie das Mannheimer Literaturfestival lesen.hören. Sie wurde mit dem Alfred-Kerr-Preis für Literaturkritik und der Ehrendoktorwürde der Leibniz Universität Hannover ausgezeichnet. Ab 2027 übernimmt sie erneut den Jury-Vorsitz beim Bachmannpreis.

Miryam Schellbach ist Lektorin, Literaturkritikerin und Moderatorin. Sie war Jurorin des Leipziger Buchpreises, des Heinrich-Mann-Preises, des Wortmeldungen-Literaturpreises sowie des Edit Essaypreises. 2024 gab sie mit Lena Gorelik den Sammelband Trotzdem sprechen heraus. Seit 2022 ist Miryam Schellbach Programmleiterin des Claassen Verlags.


Martin Piekar © Charlotte Werndt
Insa Wilke © Grit Schwerdtfeger

15:00 Uhr – Lesung und Gespräch

Hoffnung finden in der Erinnerung – Martin Piekar: Vom Fällen eines Stammbaums. Moderation: Insa Wilke

Das Prosadebüt des Lyrikers Martin Piekar, in dem die Grenzen zwischen Autobiografie und Fiktion immer wieder verschwimmen, besticht durch seine genauso poetische wie herbe Sprache.
Für Piekars Alter Ego Marcin bedeutet Familie lange Zeit nur: er und seine Mutter Regina. Eine Polin, die in den 1980ern nicht nur ihre Heimat, sondern ihre ganze Vergangenheit hinter sich lassen wollte, in die sich viel von der Gewalt des 20. Jahrhunderts eingeschrieben hatte. In Deutschland arbeitet sie als Pflegerin, bis sie selbst zum Pflegefall wird: alkoholkrank, geplagt von Ängsten und Depressionen. Trotz aller Konflikte bleibt Marcin bei seiner Mutter und pflegt sie. Halt und Hoffnung findet er im Schreiben, in Freundschaften – und in einer Erinnerungsreise nach Polen.

Martin Piekar, geboren 1990 in Bad Soden am Taunus, ist Schriftsteller, Lyriker, Lehrer und bringt seine Texte ebenso gerne auf die Bühne wie aufs Papier. Er veröffentlichte drei Lyrikbände. Bei den 47. Tagen der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt wurde er mit dem KELAG-Preis und dem BKS Bank-Publikumspreis ausgezeichnet. Für das Manuskript seines Debütromans Vom Fällen des Stammbaums erhielt er den Robert-Gernhardt-Preis.

Insa Wilke arbeitet als Literaturkritikerin für verschiedene Medien, Rundfunk und Fernsehen, u.a. für die Süddeutsche Zeitung. Seit 2016 leitet sie das Mannheimer Literaturfestival lesen.hören. Sie wurde mit dem Alfred-Kerr-Preis für Literaturkritik und der Ehrendoktorwürde der Leibniz Universität Hannover ausgezeichnet. Ab 2027 übernimmt sie erneut den Jury-Vorsitz beim Bachmannpreis.


Sharon Dodua Otoo © Francis Oghuma
Alice Hasters © Joanna Schroeder

15:45 Uhr – Tandem-Lesung und Autorinnen-Gespräch

Vielfalt als Hoffnung – Sharon Dodua OtooSo, in etwa, ist es geschehen und Alice Hasters: Anti Opfer

Wer ist hier das Opfer? Und was heißt es überhaupt, Opfer zu sein? Sharon Dodua Otoo und Alice Hasters stellen in ihren neuen Büchern diese Fragen zur Diskussion: mit beißendem Witz, diskursiver Tiefe und gesellschaftskritischem Blick. In  So, in etwa, ist es geschehen wird eine Schwarze Frau zur Mörderin eines älteren, weißen Kollegen, der stets beweisen wollte, dass er einer von den Guten ist, während in Anti Opfer die Analyse und Geschichte des Opferbegriffs und seiner Zuschreibungen im Vordergrund steht. Dabei wird klar: Die Opferfrage ist immer auch politisch.
Wir sollten also aufhören zu fragen, wer das echte Opfer ist und lieber in den Fokus nehmen, was von Marginalisierung Betroffene wirksam schützt. Damit Vielfalt echte Realität und wieder als Hoffnung, nicht als Bedrohung verstanden werden kann.

