MenuMENU

zurück zu Main Labor

15.08.2020, Jamal Tuschick

Von Andrea Pürckhauer

NEU ZUGEWANDERTE SCHÜLER*INNEN - Wie Vorbereitungsklassen zur Chance werden

Wie können neu zugewanderte Kinder gut unterrichtet werden? Mittlerweile gibt es vielversprechende Modelle, schreiben Forscherinnen in einer Expertise für den MEDIENDIENST. Doch in der Covid-19-Pandemie haben viele Schulen die guten Ansätze wieder aufgegeben.

Symbolfoto © Jamal Texas Tuschick

Der Beitrag erschien zuerst hier/Mediendienst Integration

Viele Schulen richteten 2015/16 eilig sogenannte Vorbereitungsklassen ein. Dort sollten neu zugewanderte Schüler*innen zunächst Deutsch lernen. Doch viele Klassen funktionierten nicht gut: Die Schüler*innen hatten kaum Kontakt zu Schüler*innen anderer Klassen, die Lehrkräfte waren nicht ausreichend ausgebildet. In einer Expertise für den MEDIENDIENST zeigen Juliane Karakayali und Mareike Heller von der Evangelischen Hochschule Berlin: Inzwischen gibt es vielversprechende Modelle.

Die vollständige Expertise finden Sie hier zum Download.

Die Forscherinnen haben sich vier Grundschulen in Berlin und Köln angeschaut. Dort besuchen die neu zugewanderten Schüler*innen eine Regelklasse und erhalten zusätzliche Deutschförderung in einer Vorbereitungsklasse. Das sei ein "gelungenes Match", so die Forscherinnen. Denn sowohl neu zugewanderte Kinder als auch ihre Mitschüler*innen können von den Strukturen profitieren:

  • Neu zugewanderte Schüler*innen können vom ersten Tag an am gemeinsamen Schulalltag teilnehmen, es gibt keine Parallelstrukturen. Sie haben direkten Kontakt zu ihren Mitschüler*innen. Diese können sie etwa bei Verständnisfragen unterstützen.
  • Die neu zugewanderten Schüler*innen werden nicht alleine über ihr Deutschdefizit wahrgenommen, sondern können andere Fähigkeiten und Interessen zeigen. Da sie nicht nur Deutsch lernen müssen, sondern auch andere Fächer haben, ist der Schulalltag für sie abwechslungsreicher.
  • Auch die Mitschüler*innen profitieren von den Strukturen, etwa da zusätzliche Lehrkräfte mit in den Unterricht kommen und Fragen aller Schüler*innen beantworten können.

Noch immer fehlen Ressourcen und Lehrpläne

Jedoch stoßen die Schulen immer wieder an ihre Grenzen, das zeigt die Expertise. Vor allem fehlen Ressourcen und feste Konzepte für die Vorbereitungsklassen. Bei den Lehrer*innen führe das zu Frustration und Erschöpfung. Denn es gibt zum Beispiel keine Ziele, an denen sie sich orientieren können. Etwa dafür, was Kinder in den Vorbereitungsklassen lernen sollen oder welches Deutschniveau Kinder erreicht haben müssen, um in die Regelklasse wechseln zu können. Die vage Vorgabe, Kinder sollen Deutsch lernen, reiche nicht aus. Deshalb fordern die Forscherinnen ein einheitliches Curriculum und verbindliche Lehrmaterialien für die Klassen.

Es fehlen auch Konzepte, um den Übergang der Kinder von den Vorbereitungsklassen in die Regelklassen zu begleiten. Also dann, wenn die Kinder nicht mehr in den Vorbereitungsklassen sind, aber weiterhin Unterstützung in Deutsch brauchen. Aus der Not heraus beantragen manche Lehrer*innen etwa eine Sonderförderung für die neu zugewanderten Kinder  ein Status der eigentlich nicht dafür gedacht ist und sich negativ auf die Bildungschancen der Kinder auswirken kann. Es brauche deshalb Ressourcen, um die Kinder nach den Vorbereitungsklassen weiter zu fördern.

Covid-19-Pandemie: Zurück zum getrennten Unterricht

All das führe dazu, dass die guten Ansätze auf wackeligen Beinen stehen. Und aufgegeben werden, wenn sie unter Druck geraten  wie aktuell während der Covid-19-Pandemie. Gerade werden die neu zugewanderten Kinder meist wieder getrennt von ihren Mitschüler*innen unterrichtet, da wegen des Infektionsschutzes der Unterricht in Kleingruppen stattfindet. Auch der Personalmangel erschwere es den Schulen, die zusätzliche Unterstützung für neu zgewanderte Kinder aufrechtzuerhalten. Im neuen Schuljahr brauche es deshalb Konzepte, so die Forscherinnen, um neu zugewanderte Schüler*innen trotz Kontaktbeschränkung integrativ zu unterrichten.