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30.10.2019, Jamal Tuschick

Beim Performance-Marathon der „Young Curators Academy“ nannte Rafika Chawishe Europa einen geschlossenen Raum. Sie arbeitet mit allein reisenden minderjährigen Geflüchteten. Theatralische Mittel setzt sie therapeutisch ein. Im Micro Context Container des Maxim Gorki Theaters fragte Chawishe: „Können die Träume der Traumatisierten eine neue Wirklichkeit erschaffen?“

Lunar Embassy

Mona Benyamin im Foyer des Maxim Gorki Theaters

Videoscreening von Yael Bartana

Rafika Chawishe

Make noise not war

„I‘m from occupied Palestine.“

So beginnt Mona Benyamin ihren Vortrag. Erklärtes Ziel der Autor-Aktivistin ist es: ihr „Dilemma“ mit dem Auditorium zu teilen. Ihre Geschichte der Landnahme zum Nachteil eines Volkes erzählt Benyamin als moderne Fabel.

Man glaubt es kaum, aber wer das möchte, kann sich einen Moon Claim nach allen Finessen eines Unbürgerlichen Vertragsrechts zulegen. Den Mond im Angebot hält Dennis Hope. Er nutzt eine Lücke im Gesetz, die einst die Lücke einer Gesetzesunsicherheit schloss. Danach erwirbt Eigentum, wer den Anspruch auf ein Grundstück öffentlich dokumentiert, ohne effektiven Widerspruch zu ernten. Zu denken ist in diesem Zusammenhang an weltweite Kolonisierungsfeldzüge, deren Akteure zwar Rechtssicherheit herstellen wollten, aber nur für sich und ihresgleichen.

Hope verfügt auch über jede Menge Marsgrund. Als Botschafter seines Weltraumreiches gibt er Pässe aus. Benyamin besitzt das von/in der Lunar Embassy ausgestellte Papier. Sie verknüpft den kosmischen Witz mit Hinweisen auf die Lage in ihrer überschatteten Heimat.

Aus der Ankündigung

Mona Benyamin studiert an der Bezalel Academy of Arts and Design in Jerusalem und arbeitet als Künstlerin. Ihre Werke beschäftigen sich mit persönlichen und kollektiven Themen aus palästinensischer Perspektive wie z. B. Identitätspolitik, Gedächtnis, Sprache, Wahrheit und Fiktion. Sie arbeite mit ihrer näheren Umgebung, oft mit ihrer Familie in den Rollen der Hauptdarsteller*innen.

Sie präsentiert eine Auseinandersetzung mit dem internationalen Weltraumvertrag und dem Sechstagekrieg, bei dem Israel das Westjordanland, Ostjerusalem, den Gazastreifen, die Golanhöhen und die Sinai-Halbinsel eroberte. Beide Ereignisse aus dem Jahr 1967 werfen Fragen von Nationalität, Besitz und Kolonialisierung auf.

Aus der Ankündigung

Rafika Chawishe ist Theatermacherin, Performerin, Schauspielerin und Konzeptkünstlerin. Als Kinderrechtsaktivistin hat sie intensiv mit unbegleiteten Minderjährigen im Erstaufnahmezentrum auf der griechischen Insel Lesbos zusammengearbeitet. 2014 war sie Mitbegründerin einer internationalen Künstler*innenplattform für geflüchtete, lokale und internationale Künstler*innen und im gleichen Jahr gründete sie die Theatergruppe Zlap, mit der sie zu internationalen Theaterfestivals eingeladen wurde. Sie ist Mitglied des Lincoln Theatre Directors Lab.

Sie präsentiert ihr musikalisch-theatrales Werk Europeana – ein Dialog zwischen Ibsens Stück Klein Eyolf und realen Lebenserfahrungen, die auf 250 Interviews mit unbegleiteten Minderjährigen basieren und in Community-Workshops ausgearbeitet wurde. In den Workshops kamen Teenager mit unterschiedlichen Hintergründen zusammen, um sich die Zukunft ihrer Träume vorzustellen.

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