Sharon Dodua Otoo ist Schriftstellerin und Kuratorin des Schwarzen Literaturfestivals „Resonanzen“. Ihr erster Roman Adas Raum wurde in mehrere Sprachen übersetzt. 2026 erschien ihr zweiter Roman So, in etwa, ist es geschehen.

Alice Hasters wurde 1989 in Köln geboren. Sie lebt und arbeitet als Autorin und Publizistin in Berlin. Ihr erstes Buch Was weiße Menschen nicht über Rassismus hören wollen, aber wissen sollten belegte Platz 5 der Jahresbestsellerliste Sachbuch 2020. Im gleichen Jahr wurde sie zur Kulturjournalistin des Jahres gewählt. 2026 erschien Anti Opfer. Warum wir Verletzlichkeit verachten.


Son Lewandowski © Maximilian Gödecke
Aristotelis Agridopoulos © Sonja Schwarz

16:30 Uhr – Lesung und Gespräch

Hoffnung auf Selbstermächtigung – Son Lewandowski: Die Routinen. Moderation: Aristotelis Agridopoulos

In ihrem 2026 erschienenen Romandebüt Die Routinen blickt Son Lewandowski hinter vorgegaukelte Fassaden und rechnet mit den gnadenlosen Machenschaften der Sportwelt ab. Die Handlung beginnt bei einer Turn-Europameisterschaft, bei der die 16-jährige Isy nach ihrem Sturz am Stufenbarren schwer verletzt im Koma liegt. An ihrem Bett wacht Freundin Amik. Deutlich älter als Isy, hat sie es nicht mehr in den Kader der Leistungsturnerinnen geschafft und denkt nun über ihre Turnkarriere nach. Durch die ziehen sich Drill, Schmerzen und Demütigungen wie ein roter Faden. Lewandowskis Roman zählt sicher zu den herausragenden deutschsprachigen Frühjahrserscheinungen, und er zeigt schonungslos die Härte und Verantwortungslosigkeit gerade im Turnsport auf.

Son Lewandowski lebt als Autorin und Kuratorin in Köln. 2023 wurde sie zum Klagenfurter Literaturkurs und der Autor:innenwerkstatt des LCB eingeladen und stand im gleichen Jahr mit Die kurzen Karrieren auf der Shortlist des Edit-Essaypreises. 2024 wurde sie durch das Spaltmaße-Stipendium der Jürgen Ponto-Stiftung gefördert, 2025 durch das Arbeitsstipendium der Kunststiftung NRW. Sie ist Mitbegründerin des Literaturfestivals Insert Female Artist, das sie inzwischen leitet.

Aristotelis Agridopoulos, geboren 1987 in Athen, studierte Philosophie, Sozialwissenschaften, Geschichte und Erziehungswissenschaften an der Universität Siegen. Als politischer Theoretiker forschte und lehrte er an den Universitäten Heidelberg, Siegen und Gießen sowie am Institut für Sozialforschung in Frankfurt am Main. Heute arbeitet er als Pädagoge.


Melara Mvogdobo © Privat
Alexandru Bulucz © Renate von Mangoldt

17:45 Uhr – Szenische Lesung und Gespräch

Hoffnung zwischen Herkunft und Zukunft – Melara Mvogdobo: Großmütter. Moderation: Alexandru Bulucz

In ihrem zweiten Roman Großmütter stellt Melara Mvogdobo gängige Klischees radikal auf den Kopf. Die beiden Frauen – eine entstammt einer armen Schweizer Bauernfamilie, die andere einer wohlhabenden Familie in Kamerun – leiden nach der Heirat unter der Willkür patriarchaler Strukturen. Irgendwann setzen sie sich mit Vehemenz zur Wehr und wandeln Ohnmacht in Widerstand um. Die ergreifende Schilderung der Parallelität zweier Lebensgeschichten in völlig unterschiedlichen Gesellschaftssystemen wurde im vergangenen Jahr nicht von ungefähr für den Schweizer Buchpreis nominiert. Melara Mvogdobo besteche mit ihrer knappen, messerscharfen und zugleich bewegenden Sprache und zeige auf, was  Frauen über Kulturen und Kontinente hinweg verbindet, hob Simone Nuber in ihrer Laudatio hervor. Der Roman öffne einen Raum,  in dem sich die Kraft und das Trotzige der beiden Protagonistinnen ungefiltert entfalten könne.

