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12.12.2019, Jamal Tuschick

Das Mainlabor hebt einen lyrischen Schatz - Das Werk des im Nationalsozialismus verfolgten und gefolterten Kasseler Friedens- und Freiheitskämpfers Lothar Schirmacher.

Spanische Elegie 1968

Picassos Guernica, gesehen im Madrider Museo Reina Sofia ... ein Wehrmachtsoffizier besucht Picasso während L'Occupation, wie die Franzosen die Zeit der Besatzung nennen, in dessen Pariser Atelier. Er sieht Guernica und fragt:

Maître, wie haben Sie das gemacht?

Picasso entgegnet: Das habe ich nicht gemacht. Das waren Sie. 

Steil ragt der Obelisk im Ebro bei Tortosa

Den Ruhm verkündend, dass hier Spaniens Freiheit starb,

Die sich in freier Wahl das Recht erwarb,

Den Hütten Glanz, den Weg hinauf zu zeigen.

Im Totenreigen

In der Ebro-Schlacht

Besiegt ein Volk durch aufgekaufte Macht,

Es war vollbracht.

In Spanien ist seit dreißig Jahren Nacht.

 

Heiß glüht die Mittagssonne über Taragonas Hafen,

Nun dürfen weiter Hütten unterm Brückenbogen stehn.

Der Sklaven graue Schar, die dort

In Lumpenstank und Wellblechmauern „wohnen“,

Sie bauten Brücken zum Hinübergehn,

Wo der Paläste Herrn sich selbst belohnen,

Wo, milde betend, zieht gemessen mit

Der schwarzen Kutten salbungsvoller Schritt.

 

Wie lange dauert wohl dies Elend fort?

Wie lange darf das schmatzende Behagen

Mit der Gewalttat innigem Akkord

Der Freiheit blutige Kokarde tragen?

Volk Spaniens, sprichst Du bald ein letztes Wort?

Spanienkämpfer voller Hoffnungen auf den Sieg der Internationalen Brigaden

Nachtrag von Jamal Tuschick

Francos Spanien ist ein Sack voll schmutziger Geheimnisse. Der Waffengang hat die Gesellschaft einen Blick auf ihren Grausamkeitsvorrat werfen lassen. Abgestiegener Adel arrangiert sich mit Emporkömmlingen, die in der franquistischen Etappe reich wurden; während andere „Sieger“ sich als Hanswürste im Rinnstein wiederfinden: wie jener Schuhputzer aus Salamanca, der seinen Namen mit einem „del“ eigenmächtig aufwertet. Mit dem Groll des Vaters in den Fäusten, gewinnt ein Sohn seinen ersten Kampf. Ein verfemter Arzt liest Romane in der leeren Praxis. Eine Bäuerin gebiert, ihr Schwager tritt an die Stelle des Gatten. Der Lückenbüßer stirbt „kerngesund“ nach einer Zeit sturer Leidenschaft. Man war füreinander nicht vorgesehen, die sozialen Reflexe versagten auf der ganzen Linie und ließen deshalb Unerhörtes zu.

 

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