TERMIN: Samstag, 7. November 2026, 15–21 Uhr
ORT: Literaturhaus Darmstadt, Kasinostraße 3, 64293 Darmstadt
EINTRITT:
Einzellesung: € 12 €, erm. 8 €
Tageskarte: 20 €, erm. 15 €
TICKETS online über https://www.ztix.de/, per E-Mail an info@literaturhaus-darmstadt.de sowie an der Tageskasse des Literaturhauses Darmstadt.
www.literaturhaus-darmstadt.de
Seit seiner Gründung hat sich das Textland Literaturfest als feste Größe der Gegenwartsliteratur in Frankfurt und der Rhein-Main-Region etabliert. 2026 lädt es zum neunten Mal Teilnehmende und Publikum ein, sich unter dem Jahresmotto „Hoffnung“ mit den drängenden Fragen unserer Zeit auseinanderzusetzen.
Einlass ab 14:30 Uhr
15:00 Uhr
15:15 Uhr – Lesung und Gespräch
Es gibt wenig, das so eng mit Hoffnung wie auch mit Verzweiflung verbunden ist wie die Erfahrung von Exil und Migration. Emigration geht schon immer mit Hoffen und Bangen, mit dem Verlust der Heimat und der Sehnsucht nach einem Neubeginn einher. Ursula Krechel versammelt in Vom Herzasthma des Exils Fluchterfahrungen von der Goethezeit bis heute. Mit dieser exemplarischen Kulturgeschichte denkt sie zugleich über unsere heutige Gesellschaft nach und plädiert für eine menschlichere Flüchtlingspolitik in einer Einwanderungsgesellschaft, die bestreitet, eine zu sein.
Ursula Krechel lehrte an der Universität der Künste Berlin, der Washington University St. Louis und ist Mitglied der Akademie der Künste Berlin, der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt sowie der Akademie der Wissenschaften und der Literatur in Mainz. 2025 wurde sie mit dem Georg-Büchner-Preis ausgezeichnet. Sie lebt in Berlin.
Beate Tröger lebt als freie Kritikerin in Frankfurt am Main. Sie rezensiert u.a. für Deutschlandfunk, SWR und WDR sowie für die FAZ und den Freitag und schreibt literarische Features. Sie ist Mitglied der Jury der SWR-Bestenliste.. 2025 erhielt sie den Alfred-Kerr-Preis für Literaturkritik und war Max Kade-Professorin für Literaturkritik in St. Louis.
16:30 Uhr – Lesung und Gespräch
Widerstand gegen die Grausamkeiten eines Systems – das gelingt Karosh Taha in ihrem neuen Roman Gulistan mit vielstimmigem, lyrischem und dichtem Erzählen. Gulistan und ihr Mann werden unter dem Regime Saddam Husseins als Kurden verfolgt. Als Çiya verschwindet, macht sich Gulistan auf die Suche nach ihm. Nichts kann ihren Willen brechen, den Geliebten wiederzufinden, auch wenn sie ständig das Ausmaß ihrer eigenen Ohnmacht vor Augen hat. Irgendwann begegnet sie Çiya bei einer Versammlung – in der Uniform des Diktators, als dessen Doppelgänger.
Karosh Taha wurde 1987 in Zaxo, Kurdistan, geboren. Als Kind floh sie mit ihrer Familie vor der Diktatur Saddam Husseins nach Deutschland. Sie hat Englisch und Geschichte an der Universität Duisburg-Essen sowie in Kansas/USA Anglistik studiert. Gulistan ist ihr dritter Roman. Für ihr Werk erhielt Taha zahlreiche Stipendien und Preise.
Shirin Sojitrawalla arbeitet als freie Kulturjournalistin und Moderatorin mit den Schwerpunkten Literatur und Theater für verschiedene Medien. Sie ist Mitglied der Jury der SWR-Bestenliste und Jurorin, u. a. für das Berliner Theatertreffen (2016 bis 2020), den Preis der Leipziger Buchmesse (2021 bis 2024) und den Deutschen Buchpreis (2025).
17:30 Uhr – Gespräch mit Lesepassagen
Mit Ilma Rakusa und Helmut Böttiger versammelt die Veranstaltung zwei Träger:innen des Johann-Heinrich-Merck-Preises, der zu den renommiertesten Auszeichnungen für literarische Kritik und Essayistik im deutschsprachigen Raum zählt.
Die gegenwärtigen Verwerfungen treiben die Schweizer Autorin Ilma Rakusa zu ungewöhnlichen Erkundungen. Angesichts der sich häufenden Krisenherde ergründet sie ihr Inneres im Spiegel des Äußeren. Das Persönliche und das Politische durchdringen einander in ihren Reflexionen. Ohne die Liebe und die Hoffnung aus den Augen zu verlieren, prangert sie Ungerechtigkeit und Despotismus an. In Tagebuchprosa, Gedichten, Monologen und Dialogen berichtet sie voller Empathie vom Alltag notleidender Menschen und appelliert an Humanität und Verstand. Helmut Böttiger zählt zu den profiliertesten Literaturkritikern und Literaturhistorikern im deutschsprachigen Raum. In seinen Büchern über die Nachkriegsliteratur, die Gruppe 47, Paul Celan und zuletzt Czernowitz zeigt er, wie Literatur auf politische Umbrüche, Gewalt und gesellschaftliche Krisen reagiert. Im Mittelpunkt seines Interesses stehen die ethischen und historischen Erfahrungen, die sie bewahrt und weitergibt. So verbinden seine Arbeiten literarische Analyse mit Zeitgeschichte und eröffnen neue Perspektiven auf Erinnerung, Verantwortung und demokratische Öffentlichkeit.