Melara Mvogdobo wurde 1972 als Tochter einer Schweizerin und eines Kameruners in Luzern geboren. Nach einer Ausbildung zur Lehrerin und der Geburt von drei Söhnen lebt sie heute in Andalusien. 2023 erschien ihr erster Roman Von den fünf Schwestern, die auszogen, ihren Vater zu ermorden, 2025 ist Großmütter gefolgt.

Alexandru Bulucz, geboren 1987 in Alba Iulia, Rumänien, ist freischaffender Autor, Übersetzer, Kritiker und Herausgeber. Er wurde u.a. mit dem Bingel-Preis, dem Hölty-Preis (beide 2024) und 2026 mit dem Eichendorff-Literaturpreis ausgezeichnet. Sein Gedichtband Stundenholz ist bei Schöffling & Co. erschienen. Bulucz lebt und arbeitet in Berlin.

 


Sandra Gugić © Dirk Skiba
Insa Wilke © Grit Schwerdtfeger

18:30 Uhr –  Gespräch mit Lesepassagen aus einem unveröffentlichten Manuskript

Hoffnung zwischen Schuld und Verantwortung – Sandra Gugić im Gespräch mit Insa Wilke

Sandra Gugićs Manuskriptlesung aus  Niemand weiß, dass wir hier sind führt in einen Text, der Erzählung, Gedankenstrom und Bericht kunstvoll zur gedanklichen und physischen Odyssee einer weiblichen Protagonistin verbindet. Eine Frau zieht mit ihrer Familie von Berlin nach Tel Aviv-Yaffa. Ihr Blick auf die Welt ist der einer Fremden, und ihre Reise durch die palästinensische West Bank und Israel, die Begegnungen mit anderen Frauen und deren Geschichten verdichten sich zu einer eindringlichen Reflexion über die Grenzen unserer Menschlichkeit, über Schuld und politische Verantwortung. Mit dem 7. Oktober 2023 gerät eine ganze Welt an den Abgrund. Ein Roman, der sich den großen Schmerzen und Abgründen der Gegenwart stellt.

Sandra Gugić ist Dichterin, Essayistin und Romanautorin und hat in Wien, Berlin und Tel Aviv-Jaffa gelebt. Ihr Debütroman Astronauten erschien 2015, 2020 folgte der Roman Zorn und Stille und zuletzt erschien der Essay FLÜSTERN. Ihr dritter Roman Niemand weiß, dass wir hier sind, aus dem sie liest, ist in Arbeit und erscheint im Frühjahr 2027 bei Jung und Jung.

Insa Wilke arbeitet als Literaturkritikerin für verschiedene Medien, Rundfunk und Fernsehen, u.a. für die Süddeutsche Zeitung. Seit 2016 leitet sie das Mannheimer Literaturfestival lesen.hören. Sie wurde mit dem Alfred-Kerr-Preis für Literaturkritik und der Ehrendoktorwürde der Leibniz Universität Hannover ausgezeichnet. Ab 2027 übernimmt sie erneut den Jury-Vorsitz beim Bachmannpreis.


Tomer Gardi © Maximilian Gödecke
Leon Joskowitz © Eray Aydin

19:15 Uhr – Lesung und Gespräch

Paradoxe Hoffnung – Tomer Gardi: Liefern. Moderation: Leon Joskowitz

In den Metropolen der Welt möchte kaum noch jemand die Essenslieferanten missen. Wer ihre Dienste nutzt, denkt in den seltensten Fällen an die Schicksale jener Menschen, die unter unsäglichen Arbeitsbedingungen ihren Job erledigen. Mit seinem Buch Liefern setzt Tomer Gardi der Ignoranz ein Ende. Er hat eingehend recherchiert, um die Allgegenwart von Ausbeutung und Rassismus zu beleuchten, erzählt zugleich aber auch von der Sehnsucht der Kuriere nach Verbundenheit, Familie und Liebe. Das tut er tiefgründig, humorvoll und mit reichlich literarischer Verve. Das Buch ist ein politischer Gegenwartsroman, der aber nicht ideologisch daherkommt, sondern es schafft, in der berührenden Nahaufnahme von einzelnen Schicksalen zu erzählen.

