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18.09.2020, Jamal Tuschick

„Alles (ist) braun oder grau“ in der Kindheit des Helden. Amerikanische Schallplatten, die der Vater mitbringt, hellen den Sohn auf. Little Richards Tutti Frutti ändert alles.

Wop bop a loo bop a lop bom bom!
Tutti frutti, oh rootie
Tutti frutti, oh rootie
Tutti frutti, oh rootie… 

Das Grau verzieht sich von selbst. Der zukünftige David Bowie heißt noch David Robert Haywood Jones. Er erkennt „eine höhere Wahrheit, die unter dem Grau des Alltags verborgen“ liegt. Plötzlich sind die Sterne zum Greifen nach.

David Bowie war ein Missionar mit den Mitteln des Pop

Alien Rhapsody

„Ich bin ein Außerirdischer … Lazarus … der König der Kobolde.“
Der Künstler als junger Mann tritt mit bis zum Abwinken widersprüchlichen Selbstzuschreibungen an. Hemmungslos greift er in die Lade des Sakralen und mixt biblische Reizfiguren mit Science Fiction-Ikonen.

María Hesse © Erea Azurmendi

„Wenn ich auch nur im Geringsten dafür verantwortlich bin, dass Menschen in ihrem Inneren mehr Persönlichkeiten entdecken, als sie ursprünglich vermuteten, dann bin ich zufrieden.“

Ich wusste von Bowies Mission nichts, bis mir sein von María  Hesse und Fran Ruiz kalendarisch illustriertes Leben in die Hände fiel. Ja, Bowie war ein Missionar mit den Mitteln Pop.

María Hesse, Fran Ruiz, „Bowie. Ein illustriertes Leben“, auf Deutsch von Kristof Hahn, Heyne Hardcore, 160 Seiten, 22,-

Dynamisch-dominante Mutter

Bowie wächst in der „Ruinenlandschaft“ des Londoner East Ends auf. Den Debütanten bewegen „geisterhafte Erinnerungen“ an Raketeneinschläge. Eine dynamisch-dominante Mutter kann sich in den kleinen Verhältnissen, die den Maßstab ihres Lebens bilden, nicht entfalten. Sie kreiert ein paar ungewöhnliche Zusätze, die ihr tendenziell trauriger (indolenter?) Gatte mit Ergebenheitszeichen begrüßt. Bowie wächst mit einem Halbbruder auf, der als Seitensprungprodukt seiner Mutter ins Spiel gekommen ist. Die Angehörigen der Mutter haben „psychische Probleme“. Bowies Oma gilt als „verrückt“. Die Vita des Vaters wird nicht überliefert.

Die Erzählmanier passt zum Titel: „Ein illustriertes Leben“. Hesse & Ruiz lassen einen antiken Stil wiederaufleben, in dem man im letzten Jahrtausend in Magazinen das Genre des Erzählten Lebens nudelte. Auch der Comic Strip passt in diesen Rahmen.

„Alles (ist) braun oder grau“ in der Kindheit des Helden. Amerikanische Schallplatten, die der Vater mitbringt, hellen den Sohn auf. Little Richards „Tutti Frutti“ ändert alles. Das Grau verzieht sich von selbst. Bowie erkennt „eine höhere Wahrheit, die unter dem Grau des Alltags verborgen“ liegt. Plötzlich sind die Sterne zum Greifen nach.

Aus der Ankündigung: Der Musiker und Künstler David Bowie prägte mit seinem Stil nachhaltig die Popkultur und vermochte es wie kein Zweiter, das Leben eines Menschen zu verändern. Mit Songs wie »Starman« oder »Space Oddity« schrieb er sich für immer in unser musikalisches Gedächtnis. Seine Werke waren dabei eng mit seiner persönlichen Biografie verbunden. María Hesse und Fran Ruiz gelingt es, diese Aura und Einzigartigkeit David Bowies einzufangen. Ein visueller und emotionaler Hochgenuss, der das Leben eines vollkommenen Künstlers feiert. »Eine ungewöhnliche und sehr bewegende Biografie. Die gelungene Verbindung von Text und Illustration vermittelt dem Leser auf hochemotionale Weise den Charakter einer außerordentlichen Persönlichkeit.«

María Hesse, 1982 in Huelva geboren, ist eine der bekanntesten Illustratorinnen Spaniens. Ihre Zeichnungen werden regelmäßig ausgestellt und erschienen u.a. in Zeitschriften wie »Jot Down« und »Glamour«. Daneben illustrierte María Hesse Klassiker wie Jane Austens »Stolz und Vorurteil«. Ihr erstes illustriertes Buch »Frida Kahlo - Eine Biografie« war ein großer Erfolg und wurde in dreizehn Sprachen übersetzt. Fran Ruiz, 1981 in Málaga geboren, ist Professor der Geografie und Geschichte und schreibt unter anderem für das Magazin »Cultural Use Manual«.