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09.04.2020, Jamal Tuschick

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Christo in Kassel – Klaus Baum erinnert sich: Beginn meines Vortrags über "Beckett und die Kunst der Gegenwart" von 2007 im Rahmen einer Veranstaltung der Beckett-Gesellschaft.

(c) Klaus Baum

Als ich begann, mich in das Thema „Beckett und die Kunst der Moderne“ einzuarbeiten, war ich überzeugt, daß mir dies flott von der Hand ginge, da ich mich doch nun schon seit 1967 mit Beckett beschäftigte und nahezu ebenso lang mit der Kunst des 20. Jahrhunderts. 1968 auf der documenta IV fotografierte ich für Christo den Aufbau seines Ballons "5600 cubicmeter package" in der Karlsaue, bevor ich mein Studium an der Kunsthochschule in Hamburg begann. Ich erinnere noch, wie Christo zusammen mit mir und seinem Ingenieur Mitgo den nach einigen Anläufen endlich stehenden Ballon weiträumig mit einem Mercedes umfuhr. Mitgo chauffierte und Christo gab Order, wann der Wagen anzuhalten und ich Fotos zu machen hatte. An jedem der auserwählten Standorte rief Christo aus: >>Oh, Mitgo look, isn’t it marvellous? Oh, Mitgo look, isn't it phantastic, isn't it beautiful<<. Dieser Vorgang wiederholte sich noch etliche Male, und ich, mit Becketts skeptischer Poesie damals bereits tief durchtränkt, hielt Christo ob seiner Selbstbewunderung gelinde gesagt für einen Verrückten.

Was mich aber faszinierte, war Christos Arbeit im Fridericianum. "Storefront". Ein großer leerer weißer Raum, zu dessen verschlossener Eingangstür eine Ladenpassage mit leeren Schaufenstern führte. Beckett hatte irgendwo sinngemäß gesagt, was ihn fasziniere, sei weiß, nichts als weiß. Und eben das sah ich in Christos "Storefront" realisiert. Leere, Luft und Weißheit.

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