Tomer Gardi, geboren 1974 im Kibbuz Dan in Galiläa, lebt als Schriftsteller in Berlin. 2016 erschien sein Roman Broken German. Für den Roman Eine runde Sache erhielt er 2022 den Preis der Leipziger Buchmesse. Seine Arbeiten wurden mehrfach mit renommierten Stipendien ausgezeichnet. Für Liefern hat Tomer Gardi über drei Jahre in sechs Städten vor Ort recherchiert.

Leon Joskowitz ging nach dem Philosophie-Studium zunächst auf eine kulinarische Wanderschaft, arbeitete bei der Weinlese und der Olivenernte. Heute ist er als Autor, Moderator und Ethiklehrer tätig, produziert Podcasts und kuratiert Ausstellungen.

 


Hamza Abu Howidy © Privat
Miryam Schellbach © Alexander Paul Englert

20:15 Uhr – Lesung und Gespräch

Hoffnung in der Einsamkeit des Exils – Hamza Abu Howidy: Muscheln am Strand von Gaza. Moderation: Miryam Schellbach

Mit dem Buch Muscheln am Strand von Gaza stellt Hamza Abu Howidy Stereotypen auf den Kopf. Hamza Abu Howidy wuchs im schönsten Teil von Gaza auf und blickt heute als ein Exilant in Deutschland mit unsicherem Aufenthaltsstatus auf seine zerstörte Heimat. Zwischen allen Stühlen sitzend, kritisiert er die Hamas, die Gaza in einen Ort der Angst verwandelte und ihn verhaftete und folterte, und er kritisiert genauso deutlich die israelische Regierung. Sein Weg vom indoktrinierten Jugendlichen zum Friedensaktivisten, der die Opfer auf allen Seiten betrauert, hat ihn eines gelehrt: „Das Leid anderer anzuerkennen bedeutet nicht, das eigene Leid zu leugnen.“ Empathie wurde für ihn zum Akt des Widerstands, und er setzt damit ein beeindruckendes Zeichen der Hoffnung.

Hamza Abu Howidy, geboren 1997 in Gaza, studierte Wirtschaft und Verwaltung an der Islamischen Universität Gaza und engagierte sich früh gegen die Hamas-Herrschaft. Als Teil der Protestbewegung „Wir wollen leben“ wurde er mehrfach verhaftet und gefoltert. 2023 floh er über Ägypten und Griechenland nach Deutschland. Als freier Autor und Redner tritt er in deutschsprachigen und internationalen Medien für gewaltfreie Ansätze im Nahostkonflikt ein. Zuletzt erschien sein Buch Muscheln am Strand von Gaza bei S. Fischer.

Miryam Schellbach ist Lektorin, Literaturkritikerin und Moderatorin. Sie war Jurorin des Leipziger Buchpreises, des Heinrich-Mann-Preises, des Wortmeldungen-Literaturpreises sowie des Edit Essaypreises. 2024 gab sie mit Lena Gorelik den Sammelband Trotzdem sprechen heraus. Seit 2022 ist Miryam Schellbach Programmleiterin des Claassen Verlags.

Deutsche Lesepassagen: Stephan Wolf-Schönburg war nach dem Schauspielstudium in Wien an vielen Bühnen engagiert. Er war als Sprecher tätig, hat eine Ausbildung zum Friedens- und Konfliktberater absolviert und arbeitet heute als Sprecher und Coach für Autorenlesungen.

 

Programmheft Textland 2026

ZUM DOWNLOAD


Büchertisch der Autorenbuchhandlung Marx & Co.

Catering: Inge Hoffmann Service


Veranstalter: Förderkreis Frankfurt e. V. – Kultur & Diskurs

In Kooperation mit der Evangelischen Akademie Frankfurt