Ilma Rakusa ist Schriftstellerin, Übersetzerin aus vier Sprachen und Publizistin vor allem für die NZZ und die ZEIT. Ihr Werk wurde u.a. mit dem Schweizer Buchpreis und 2025 mit dem Johann-Heinrich-Merck-Preis für literarische Kritik und Essay ausgezeichnet.
Helmut Böttiger ist Schriftsteller, Literaturkritiker und Essayist. Sein Buch Die Gruppe 47. Als die deutsche Literatur Geschichte schrieb wurde 2013 mit dem Leipziger Buchpreis ausgezeichnet. Helmut Böttiger ist der diesjährige Träger des Johann-Heinrich-Merck-Preises für literarische Kritik und Essay.
Alexandru Bulucz ist freischaffender Autor, Übersetzer, Kritiker und Herausgeber. Er wurde u.a. mit dem Bingel-Preis, dem Hölty-Preis (beide 2024) und 2026 mit dem Eichendorff-Literaturpreis ausgezeichnet. Sein Gedichtband Stundenholz ist bei Schöffling & Co. erschienen. Bulucz lebt und arbeitet in Berlin.
18:30 Uhr – Lesung und Gespräch
Dana Vowinckel erzählt die Geschichte einer Liebe und der damit verbundenen Hoffnung in einer zunehmend verstörenden Welt. Anton und Alma studieren beide in Berlin und verlieben sich ineinander. Anton ist Jude und geht nach New York, um dort seine Masterarbeit über die Massenkonversion der Chasaren zum Judentum zu schreiben. Alma fühlt sich einsam ohne ihn und sucht Halt in Antons Gemeinde. Als sich durch die Ereignisse des 7. Oktober 2023 und des Gaza-Kriegs die Stimmung auf dem Campus wie auch in seiner eigenen Familie extrem polarisiert, kehrt Anton zu Alma nach Berlin zurück.
Dana Vowinckel wurde 1996 in Berlin geboren. Sie studierte Linguistik und Literaturwissenschaft in Berlin, Toulouse und Cambridge. Ihr gefeierter Debütroman Gewässer im Ziplock wurde vielfach ausgezeichnet und in mehrere Sprachen übersetzt. Für Anton und Alma erhielt sie unter anderem das Jahresstipendium des Deutschen Literaturfonds. Sie lebt in Berlin.
Daniel Schreiber ist zwar in erster Linie Essayist, Autor und Journalist, aber auch als Moderator, Podcaster und Kurator tätig. Daniel Schreiber verbindet literarische Sensibilität, philosophische Reflexion und die Fähigkeit zum öffentlichen Dialog sehr überzeugend.
Vorstellung der aktuellen Elsbeth-Wolffheim-Stipendiatin der Stadt Darmstadt und des PEN Deutschland.
19:30 Uhr – Kurzlesung und Gespräch
Die 22jährige afghanische Autorin Maryam Kishawarz begann während ihrer Schulzeit in Kabul zu schreiben. Ihre Texte unterlagen schon vor der erneuten Machtübernahme der Taliban der Zensur. Heute werden Bücher afghanischer Autorinnen aus Universitäten entfernt und Frauen vom Bildungssystem ausgeschlossen. Die literarische Chronistin ihres Heimatlandes lebt nach ihrer Flucht im deutschen Exil. Im Gepäck hat sie bislang unveröffentlichte Manuskripte, die vor allem die Situation der Frauen unter den Taliban dokumentieren. Sie liest einen Auszug aus ihrem unveröffentlichten Roman in der Übersetzung von Jutta Himmelreich.
Astrid Vehstedt ist Schriftstellerin, Regisseurin und Filmemacherin sowie Writers-in-Exile-Beauftragte und Vizepräsidentin des PEN Deutschland. Sie wird das Stipendien-Programm vorstellen.
20:00 – Lesung und Gespräch
Wie können wir in einer von Gewalt und Hass-Rhetorik geprägten Welt dem Gefühl der Ohnmacht und Perspektivlosigkeit und dem Verlust von Zuversicht begegnen? Daniel Schreiber plädiert für Gemeinsinn und eine Rückbesinnung auf die Idee der Liebe als politische Kraft. In der Auseinandersetzung mit der Ideenwelt von prägenden Figuren wie Hannah Arendt, Albert Schweitzer oder Erich Fromm zeigt er, dass deren Gedanken, Texte und Taten große politische Bewegungen angestoßen haben. Ein Buch über Widerstand und Trost – und das Wiederfinden einer eigenen politischen Stimme.
Daniel Schreiber, geboren 1977, ist Schriftsteller und Journalist. Mit seinen Texten hat er eine neue Form des literarischen Essays geprägt. Seine Bücher Nüchtern, Zuhause, Allein und Die Zeit der Verluste wurden vom Feuilleton begeistert aufgenommen und standen teils monatelang auf der SPIEGEL-Bestseller und Sachbuch-Bestenliste. Er lebt in Berlin.
Leon Joskowitz hat nach dem Studium der Philosophie viele Jahre auf kulinarischer Wanderschaft verbracht. Sein literarisches Sachbuch Vom Kochen und Töten erschien 2023. 2024 wurde seine musikalische Erzählung Džemila und Jehuda Bel Air in Griechenland und Deutschland aufgeführt. Heute arbeitet er als freier Autor, Ethiklehrer, Kurator und Moderator.
Programmheft Darmstadt Textland 2026
ZUM DOWNLOAD
Büchertisch der Buchhandlung Lesezeichen
Catering: Inge Hoffmann Service
Veranstalter: Förderkreis Frankfurt e. V. – Kultur & Diskurs
In Kooperation mit: Literaturhaus Darmstadt und Akademie für Sprache und Dichtung
Gefördert von: