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24.11.2020, Jamal Tuschick

Screaming Eagles

Michael erfährt, dass viele Animierdamen verdeckt operierende Offiziere des Vietcongs sind, denen die US-Military Intelligence Desinformationsspezialisten zuführt.

Der Autor kurz vor einem Freifallfieberanfall/Fatima und Max vor dem magischen Käfer Buba im Iran © HELLER VERLAG

"Wir haben nur den Menschen geholfen."  

Da Nang im Dezember 1971. In einer Bar lernt der deutsche GI Michael Miller einen Landsmann kennen, der als Krankenpfleger auf dem Hospitalschiff Helgoland arbeitet.    

Eingebetteter Medieninhalt

Ohne Einsicht in seine Verlorenheit strebt Captain Winslow „Barry“ Meeker dem Krieg entgegen. Fast zwei Meter lang, raucht und trinkt der polyglotte, bereits zweimal angeschossene, mit einem donnernden Ego gesegnete Hubschrauberpilot alle Teufel unter den Tisch, um „auch noch nach zehn Dosen Bier stocknüchtern“ aus dem „Steppenwolf“ zu zitieren.

Die Unsterblichen

Immer wieder aus der Erde Tälern/Dampft zu uns empor des Lebens Drang: Wilde Not, berauschter Überschwang,/Blutiger Rauch von tausend Henkersmählern,/Krampf der Lust,/Begierde ohne Ende,/Mörderhände ...  

Michael Miller (ursprünglich Müller), ein in München geborener Fallschirmjäger, Einzelkämpfer und Sanitäter der 101st Airborne Division, lernt Barry in einem Zelthospital kennen.

Max Claro, „Der Rausholer“, Roman, Heller Verlag, 365 Seiten, 19,90 €

Aus der Ankündigung

Um einer Gefängnisstrafe wegen Fahnenflucht zu entgehen, verpflichtet sich Michael Miller für die CIA dubiose Zielpersonen aus Ostblockländern und dem Mittleren Osten in den Westen zu schleusen. Sein größter Coup wird jedoch die Befreiung von 141 deutschen Geiseln aus der Islamischen Republik Iran im Auftrag der Bundesrepublik Deutschland. – Packender Agententhriller nach wahren Begebenheiten.

Da Nang im Dezember 1971 - Michael zeigt sich beeindruckt von Barrys widersprüchlicher Vielfältigkeit. Für einen Schlepperlohn begleitet er den überbordenden Hasardeur in eine Bar. Da lernt das Greenhorn Ulf Peterson kennen, der als Krankenpfleger auf dem Hospitalschiff Helgoland arbeitet. Außerdem erfährt Michael, dass viele Animierdamen verdeckt operierende Offiziere des Vietcongs sind, denen die US-Military Intelligence Desinformationsspezialisten zuführt.

„Uncle Sam zahlt denen jeden Tag fette Zulagen.“

Am nächsten Tag landet Michael zum ersten Mal in einer heißen Zone. Ehe er sich versieht, quillt ihm ein „Darminhalt in sämtlichen Verdauungsstufen“ entgegen. Der Gestank ist bestialisch. Nach zwanzig Minuten auf dem Schlachtfeld erlebt der Debütant die Versorgung eines glatten Durchschusses als heilsame Erholung. Dann wird er selbst zum Gefecht herangezogen. Er plagt sich mit dem biblischen Tötungsverbot und verspricht sich, in jedem Fall am Feind vorbei zu schießen. Als der Feuerbefehl die Soldaten aus der Deckung zieht, sieht Michael eine Baumschule auf sich zukommen. Die Vietcong-Kombattanten tragen „abenteuerliche Pflanzen und Sträucher auf ihren Köpfen“. Neben Michael bricht Bill zusammen. Er hat ein Loch im Kopf. Blut- und Hirnwasser treten aus. Trotzdem spricht der Verletzte. Er beklagt eine höchst irritierende Sehstörung.
Michael hält auch die psychisch Eingeschnappten für kampfunfähig. Er macht den Fehler, sich entsprechend zu äußern. Ein Sergeant kontert: „Wer noch eine Waffe halten kann, kann auch noch kämpfen.“
Michael entzieht sich dem Regime. Er desertiert im Rettungshubschrauber und steigt bald in begleitender Funktion in ein Ambulanzflugzeug, das nach Korea fliegt. In der Luft nimmt er die Identität eines gerade Verstorbenen an.
„Ich tauschte unsere Dog Tags.“

Demolition Lessons

Ich schenke mir die Details der Verwandlung vom Deserteur zum CIA-Agenten. Michael sitzt halbwegs auf dem Kackeimer in einer Militärarrestzelle, als man ihn mit einem Angebot ködert, dass der Delinquent nicht ausschlagen kann. Jetzt heißt er Martin Cooper. Also nenne ich ihn auch so.

Martin durchläuft das Programm auf der Farm in Camp Peary. Sie erinnern sich. Das wurde gründlich besprochen. Siehe Amaryllis Fox, „Life Undercover. Als Agentin bei der CIA“, Hanserblau …

Den Feinschliff gibt es auf der Farm. Das rurale Refugium liegt irgendwo in Virginia. Da bildet die Agency solche Agent*innen aus, die mehr können müssen, als in der Rolle einer zivilen Botschaftsangehörigen nicht durchzufallen. Auf der Farm bringt man Fox Bump bei. So nennt man die Herbeiführung einer Begegnung unter den Anzeichen des Zufälligen.

„Wir investieren in eine Beziehung mit unseren Gegnern“, schreibt Fox.

Die Agent*innen gewinnen Vertrauen und bauen Beziehungen auf. Gegebenenfalls organisieren sie dissoziative Identitätsstörungen. Fox behauptet, im Waffenkampf verlöre man jene „subtilen Fertigkeiten“, die es einem erlauben, von einer Cocktailparty in eine Terrorzelle zu wechseln, ohne auffällig zu erscheinen.

„Es ist unsere Deckung (Tarnung), nicht unser Waffenarsenal, das uns davor bewahrt, getötet zu werden.“

Zurück zu Martin. Besonders genießt er in Demolition Lessons den Umgang mit Dynamit, Plastiksprengstoff und hausgemachte Explosives. Während er lernt, K.O. Tropfen zu destillieren und Leute mit Hokuspokus zu verwirren, nimmt die Watergate-Affäre* Gestalt an.

*„Die Watergate-Affäre ist benannt nach dem im Zentrum der amerikanischen Hauptstadt Washington gelegenen Watergate-Gebäudekomplex, in dem sich Anfang der 1970er Jahre das Hauptquartier der Demokratischen Partei befand. In ihm verhaftete die von dem Wachmann Frank Wills verständigte Polizei in der Nacht zum 17. Juni 1972 fünf Einbrecher, die offenbar versucht hatten, Abhörwanzen zu installieren und Dokumente zu fotografieren.“ Wikipedia

CIA-Direktor Robert Helms fragt seine Schüler*innen: „Was haben die Einbrecher … falsch gemacht.“

Die Antwort lässt er sich nicht nehmen:

„Sie haben sich erwischen lassen.“

Morgen mehr.