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10.01.2020, Jamal Tuschick

Es läuft nicht gut für Clyde Deyalsingh. Seine Frau Joy und die Zwillingssöhne Paul und Peter wurden Opfer eines Raubüberfalls. Die Täter besaßen besorgniserregende Ortskenntnisse. Offensichtlich gehörten sie nicht zu einer Jugendbande, sondern zu einem mit Polizei und Justiz verzahnten Verbrecherring. Die Gewaltverdichtung nährt ein Gefühl von Ohnmacht. Hohl vor Sorge bewältigt der Held in Claire Adams Romandebüt „Goldkind“ einen gefährlich-beschwerlichen Alltag.

Der verlorene Sohn

In Clydes Nachbarschaft hält man Hunde und diskutiert die Vorzüge und Mängel von Alarmanlagen. Sicherheitsschleusen trennen die Anwesen von kläglichen Straßen und üppigem Busch. Stabil gebaute und beneidenswert achtsame Rottweiler genießen besonderes Ansehen. Ihre pfeilspitze Aufmerksamkeit weckt auch der im Unterholz von Trinidad und Tobago heimische Iguana.

Der Romanschauplatz ist ein Biodiversitäts-Hotspot. Trinidad und Tobago sind keine aus dem Meer geschossenen Vulkaninseln, sondern isolierte Trockenpunkte am äußersten Rand einer überspülten Festlandmasse. Es gibt annährend hundert einheimische Säugetier- und über sechshundert Schmetterlingsarten. Zu den endemischen Tierarten zählt der Trinidad Guan.

Eingebetteter Medieninhalt

Clyde hat eine von Tropenwald bestandene Bergkette vor seiner Haustür. Für ihn ist das abenteuerliche Gelände nur trivialer Busch voller „nachtaktiver Tiere … Geister und Banditen“. Eines Nachts irrt er durch die Gegend: auf der Suche nach einem verlorenen Sohn.

Claire Adam, „Goldkind“, Roman, aus dem Englischen von Marieke Heimburger und Patricia Klobusiczky, Hoffmann und Campe, 270 Seiten, 23,-

Abgängig ist der schwerfällige Paul, genannt Tarzan. Seine Defizite garantieren ihm staatliche Fürsorge. Clyde will dem Pubertierenden jedoch eine heimfreie Jugend schenken. Pauls genetisch identischer, intellektuell aber antagonistischer Bruder Peter bietet sich als leuchtendes Beispiel an. Das Goldkind geht seiner Generationskohorte voraus, weist ihr den Weg, zeigt sich jederzeit überlegen.

So baut Claire Adam einen märchenhaften Gegensatz auf.

Die Familie seiner Frau Joy hat was los. Ein Onkel verschafft Clyde einen Job bei der American Oil Company (Amoco). Das bringt viele Vorteile. „Joy muss nicht mehr in aller Herrgottsfrühe ein Lunchpaket machen, weil er jetzt in der Amoco-Kantine alles Mögliche zu essen bekommt: Dhalpuri Roti und Buss-up-shut.“

Die Speise heißt Buss-up-shut.

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