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06.01.2020, Jamal Tuschick

#metoo - Ein Mann vergreift sich an der Freundin seiner Töchter. Die Berliner Schriftstellerin Ute Cohen macht keinen Hehl daraus, dass in „Satans Spielfeld“ ein am eigenen Leib erlebter Missbrauch beschrieben wird.

Rummel und Rauch

Eingebetteter Medieninhalt

Er kommt mit Waffeln und dem Versprechen grenzenloser Wunscherfüllung, während sie sich vom Echo des Freizeichens zerstreuen lässt. Ihr Zustand ist die Unschärfe in der Schwebe.

Ihre Empfindungen sind so unausgewogen, dass sie an allen Enden Polster brauchen. Fast alle Behauptungen fühlen sich falsch an.

Er schmeichelt sich ein und erscheint gleichzeitig als tonangebende Instanz. Sie bewirbt sich um seine Aufmerksamkeit. Auch wenn sie noch ein Kind ist, hat sie ihn bereits als Aufschneider durchschaut.

Ute Cohen, „Satans Spielfeld“, Roman, Septime, 216 Seiten, 21.90 Euro

Seine Intuition ist eine Angel. Er angelt kleine Mädchen.   

Eine Zwölfjährige registriert die verbotenen Valeurs. Sie erkennt die skrupellose Überschreitungsbereitschaft des fremden Vaters gegenüber einer Freundin seiner Töchter. Sie wird zur Verlassenen, als die Blutsschwestern abschwirren in ein Internat am Starnberger See.

Ute Cohen in einem Interview: „Manche sagen: Dein Körper macht, was er will, und die psychosomatischen Wechselwirkungen darf man nicht unterschätzen. Ja, das muss man wahrnehmen! Aber man darf eben auch seine Analysefähigkeiten nicht unterschätzen und die Macht, die man damit über sich erlangt. Auch das ist ein Wechselspiel. Es erfolgt nicht alles über das Unbewusste und die Körperlichkeit.“

Zurück auf Los

Marie ist die Neue. Eine in Gnaden aufgenommene Asylantin. Fordernd und mutwillig beanspruchen Sabine und Nicole Bauleitner die Gebietshoheit. Ihr anmaßendes Wesen wiederholt in einer panzerbrechenden Verdopplung den Herrschaftswillen ihres Vaters. Einmal lässt der Mann einen Zwanzigmarkschein auf dem Rummel in Rauch aufgehen, um allen zu zeigen, wie frei er sich fühlt.

Jetzt ist er fast am Ziel. Marie sieht zu dem erfolgreichen Vater auf. Ihre eigene Familie sitzt auf einem absteigenden Ast und hat sich schon prima verschlechtert. Aus dem Altbau in die bayrische Platte. Marie ignoriert so gut sie kann die Misere des sozialkatholischen Wohnungsbaus.

Sie empfindet die Deklassierung als ungerechte Strafe. Was kann sie für die Unfähigkeit ihres Vaters? Im Gegensatz zu ihm funktioniert Sabine und Nicoles Vater. Er übererfüllt sämtliche Erwartungen. Bauleitner schreibt Drehbücher der Faszination für die ihm Anvertrauten. Nur seine Frau lässt er links liegen.

Bald mehr.

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