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08.08.2019, Jamal Tuschick

Die Schaltzentrale des Romangeschehens ist ein Prozess, der gegen die Honoratioren von Excelsior auf die parteiischste Weise geführt wurde. In einem verspäteten Nachgang der rassenwahnsinnigen Urteilsfindung erleben Niki, Popi und Popis Halbbruder Viliki die Freilassung von Nelson Mandela. Viliki schließt sich dem Befreiungskampf an. Die Geschichte kommt wieder in Gang. Die Zukunft Südafrikas gewinnt ihre Gestalt.

Überspielte Notzucht

Sefi Atta und Zakes Mda

Popi ist die Madonna von Excelsior

Eingebetteter Medieninhalt

Manchmal erzwingen sie den Vollzug, aber wenigstens genauso oft gehört der verbotene Verkehr zu den Arrangements zwischen Herrschenden und Unterworfenen und entspricht einer von beiden Seiten überspielten Notzucht.

In seinem Roman „Die Madonna von Excelsior“ schildert Zakes Mda auf einer Leiste voller Rückblenden, manche Klärungen mit schönen Effekten weit nach hinten verschiebend, Verhältnisse, die von scheinbarer Freiwilligkeit bestimmt sind. Er macht es dem Leser nicht leicht, die Freiwilligkeit anzunehmen, aber er versperrt auch den Weg zu einer Deutung der Ereignisse als Gewaltexzesse. Mdas Kunst zeigt sich auch da, wo ein Aufgalopp der Valeurs eine knappe Darstellung vereitelt.

In den späten 1960er Jahren etabliert ein Bauer, dessen Grundbesitz die Größe eines Staates erreicht, in einer Scheune einen Bordellbetrieb. Alle Teilnehmer*innen kennen sich und sind vielfältig miteinander verbunden. Niki, eine Heldin des Romans, dient als Kindermädchen und Verkaufshilfe im Imperium des Schlachters Cronje in der Gemeinde Excelsior, die aus einem trutzbäurischen Zusammenschluss im Johannesburger Hinterland hervorgegangen ist.

Frau Cronje wiegt ihre „Mädchen“ morgens und abends zur Diebstahlsprophylaxe. Niki wurde von ihr gedemütigt. Sie revanchiert sich im Heu, indem sie Fremdgänger Cronje der Gattin entfremdet. Der bombastische Fleischermeister gibt sich als Liebeskasper und Minusliebhaber der Lächerlichkeit preis. Niki wird von ihm schwanger und bringt ein helles, dem Vater wie aus dem Gesicht geschnittenes Mädchen zur Welt. Popi erleidet das Schicksal einer Stigmatisierten. Eine engelsgleiche Stimme und das Interesse eines Malers an ihrer spannenden Erscheinung gleichen manches aus.

Popi ist die Madonna von Excelsior.

Dem Maler Modell stand Frans Claerhout. Mda beschreibt die kräftige Malerei des Belgiers. Dessen Farbgebung erhält im Roman Signalcharakter. Mich erinnert Mdas Zugriff an John Bergers Untersuchungen von Gemälden.  Es geht um die Manifestationen des Göttlichen in der geschundenen Kreatur. Claerhout wirkte seit seinem siebenundzwanzigsten Lebensjahr als Missionar in Südafrika.

Die Schaltzentrale des Geschehens ist ein Prozess, der gegen die Honoratioren von Excelsior auf die parteiischste Weise geführt wurde. In einem verspäteten Nachgang der rassenwahnsinnigen Urteilsfindung erleben Niki, Popi und Popis Halbbruder Viliki die Freilassung von Nelson Mandela. Viliki schließt sich dem Befreiungskampf an. Die Geschichte kommt wieder in Gang. Die Zukunft Südafrikas gewinnt ihre Gestalt.   

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