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19.12.2020, Jamal Tuschick

Was so ankommt vor Weihnachten: ein Gedicht als Verlagsgruß und ein anderes als Ankündigung auf die Goldenen Zeiten nach der Corona Show. 

Statt Glühwein - Ein Gedicht von Annette Wassermann als Weihnachtsgruss des Klaus Wagenbach Verlags

Ach liebe Damen und Herrn
ich tät‘s wirklich gern

doch das jährliche Dichten
gelingt heuer mitnichten
zu viel wurde gesagt
und ich bin ganz verzagt
wir ham manches erlebt
was das Hirn sehr verklebt
ham so vieles vermisst
was man sonst leicht vergisst
uns geschämt für die Nudeln
wie für Menschen in Rudeln
hatten Angst vor dem Morgen
und ganz vielerlei Sorgen

zwischen Wut Furcht und Zorn
blieb das Virus ein Dorn
in Aug Herz und auch Fuß
dabei wuchs Überdruss
wir übten Lächeln mit Blicken
hörten auf uns zu drücken
tapfer wo es nur ging
machte jeder sein Ding

wir ersehnten die Welt
was nicht zu kaufen für Geld
sind wohl fühlende Wesen
auch beim Kochen und Lesen
das ist eigentlich schön
um es mal so zu sehn
wir hoffen beten und wüten
kotzen manchmal in Tüten
doch viel lieber wir küssen
selbst wenn wir das nicht müssen

ein neues Jahr kommt herbei
dem sind wir einerlei
gut und schön soll es werden
für möglichst alle auf Erden
unter Tannen und Fichten
werden wir mal verzichten
auf echte Nähe und Tanz
doch nicht auf Wärme und Glanz

dieser Gruß muss jetzt enden
man kann‘s drehen und wenden
es wurd doch ein Gedicht
und das schadet ja nicht
machen wir munter weiter
bleiben Sie möglichst heiter
und ziehn warme Socken an
es winkt - Annette Wassermann

Glutnester von Helmut Krausser

Glutnester suchen,

draußen in der Nacht,

mit der bloßen nackten

Hand aufnehmen, zum

Mund hinaufheben,

Luft reinpusten,

bis sie heller leuchten, bis

ich Feuer fange, brenne,

wieder Fackel bin und

zündeln kann.

Aus der Ankündigung

Mit seinem neuen Gedichtband Glutnester , der am 1. Februar 2021 im Berlin Verlag erscheinen wird, entfaltet Helmut Krausser ein breites Spektrum an Formen und Farben der Dichtkunst, das vom inspirierten Spiel mit klassischen Versmaßen und Vorreitern bis zum Sprachexperiment reicht. Naturimpressionen, Tiergedichte, Aphoristisches, Großstadtlyrik, Dorfgeschichten und nicht zuletzt das Erotik- und Liebesgedicht öffnen weite Themenräume.